Brutales Foul
Ballack-Berater Becker prüft Klage gegen Boateng
Boatengs Foul an Michael Ballack könnte ein juristisches Nachspiel haben. Michael Becker, der Berater des deutschen Kapitäns, wertet die Attacke als "Körperverletzung mit Ansage" und denkt über eine Klage gegen den Portsmouth-Spieler nach. Ballack hingegen schlägt im DFB-Trainingslager auf Sizilien versöhnlichere Töne an.
Englisches Pokalfinale im Mai 2010: Kevin-Prince Boateng vom FC Portsmouth trifft den damaligen Chelsea-Profi Michael Ballack am rechten Knöchel.
Kevin-Prince Boateng drohen nach seinem folgenschweren Foul gegen DFB-Kapitän Michael Ballack juristische Konsequenzen. "Meiner Meinung nach handelt es sich bei Boatengs Attacke nicht nur um einen hinterhältigen Tritt, sondern um Körperverletzung mit Ansage. Wir behalten uns ausdrücklich eine juristische Bewertung vor. Das umfasst sowohl strafrechtliche als auch zivilrechtliche Konsequenzen", sagte Michael Becker, Rechtsanwalt und Berater von Ballack.
Für Ballack ist nach seiner schweren Bänderverletzung im rechten Sprunggelenk nicht nur der Traum von der dritten WM-Teilnahme geplatzt. Durch den Ausfall muss der 33 Jahre alte Mittelfeldspieler vom englischen Double-Gewinner FC Chelsea auch Einnahmenverluste in Millionenhöhe einkalkulieren.
Versöhnliche Töne schlug indes Ballack am Dienstag im DFB-Quartier im sizilianischen Sciacca an: "Ich bin natürlich noch sehr verärgert und enttäuscht, aber im Fußball sollte man nicht nachkarten." Er blickt trotz des bitteren Ende aller WM-Träume blickt positiv in die Zukunft. "Ich will so schnell wie möglich wieder fit werden und Fußball spielen. Ich habe jetzt viel Zeit, alles neu zu sortieren. Das war ohnehin im Sommer geplant. Ich werde hochmotiviert in die neue Saison gehen und wieder große Ziele haben. Welche Rolle die EM 2012 dabei spielt, darüber werde ich sicher auch nachdenken", sagte der 33 Jahre alte Mittelfeldspieler vom englischen Double-Gewinner FC Chelsea, der wegen einer schweren Verletzung am rechten Knöchel nicht an der WM 2010 in Südafrika teilnehmen kann.
Ballack war trotz seiner Verletzung gemeinsam mit seiner Familie am Montag in das Regenerationstrainingslager der deutschen Nationalmannschaft nach Sizilien gereist. "Ich bin froh, dass ich hier bin und möchte als Kapitän positive Signale setzen", sagte Ballack, der auch ohne seine Teilnahme mit einem guten Abschneiden der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Kap der guten Hoffnung rechnet: "Die Nationalmannschaft hat auch schon ohne mich gute Spiele gemacht. Das Team muss das Thema jetzt so schnell wie möglich abhaken und nach vorne blicken."
Berater Becker glaubt indes nicht, dass sich Boateng bereits auf dem Platz bei Ballack für seinen bösen Tritt entschuldigt haben soll: "Diese nachgeschobene Entschuldigung ist frei erfunden. Das ist eine reine Schutzbehauptung eines uneinsichtigen Gewalttäters, der schon des Öfteren in dieser Richtung auffällig geworden ist."
Kevin-Prince Boateng, seit kurzem für Ghana spielberechtigt und damit auch Gegner der deutschen Nationalmannschaft im abschließenden WM-Gruppenspiel, hatte sich am Montag öffentlich für seine Attacke gegen Ballack entschuldigt. "Ich kann mich nur entschuldigen. Ich komme einfach zu spät und treffe ihn voll. Es sah dumm aus. Ich habe mich auf dem Platz zweimal entschuldigt. Nun zum dritten Mal. Es tut mir leid. Es war keine Absicht", sagte Boateng Sport Bild online.
Die Aussagen von Boatengs Vater Prince, könnten allerdings den Schluss zulassen, dass es sich beim Foul von Boateng um eine Revanche handelte. "Ich habe schon viel schlimmere Fouls gesehen. Ich denke, die beiden hatten eine Rechnung offen. Ich erinnere mich an ein Vorkommnis aus Berliner Zeiten. Kevin hatte eine Woche vorm Spiel gegen die Bayern sein erstes Bundesliga-Tor geschossen. Im Spiel ist ihm dann Ballack auf den Fuß getreten. Als Kevin nachgefragt hat, was das soll, hat Ballack zu ihm gesagt: ’Halt die Klappe! Nur weil du gegen Frankfurt ein Tor geschossen hast, musst du nicht denken, dass du der Größte bist’", hatte Boatengs Vater der Berliner Tageszeitung B.Z. gesagt.
"Wo kämen wir denn hin, wenn jeder der vor einigen Jahren mal von einem anderen Spieler gefoult worden ist, Jahre später einen Rachefeldzug auf dem Spielfeld fortführt", sagte Becker und fügte hinzu: "Jeder Zuschauer hat gesehen, was Boateng getan hat. Das war ein Tritt mit Ansage." Boateng selbst bestreitet Absicht energisch. Beim englischen Pokalfinale am vergangenen Samstag zwischen dem FC Chelsea und dem FC Portsmouth (1:0) hatte Boateng seinen Gegenspieler Ballack von der Seite umgegrätscht und damit den Knöchel des 98-maligen deutschen Nationalspielers schwer lädiert. Wie lange Ballack pausieren muss, ist derzeit noch unklar.
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