Karriereende Füchse-Profi Colja Löffler braucht einen neuen Beruf

Colja Löffler (l.) traf in seiner Karriere oft für die Füchse

Foto: imago / BM

Colja Löffler (l.) traf in seiner Karriere oft für die Füchse

Nach Knorpelschäden in beiden Knien muss der Handballer seine aktive Laufbahn beenden. Sein Vertrag bei den Füchsen läuft aus.

Berlin.  Es gab eine Zeit, da war Colja Löffler in zwei Sportarten so gut, dass er wählen konnte, welche er zu seinem Beruf machen möchte. Sowohl im Handball als auch im Kanu hätte es der Berliner weit bringen können. Soweit die Prognosen. Löffler entschied sich für Handball und entwickelte sich bei den Füchsen Berlin zu einem wichtigen Bestandteil des Teams – auch, weil er aufgrund seiner Flexibilität auf mehreren Positionen eingesetzt werden konnte.

Damit ist es nun vorbei. Wegen Knorpelschäden in beiden Knien muss der 26-Jährige seine Karriere beenden. "Ich will es immer noch nicht richtig wahrhaben", sagt Löffler. Er humpelt aus dem Raum der Physiotherapeuten im Sportforum Hohenschönhausen und setzt sich mit dem Rücken zur Trainingshalle auf einen Stuhl. Hinter ihm trainiert sein Team. Löffler wird nie wieder dabei sein können. Diese Gewissheit schmerzt. "Meine ganze Kindheit habe ich daraufhin gearbeitet, ich wollte eigentlich noch mindestens acht Jahre spielen", sagt er.

Zwei Operationen rechts, eine links

Jetzt, nach zwei Operationen im rechten und einer im linken Knie kann er froh sein, wenn er irgendwann wieder halbwegs schmerzfrei die Treppen in seinem Haus hinunterlaufen kann. Seit 2006 spielt Löffler bei den Füchsen. Nicht ein einziges Mal fehlte er verletzt – bis er im Sommer 2014 während der Vorbereitung mit einem Gegenspieler Knie an Knie aneinander stieß. "Der erste Arzt hat gesagt, das ist nur eine Prellung, in zwei Monaten kannst du wieder spielen", erzählt Löffler.

Im November 2014 kehrte er zurück, da das Knie aber immer wieder anschwoll, wurde er erneut operiert. Nach langwierigen Behandlungen sah es so aus, als könne er zur aktuellen Saison mitwirken, doch dann bekam er einen Schlag auf das gesunde Knie. Auch hier die Diagnose: Knorpelschaden. "Dass du dir den Knorpel weghaust, ist eigentlich das Schlimmste, was einem Sportler passieren kann", sagt Löffler. Jeden Tag verbringt er mehrere Stunden in den Physioräumen: "Ich hatte schon Phasen, in denen ich morgens aufgewacht bin und keinen Bock mehr hatte."

Versicherung war ihm zu teuer

Er versucht, nach vorn zu blicken, hatte ein Bewerbungsgespräch bei einem Unternehmen, das Tablettenpressen herstellt. Hier könnte er arbeiten. "So richtig bereit bin ich dafür aber noch nicht", gibt er zu. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Feinmechaniker. Damals sagte er: "Man weiß ja nie, wie im Sport kommt."

Daran geglaubt, dass es ihn einmal so treffen könnte, hat er aber nicht. Deshalb schloss er auch keine private Unfallversicherung für Profisportler ab. "Die Versicherung wollte damals fast die Hälfte von meinem Gehalt haben, das wollte ich nicht ausgeben. Jetzt ärgere ich mich darüber", sagt er. Bis zum Saisonende wird er noch von den Füchsen bezahlt, doch dann läuft sein Vertrag aus.

Weitere Ausfälle beim Klub

Der gebürtige Lübecker ist nicht der einzige Füchsespieler, der diese Erfahrung machen muss. Auch Bartlomiej Jaszka (32) und Denis Spoljaric (36), einst die Stützen im Spiel der Berliner Handballer, sind inzwischen Fälle für die Berufsgenossenschaft. Spoljarics Handverletzung lässt ihn nach Angaben von Geschäftsführer Bob Hanning nicht einmal eine Tasse ohne Schmerzen anheben. Bei Jaszka hat sich die Wurfschulter nach einer Operation im Juli 2014 nicht mehr erholt.

Die Verletzungen von Spoljaric, Jaszka und Löffler waren bitter für die Füchse, vor allem, da sie fast zeitgleich passierten. "Bei mir wäre es jetzt eigentlich noch einmal richtig losgegangen, 26 ist das beste Handballalter", sagt Löffler. Jetzt ist es das Alter, in dem er seine Karriere beendet.

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