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13.01.12

Turnier in Serbien

Acht Berliner Füchse spielen um den EM-Titel

Bei der Handball-EM in Serbien sind die Füchse Berlin so stark vertreten wie noch nie: Gleich acht Spieler verteilen sich auf sieben verschiedene Nationen. Während einigen die Spielpraxis gut tut, sorgt sich Trainer Sigurdsson um die gesunde Rückkehr seiner Akteure.

© Bongarts/Getty Images/Getty
Germany v Hungary - Men's Handball International Friendly
Rückhalt: Füchse-Keeper Silvio Heinevetter ist die Nummer 1 im deutschen Tor

Dagur Sigurdsson ist unentschieden. Natürlich ist der Trainer der Füchse Berlin mächtig stolz, dass so viele Spieler aus seiner Mannschaft zur Handball-Europameisterschaft fahren. Zugleich aber sorgt sich der Isländer um die Gesundheit seines werfenden Personals. "Ich hoffe, dass alle meine Jungs gesund wiederkommen, damit wir Anfang Februar gleich wieder loslegen können."

So also ist die EM für die besten europäischen Klub-Mannschaften Fluch und Segen zugleich. Dank ihres sportlichen Erfolges mit derzeit Rang zwei in der Bundesliga und dem Champions-League-Achtelfinale in greifbarer Nähe schauten natürlich auch die Auswahltrainer der EM-Starter mit großem Interesse nach Berlin – und beorderten nun insgesamt acht Akteure nach Serbien, wo am Sonntag das EM-Turnier beginnt. Dort kämpfen viele Mannschaften um ihre letzte Chance auf ein Ticket für die Olympischen Spiele.

Die acht Nationalspieler der Füchse verteilen sich auf sieben verschiedene Nationen, und die Auslosung will es, dass es bereits in der Gruppenphase zu Duellen zwischen Berliner Teamkollegen kommt. So etwa fordern zum Auftakt die deutschen Auswahlakteure Silvio Heinevetter und Sven-Sören Christophersen ihren tschechischen Klub-Kameraden Petr Stochl. Bei den Füchsen teilen sich Heinevetter und Stochl die Torhüterposition, bei der EM nun werden sie in ihren Teams zentrale Rollen spielen. "Aber während Petr Stochl vor sich eine starke Zwei-Meter-Abwehr um Superstar Filip Jicha hat, mache ich mir um die deutsche Defensive echte Sorgen", sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. "Entscheidend wird sein, wie wir in das Turnier starten."

Die deutsche Mannschaft um Bundestrainer Martin Heuberger steht in Serbien gewaltig unter Druck, gilt es doch, die letzte Chance für eine Olympia-Teilnahme zu wahren. Bei den vergangenen Großereignissen jedoch hatte die DHB-Auswahl stets das Nachsehen. "Aber dafür treten wir das erste Mal in Bestbesetzung an", sagt Hanning, "außerdem haben wir eine günstige Gruppenauslosung." Dabei hofft der Manager, dass Christophersen bei Heuberger ordentliche Einsatzzeiten erhält. Immerhin ist "Smöre" in dieser Saison bester Deutscher in der Torjägerstatistik der Champions League und spielt beim Tabellenzweiten in Berlin großartig auf, übernimmt in brenzligen Phasen Verantwortung und zieht die Mannschaft mit. "Wer Christophersen vertraut, der wird davon profitieren", frohlockt Hanning.

Spielpraxis für Stenbäcken

Nach der Partie gegen Mazedonien trifft die deutsche Auswahl zum Abschluss in der Gruppe B auf Schweden mit dem Füchse-Profi Jonathan Stenbäcken. Der Rechtshänder kam im Sommer 2011 aus Sävehof an die Spree und hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten gut bei den Füchsen eingelebt. Mit jedem Spiel steigert sich der 24-Jährige und steht zur großen Freude seines Arbeitsgebers im EM-Team. "Die Schweden haben uns gegenüber den Vorteil, dass sie die jungen Spieler wie Stenbäcken bereits bei großen Turnieren integriert haben", sagt Hanning, "für uns ist es ideal, dass Jonathan bei der EM spielt, so kommt er immer besser in Fahrt, und wir profitieren davon." Nicht ganz so erfreut ist der Manager hingegen über die Tatsache, dass Füchse-Spielmacher Bartlomiej Jaszka bei den Polen wohl mit die meiste Einsatzzeit aller Berliner Nationalspieler erhalten wird. Doch es sind mit Tomasz Rosinski, Slawomir Szmal und Marcin Lijewski gleich drei Leistungsträger verletzt, so dass sich die polnische Auswahl vom Geheimfavoriten zum Außenseiter entwickelt hat. Trotz ihres begnadeten Spielmachers. Hanning: "Die deutsche Mannschaft hätte gerne einen wie Jaszka in ihren Reihen."

Die Nummer eins auf seiner Position ist auch Füchse-Torjäger Alexander Petersson. Der Isländer ist im rechten Rückraum gesetzt, verfügt mit 119 Stundenkilometern über einen der härtesten Würfe des Kontinents. "Die Isländer leben von ihren großen Emotionen und sind bei einer EM immer brandgefährlich", sagt Hanning. Die Skandinavier sind nicht Favorit, eine Medaille aber ist immer möglich. Einen Platz auf dem Podest haben die stolzen Spanier mit dem Berliner Publikumsliebling Iker Romero hingegen fest im Visier. Und nicht weniger als den Titel haben sich die Kroaten um Füchse-Linksaußen Ivan Nincevic vorgenommen. Dabei können sie auf eine große Unterstützung durch das Publikum zählen.

Beim nächsten internationalen Großereignis drängt dann schon ein weiterer Füchse-Akteur in die Nationalmannschaft. Am Donnerstag bekam Kreisläufer Ewgeni Pewnow die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen: "Es ist ein tolles Gefühl, jetzt den deutschen Pass zu haben." Und Hanning sagte: "Wenn er in der Liga weiter zu konstanten Leistungen findet, hat er auch die Möglichkeit, in Richtung Nationalmannschaft zu blicken."

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