Handball
Füchse fürchten Rache der Rhein-Neckar Löwen
Im vorletzten Auswärtsspiel der Bundesligasaison treten die Füchse Berlin am Sonntag bei den Rhein-Neckar Löwen an. Von der Papierform her sind die Rollen klar verteilt. Doch bereits im Hinspiel haben die Berliner gezeigt, dass sie in der Lage sind, einen der Topvereine in der Bundesliga zu besiegen.
Von Alexandra Gross
Seit Tagen steigt die Vorfreude auf das meisterliche Spektakel. Am Sonnabendmorgen fliegt Bob Hanning nach Madrid, wo am Abend im ehrwürdigen Estadio Santiago Bernabeu der deutsche Fußball-Rekordmeister FC Bayern München im Finale der Champions League gegen Inter Mailand das historische Triple schaffen will. Und der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin ist im Stadion. Am Sonntagnachmittag aber blickt er dann wieder mit Spannung gen Heimat, denn im vorletzten Auswärtsspiel der Bundesligasaison treten die Füchse bei den Rhein-Neckar Löwen an.
Von der Papierform her sind die Rollen klar verteilt. Die von SAP-Milliardär Dietmar Hopp unterstützten Löwen haben einen Etat, der drei Mal so hoch ist wie der von den Füchsen. "Das ist eine ganz andere Welt", sagt Hanning und wagt einen Exkurs zum Fußball: "Das ist in etwa so, als würde St. Pauli beim FC Bayern München antreten."
Der Kultverein vom Hamburger Kiez ist gerade erst wieder in die Bundesliga aufgestiegen, die Füchse hingegen behaupten sich schon im dritten Jahr in der Beletage des deutschen Handballs. Und das mit zunehmendem Erfolg. Nach Platz zwölf und zehn in den beiden Spielzeiten zuvor streben sie nun Rang acht an. Dieser Platz könnte im besten Fall sogar für die Teilnahme am internationalen Wettbewerb reichen. Damit das tatsächlich klappt, müssten die Rhein-Neckar Löwen am Ende der laufenden Spielzeit die Qualifikation für die Champions League verpassen, also Vierter oder Fünfter werden. Ein Sieg der Füchse am Sonntag in Karlsruhe – die Partie wurde wegen der Eishockey-WM aus der SAP-Arena in die Europahalle verlegt – würde diesem Ziel durchaus dienen.
Bereits im Hinspiel haben die Berliner gezeigt, dass sie in der Lage sind, einen der Topvereine in der Bundesliga zu besiegen. Kurz vor Weihnachten hatte die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson in der Schmeling-Halle mit 33:28 über die Löwen triumphiert und damit den lang ersehnten Erfolg gegen einen Spitzenklub der Liga errungen. Damals überragten Petr Stochl im Tor und Spielmacher Bartlomiej Jaszka, der gerade erst von den Fans zum "Fux des Jahres gewählt" wurde. "Das Hinspiel war schon eine Sensation. Wir haben über unseren Möglichkeiten gespielt und die Rhein-Neckar Löwen hatten keinen guten Tag", erinnert sich Trainer Sigurdsson und schaut mit Zuversicht auf das Rückspiel: "Dort müssen wir wieder an unsere Grenzen gehen, vielleicht können wir die Löwen noch einmal ein wenig ärgern."
Bob Hanning befürchtet jedoch, dass bei den Löwen der Wille zur Revanche groß ist. "So etwas wie unseren klaren Sieg im Dezember bekommt man leider meistens zurück", sagt der Manager. Und tatsächlich sitzt der Stachel von der Pleite in der Hauptstadt bei den Süddeutschen noch tief. "Das war einer der Unfälle in dieser Saison", sagt etwa der Isländer Olafur Stefansson, der mit Füchse-Coach Sigurdsson viele Jahre in der Nationalmannschaft zusammengespielt hat. "In Berlin hätten wir eigentlich gewinnen müssen. Aber die Füchse haben eine gefährliche Mannschaft und natürlich auch einen guten Trainer."
Solche Unfälle, wie Rückraumspieler Stefansson nicht eingeplante Niederlagen nennt, erlebten die Rhein-Neckar Löwen in der Saison mehrmals, so dass sie derzeit nur auf Rang vier liegen. Zu wenig für die hohen Ansprüche des Vereins. Immerhin können die beiden Trainer Ola Lindgren und Kent Harry Andersson auf einen international erfahrenen Kader zurückgreifen. Fast 90 Prozent der Akteure spielen für ihre Nationalteams und sind bereits Weltmeister, Europameister oder haben andere große internationale und nationale Wettbewerbe gewonnen.
"Mit der Tiefe und der Erfahrung im Kader hatte ich die Löwen ursprünglich im Dreikampf mit Kiel und Hamburg auf der Rechnung", sagt Hanning. "Wenn sie die gesamte Saison so gespielt hätten wie bei der Pokal-Endrunde in Hamburg, wären sie ganz vorne dabei gewesen."
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