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Handball

Füchse Berlin müssen zum Straftraining

Leidenschaft hatte Füchse-Manager Bob Hanning vor dem Spiel gegen den THW Kiel gefordert. Was dann am Dienstagabend in der Berliner Max-Schmeling-Halle folgte, war das genaue Gegenteil: Beim Debakel gegen Kiel ließen die Füchse-Handballer Einstellung und Kampfbereitschaft vermissen. Der Tag danach begann für die Spieler mit harscher Kritik und einem Straftraining.

Fuechse Berlin v THW Kiel - Toyota HBL
Foto: Bongarts/Getty Images/Getty
Füchse-Torwart Silvio Heinevetter zeigte im Spiel gegen THW Kiel offen seine Frustration über die Leistung der eigenen Mannschaft

Mit hängenden Schultern stand Bob Hanning neben dem Spielfeld der Max-Schmeling-Halle, den Blick starr ins Leere gerichtet. Wenig später offenbarte der Geschäftsführer der Füchse Berlin auch mit Worten seinen Gemütszustand. „Zum Losdonnern fehlt mir einfach die Kraft“, gestand er.

Die Erschütterung beim Handball-Bundesligisten nach dem Debakel gegen den THW Kiel ist tief. Mit 23:40 (13:18) hatten die Berliner gegen deutschen Rekordmeister aus dem Norden verloren und somit die höchste Pleite seit dem Aufstieg in die Eliteklasse kassiert. Dabei zeigten die Füchse vor allem in der zweiten Halbzeit eine desaströse Leistung und brachen gegen den THW völlig ein.

„Wenn meine Jugendmannschaft sich so einen Auftritt erlaubt hätte, dann hätte sie jetzt ein unüberbrückbares Problem mit mir“, zürnte Hanning, „das war die schlechteste zweite Halbzeit in der Geschichte der Bundesliga von uns. Jedes Tor der Kieler fiel ohne Gegenwehr von uns.“

Während der Geschäftsführer am Mittwoch keinen Kontakt zur Mannschaft suchte, weil diese sich nach seiner Auffassung die Suppe selbst eingebrockt habe und daher auch selbst auslöffeln müsse, bat Trainer Dagur Sigurdsson seine Profis bereits am Vormittag zum Straftraining. Eigentlich steht nach Spielen Regeneration auf dem Programm. Und wie schon nach dem Spiel nahm sich der Isländer seine Mannen zur Brust. „Er hat klare Worte gefunden“, sagte Linksaußen Konrad Wilczynski. Einzelgespräche musste Sigurdsson gar nicht führen, denn seine Ansage galt jedem Akteur gleichermaßen. Hanning: „Das war ein kollektiver Blackout.“ Und so verzichtete ein Berliner Uhren-Hersteller, der sonst bei Heimpartien stets den Füchse-Spieler des Tages kürt, denn auch auf die Ehrung. Es hatte sich schlichtweg keiner für die Auszeichnung empfohlen.

Nun heißt es für Trainer Sigurdsson, die Ursachen für die herbe Niederlage zu ergründen, sie zu analysieren und Kräfte zu sammeln für das nächste Spiel am Mittwoch zu Hause gegen den HSV Hamburg. Der Isländer machte fehlende Kraft aus und sah Akteure, die ohne Energie spielen. „Außerdem hatten wir Totalausfälle im Angriff“, so Sigurdsson. Dazu gehörte auch der Niederländer Mark Bult, dem gerade mal ein Tor gelang – ein Siebenmeter. „Wir waren zudem immer einen Schritt zu spät dran und im Rückzug zu langsam“, sagte der Coach.

Kiel war nicht unverwundbar

Dass man gegen den THW Kiel nicht einfach mal so gewinnen werde, das war den Füchsen freilich vorher klar. Zu groß ist der Qualitätsunterschied im Kader, die Mannschaft von der Förde ist eine der besten der Welt. Dennoch präsentierten sich die Norddeutschen am Dienstagabend nicht unverwundbar. „Natürlich haben wir keine Weltklassespieler wie einen Daniel Narcisse oder Filip Jicha“, sagt Hanning, „aber was wir können ist kämpfen und nochmals kämpfen.“ Das aber haben die Füchse nicht getan. „Es sah so aus, als hätte die Mannschaft mitten im Spiel das weiße Handtuch zum Zeichen der Aufgabe geworfen.“

Konrad Wilczynski war sich wie seine Team-Kollegen darüber bewusst, dass man so nicht vor heimischem Publikum auftreten darf. „Unsere Einstellung und Kampfbereitschaft hat gefehlt“, räumt der Österreicher ein, „es ist beschämend, vor 8000 Zuschauern so eine schlechte Leistung abzuliefern.“ Bei der Ursachenforschung kam er noch nicht so richtig weit, Wilczynski wusste nur: „Wir haben uns in der zweiten Halbzeit aufgegeben. Das darf uns nicht noch einmal passieren.“

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