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Handball-Bundesliga

23:40 - Kiel erteilt Füchsen eine Lehrstunde

Die Berliner Füchse haben die Sensation klar verpasst und ihre höchste Niederlage in dieser Saison kassiert. Sie verloren in der Schmeling-Halle gegen den deutschen Rekordmeister THW Kiel mit 23:40 (13:18). Füchse Manager Bob Hanning zeigte sich nach dem Spiel erzürnt: "Das war saft-, kraft- und willenlos."

Fuechse Berlin - THW Kiel
Foto: ddp
Immer am Ball gegen die Berliner Füchse: Kiels Star Daniel Narcisse, der teuerste Handball-Spieler der Welt

Beherzt trommelten die treuen Anhänger der Füchse Berlin bis zur letzten Sekunde auf den Rängen. Da war die Entscheidung freilich längst gefallen. Und nicht zu ihrer Freude. Vor 7789 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle unterlagen die Füchse dem Deutschen Meister THW Kiel mit 23:40 (13:18). Damit bleiben die Kieler in der Meisterschaft weiter ungeschlagen. „Der THW ist ein anderes Universum“, erkannte Geschäftsführer Bob Hanning die Überlegenheit der Kieler an.

Für die Füchse war die Partie gegen Kiel das dritte Spiel binnen einer Woche, allerdings hatten sie durch den souveränen Sieg zuletzt in Lübbecke reichlich Selbstvertrauen getankt. Auch die Gäste von der Förde hatten zuletzt ein heftiges Programm. Erst am vergangenen Wochenende erkämpften sie in der Champions League ein 31:31 beim dänischen Meister Kolding.

Die Hoffnung der Berliner, infolgedessen auf müde Kieler zu treffen, erfüllte sich aber nicht. Zu exzellent ist der Kader des Rekordmeisters in der Breite besetzt. Wegen der späten Anwurfzeit, die der Fernseh-Übertragung geschuldet war, waren für THW-Verhältnisse nur wenige Fans – ein paar hundert – mit nach Berlin gefahren. So erlebten die Füchse gestern ein wahres Heimspiel.

Angetrieben vom Publikum legten die Platzherren furios los. Konrad Wilczynski verwandelte zwei Siebenmeter. Der deutsche Nationaltorhüter Silvio Heinevetter wehrte akrobatisch einige schwere Würfe der Gäste ab. Allerdings wurde rasch klar, dass auch der Franzose Thierry Omeyer im THW-Tor an diesem Abend glänzend aufgelegt war. Bereits nach acht Minuten hatte der Olympiasieger und Weltmeister sechs Paraden auf seinem Konto. So kam es, dass Kiel nach anfänglicher Ausgeglichenheit (3:3/7. Minute) die Führung übernahm. Doch die Füchse steckten nicht auf, sie wehrten sich nach Kräften. Regisseur Bartlomiej Jaszka übernahm auf dem Platz Verantwortung, der Pole machte das Spiel immer wieder schnell und traf selbst aus dem halblinken Rückraum. Nur im rechten Rückraum haperte es. Prompt rochierte Jaszka auf diese Position und traf von dort. Kiel aber schaffte es, die Füchse auf Abstand zu halten.

THW-Coach Alfred Gislason erlaubte sich gar den Luxus, Superstar Daniel Narcisse zu schonen. Der Franzose, der zu Saisonbeginn für 1,3 Millionen Euro Abslöse nach Kiel gewechselt war und damit der teuerste Handball-Spieler der Welt ist, durfte sich nach fünf Toren in den ersten 15 Minuten ausruhen.

Nach dem Seitenwechsel kamen die Zuschauer wieder in den Genuss, Narcisse spielen zu sehen. Die Sprunggewalt des Franzosen sucht in der Tat ihresgleichen – und ist dem THW Kiel dem Vernehmen nach 30.000 Euro netto pro Monat wert. Derlei Gehaltsregionen sind für die Füchse tabu.

Füchse-Manager Hanning sauer

Es entwickelte sich fortan ein munteres Handball-Spiel, das mit fairen Mitteln bestritten wurde und in dem die Rollen klar verteilt waren. Der Favorit hielt die Gastgeber aus Berlin souverän auf Distanz (23:17/40.), so dass Narcisse erneut auf der Bank entspannen durfte.

Gislason brachte nun gar komplett den sogenannten zweiten Anzug, das änderte aber nichts am Spielverlauf. Im Gegenteil, der THW zog uneinholbar davon. Und die Berliner verließ nun etwas die Courage. Entnervt ließ sich Heinevetter in der 49. Minute auswechseln, Petr Stochl rückte bis zum Schluss in Tor. Doch der THW Kiel ließ nichts mehr anbrennen.

Füchse-Manager Bob Hanning war über die Leistung vor allem in der zweiten Hälfte nicht mehr erbaut: „Das war saft-, kraft- und willenlos.“

Den Füchsen bleibt nun eine Woche Zeit, die Begegnung gegen die Übermannschaft der Liga zu analysieren und sich für die nächste Aufgabe zu rüsten. Die wird nicht mit dem HSV Hamburg nicht minder schwer.

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