10.02.13

Handballfest

31:30 - Füchse trotzen FC Barcelona und sichern Rang zwei

Die Berliner brachten dem spanischen Top-Team die erste Champions-League-Niederlage bei. Wieder einmal entschied der Mann im Tor.

Von Alexandra Gross
Foto: dpa

Nur mit vereinten Kräften zu stoppen: Berlins Bartlomiej Jaszka (M.) im Duell mit Barcelonas Viran Morros de Argila (l.) und Cedric Sorhaindo
Nur mit vereinten Kräften zu stoppen: Berlins Bartlomiej Jaszka (M.) im Duell mit Barcelonas Viran Morros de Argila (l.) und Cedric Sorhaindo

Sein erster Gedanke kam einem Flehen gleich. "Los, 'Smöre', komm schnell zurück auf die Bank, damit ich wieder aufs Feld kann", ging es Silvio Heinevetter 20 Sekunden vor Schluss durch den Kopf.

Da stand es am Sonntag im Champions-League-Spiel der Füchse gegen den FC Barcelona 31:30 (14:16), und die Berliner hatten gerade ihren Torhüter zugunsten eines weiteren Feldspielers ausgewechselt.

Die Sensation war zum Greifen nah, und die wollte sich der Schlussmann nun wirklich nicht mehr entgehen lassen. Und dann kam er, sein großer Auftritt. Heinevetter rannte aufs Feld, erreichte sein Tor, warf sich sogleich mit Verve in den letzten Wurf – und wehrte ihn ab.

Die 13.333 Zuschauer in der O2 World hielt es da schon längst nicht mehr auf den Sitzen. "Ich hatte schon viele schöne Momente bei den Füchsen, aber dieser Sieg ist nicht mit anderen zu vergleichen. Einfach unglaublich, ein absolutes Highlight", jubelte Heinevetter.

Großer Sieg für Sigurdsson

Es war in der Tat ein denkwürdiger Handball-Abend in der Arena am Ostbahnhof. Mit dem FC Barcelona trat die derzeit beste Klubmannschaft der Welt an.

Zwar ging es in dem Gruppenspiel der Königsklasse nicht mehr ums Weiterkommen – beide Mannschaften sind bereits für das Achtelfinale qualifiziert –, doch für die Füchse war es dennoch das Spiel des Jahres. Und keiner hatte ernsthaft damit gerechnet, den großen Favoriten aus Spanien zu stürzen.

"Aber wir wussten auch, dass wir an einem guten Tag jeden Gegner schlagen können", sagte Trainer Dagur Sigurdsson nach der Partie und ordnete diesen Sieg unter den Top 3 seiner Füchse-Ägide ein. "Damit geht für mich ein Traum in Erfüllung. Es war unglaublich, dass Silvio den letzten Ball gehalten hat. Ein super Triumph, und es ist sehr schön, ein Teil dieses großen Erfolges gewesen zu sein."

Bewegt schritt auch Bob Hanning in die Katakomben der Arena. Er sog noch einmal intensiv die Atmosphäre in sich auf, sagte dann gerührt: "Das war wieder ein kleiner Meilenstein in der Geschichte der Füchse."

Dass die Mannschaft jetzt abhebt und das Kerngeschäft Bundesliga vernachlässigt, glaubt Sigurdsson nicht: "Dieses Spiel wird uns für die Bundesliga helfen. Aber wir haben ein heftiges Programm vor uns und müssen jetzt auf dem Boden bleiben. Ich weiß zwar auch nicht so genau, wie es jetzt weiter geht, aber den Sieg über Barcelona würde ich jederzeit wieder nehmen."

Mit sieben Weltmeistern waren die Iberer in Berlin

Für zwei Füchse-Spieler hatte die Partie eine ganz besondere Bedeutung. Iker Romero und Konstantin Igropulo hatten beide einst beim FC Barcelona gespielt und mit den Katalanen internationale Erfolge gefeiert. Am Sonntag nun feierten sie ein Wiedersehen mit ihrem Ex-Klub.

Noch immer pflegen sie intensive Freundschaften zu den Barca-Spielern, trafen sich mit ihren Kumpels auch vor dem Spiel auf eine Tasse Kaffee.

"Wow, das ist der Wahnsinn, wir haben gegen die beste Mannschaft der Welt gewonnen", jubilierte Romero, der vor allem in der ersten Halbzeit viele gute Szenen hatte.

Igropulo konnte sein Glück kaum fassen, dankte immer wieder den Fans für ihre wunderbare Unterstützung: "Dieser Erfolg war für uns wichtiger als für Barcelona." Vier Tore erzielte Igropulo. Bester Werfer der Berliner aber war Ivan Nincevic mit sechs Treffern.

Mit sieben Weltmeistern waren die Iberer nach Berlin gereist, und sie erlebten mit ihren Teamkollegen eine furiose Show. Durch den neuen Einlauftunnel – ein riesengroßer, mit Luft gefüllter Fuchskopf mit spitzen Zähnen – kamen die Spieler aufs Feld gelaufen, sie passierten dann auch noch einen Feuerkegel. Die Spanier, die es gewohnt sind, zu Hause vor gerade einmal 1000 Zuschauern zu spielen, schienen sichtlich angetan.

Ihre Zurückhaltung legten sie aber mit dem Anpfiff ab und zeigten gleich beim ersten Angriff der Füchse ihre offensive 6:0-Abwehr. Das bedeutet, dass die Spieler alle auf der Neun- statt auf der Sechs-Meter-Linie postiert sind. Diese Formation ist auf Ballgewinn ausgerichtet, und Barcelona beherrscht sie nahezu perfekt. Auch deshalb gilt Barca als die beste Klubmannschaft der Welt und als heißer Kandidat auf den Champions-League-Sieg.

Geduld wird belohnt

"Wir müssen im Angriff die nötige Geduld zeigen", hatte Romero vorher gesagt. Und tatsächlich folgten die Füchse diesem Tipp. Zwar gerieten die Platzherren sogleich in Rückstand (3:6, 8. Minute), doch Hektik kam nicht auf. "In der Pause haben wir gesagt: Wenn wir die ersten zehn Minuten der zweiten Hälfte überstehen, dann ist alles offen." Gesagt, getan. Nach dem Seitenwechsel gelangen den Füchsen vier Tore in Folge. Statt 14:16 stand es nun 18:16 (34.). Die Sensation bahnte sich an.

Die Abwehr agierte aggressiv und unterband die Angriffe der Spanier erfolgreich, im Angriff hatten die Füchse die nötige Durchschlagskraft. Mal Nincevic, mal Johannes Sellin oder auch Evgeni Pevnov. Es glänzten jetzt Spieler, die die Füchse im Sommer verlassen werden. "Das zeigt, dass wir ganz tolle Charaktere in der Mannschaft haben", freute sich Manager Hanning über den vorbildlichen Einsatz. Zwar kamen die Spanier noch heran, aber die Füchse gaben den Sieg nicht mehr her.

"Wir haben in der zweiten Halbzeit eine Schippe draufgelegt und strukturierter gespielt. Dazu ein super Heinevetter im Tor", sagte Nationalspieler Sven-Sören Christophersen: "Ich glaube, heute hat es keiner bereut, nicht in der Schmeling-Halle gewesen zu sein." Wohl war, denn die TV-Übertragung auf Eurosport brach kurz vor Schluss zusammen, gerade vor dem großen Auftritt von Heinevetter.

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