21.01.13

Handball-WM

Warum Füchse-Keeper Heinevetter so stark ist

Beim 28:23 des DHB-Teams gegen Mazedonien zeigte der Berliner eine Weltklasseleistung. Sein Erfolgsgeheimnis: die heimische Waschmaschine.

Foto: dpa

Entscheidend: Berlins Keeper Heinevetter brachte die Mazedonier mit seinen Paraden zur Verzweiflung
Entscheidend: Berlins Keeper Heinevetter brachte die Mazedonier mit seinen Paraden zur Verzweiflung

Gut fünf Minuten vor Ende bekam Silvio Heinevetter den Abgang, den er verdient hatte. Der Torhüter der deutschen Handball-Nationalmannschaft durfte vorzeitig auf die Bank, nachdem er eine Weltklasseleistung gezeigt hatte. Die deutschen Fans im Palau Sant Jordi in Barcelona feierten ihn mit Sprechchören. Bundestrainer Martin Heuberger kam gleich zu Heinevetter, herzte den Mann von den Füchsen Berlin – und bedankte sich bei ihm. Denn der 28-Jährige war der überragende Mann in der deutschen Mannschaft, die sich am Sonntag durch ein 28:23 (13:9) gegen Mazedonien für das Viertelfinale der Weltmeisterschaft qualifizierte.

Eine Mannschaft, die eine Woche zuvor – nach einer Niederlage gegen Tunesien – noch am Boden schien, steht nun unter den besten acht Teams der Welt. "Warum soll unser Ziel jetzt nicht das Halbfinale sein?", fragte Heinevetter rhetorisch. Der Berliner wurde nach der Partie auch noch als "Player of the Match", als bester Spieler der Partie, ausgezeichnet. "Ich bin stolz auf die Mannschaft", erklärte der Bundestrainer.

Gastgeber Spanien droht im Viertelfinale

Im Viertelfinale trifft das Team von Heuberger am Mittwoch in Saragossa auf den Sieger der Begegnung zwischen Gastgeber Spanien und Serbien, die am Montag aufeinander treffen. Wer wäre Heinevetter denn lieber? "Uns ist das egal", antwortete er lächelnd. "Aber ich gehe davon aus, dass es die Spanier werden." Auch der Bundestrainer rechnet wohl mit dem Turniergastgeber Spanien. "Sicher werden die dann die Kulisse hinter sich haben, aber das ist für uns doch nur eine Motivation."

Die deutsche Mannschaft strotzt inzwischen vor Selbstbewusstsein. Vergessen sind die dunklen Wolken, die spätestens nach dem Tunesien-Spiel aufgezogen waren. "Wir wussten, was wir können, auch wenn uns alle schlecht geschrieben und schlecht geredet haben", meinte Heinevetter. Der Mann, der seine langen Haare zu einer Art Dutt zusammengebunden hat, entnervte die Mazedonier von Beginn an mit seinen Paraden. Erst nach sieben Minuten, das deutsche Team führte zu diesem Zeitpunkt bereits mit 4:0, konnten die Mazedonier Heinevetter zum ersten Mal bezwingen. Kurz zuvor hatte der mazedonische Trainer bereits wutentbrannt eine Auszeit genommen.

Mazedonien muss wegen Unwetterschäden mit dem Bus fahren

Wobei es für die Mazedonier nicht gerade hilfreich war, dass sie auf dem Weg nach Barcelona eine Odyssee hatten bewältigen müssen. Wegen Unwetterschäden an der Bahnstrecke von Sevilla nach Madrid konnte der EM-Fünfte nur auf Umwegen in den Achtelfinal-Spielort umziehen. Statt wie geplant mit dem Zug direkt von Sevilla nach Barcelona zu reisen, musste das Team um Torjäger Kiril Lazarov zunächst mit dem Bus nach Córdoba reisen. Erst von dort fuhr nach mehrstündiger Wartezeit der Schnellzug dann nach Barcelona. So kamen die Mazedonier erst gegen 20 Uhr im Teamquartier an.

Doch das kann keine Erklärung dafür sein, dass die deutsche Mannschaft klar überlegen war und die Mazedonier nur in der zweiten Hälfte für ein paar Minuten gefährlich aufkamen. Die Mannschaft des Deutschen Handballbundes (DHB) war einfach viel ausgeglichener besetzt. Das dokumentierte sich bereits beim Stand von 11:5 nach 22 Minuten. Die elf deutschen Treffer verteilten sich auf neun Spieler. Am Ende war Stefan Kneer vom SC Magdeburg mit fünf Toren bester deutscher Werfer. Die Mazedonier suchten immer wieder ihren Starspieler Kiril Lazarov. Zwar kam der Torschützenkönig der WM 2009 und der EM 2012 insgesamt auf acht Treffer, aber viele Würfe von ihm wurden eine Beute von Heinevetter.

Berlins Christophersen verlässt nach vier Minuten verletzt das Feld

Die Deutschen spielten in der ersten Hälfte aus ihrer überragenden Abwehr heraus im Angriff durchdacht. Sie waren auch nicht geschockt, dass Rückraumspieler Sven-Sören Christophersen schon nach vier Minuten verletzt raus musste. Der 27-Jährige von den Füchsen Berlin konnte wegen einer Verletzung am linken Knie nicht mehr eingesetzt werden. "Das kriegen wir bis zum Viertelfinale wieder hin", gab er nach dem Spiel Entwarnung.

Nach der 40. Minute (18:13) leistete sich die deutsche Mannschaft allerdings eine "Verschnaufpause". Auf einmal stand die Abwehr nicht mehr sicher, im Angriff fehlten die Ideen. Der Vorsprung schmolz auf zwei Tore (18:16/43.). "In dieser Phase lief nicht viel zusammen", gab Heinevetter zu. "Doch zum Glück habe ich das Ding dann gehalten." Ein Mazedonier tauchte völlig frei vor dem deutschen Torwart auf – doch der hielt spektakulär. Heinevetter schrie seine Freude heraus. Was er in diesem Moment gedacht habe, wurde Heinevetter gefragt. Die Antwort kam mit einem Grinsen: "Habe ich zu Hause das Licht ausgemacht? Und die Waschmaschine?"

Heinevetters Paraden wecken Mitspieler

Für seine Kollegen war Heinevetters Parade wie ein Weckruf. "Wir haben schnell die Kurve gekriegt", lobte Heuberger. Mit einer 8:2-Serie setzten sich die Deutschen wieder bis auf 26:18 ab. Zeit für Heinevetters verfrühten Feierabend. "Es hat mich motiviert, es den Kritikern zu zeigen", sagte Heuberger. "Die Leistung auf dem Feld ist wichtig. Alles andere sind doch nur Nebenkriegsschauplätze."

Quelle: BM
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