10.01.13

Handball

Bei den Füchsen Berlin beginnt eine neue Zeitrechnung

Sechs Spieler verlassen den Berliner Handball-Verein, dafür kommen drei Schweden und ein Tscheche.

Von Theo Breiding
Foto: dpa

Börge Lund (l.) wird nicht bei den Füchsen Berlin bleiben
Börge Lund (l.) wird nicht bei den Füchsen Berlin bleiben

In knapp acht Jahren führte Bob Hanning die Berliner Handball-Füchse von den Niederungen der zweiten Liga ins Rampenlicht. Mit ihm wurde die Mannschaft nicht nur zum Markenartikel der Bundesliga, sie stürmte in der vergangenen Saison sogar ins Turnier der besten Vier in der Champions League. Und genau dort wurde Hanning, während sein Team das Halbfinale gegen den THW Kiel bestritt und mit nur einem Tor verlor, klar: "Es ist Zeit, etwas zu tun."

Hanning ist keiner, der aufgrund eines Bauchgefühls losrennt und handelt, um etwas getan zu haben. Fakten geschaffen wurden erst nach eingehenden Gesprächen mit dem Präsidenten Frank Steffel und Coach Dagur Sigurdsson. Was dann dabei heraus kam, war am Donnerstag genau da zu erfahren, wo Hanning und sein Präsident 2005 den Neustart der Füchse verkündet hatten: im Restaurant des Berliner Fernsehturms am Alexanderplatz. Schnell wurde klar: Das Gesicht der Mannschaft wird sich grundlegend verändern.

Kapitän Laen geht von Bord

Gleich sechs Spieler werden im Sommer Berlin verlassen. Rechtsaußen Johannes Sellin unterschrieb in einer Phase, in der er wenig Spielzeit bekam, in Melsungen. Kapitän Torsten Laen ließ den Klub im November wissen, dass es ihn zurück in seine Heimat Dänemark zieht, Evgeni Pevnov schlug ein um 25 Prozent besseres Angebot aus. Die Verträge von Ivan Nincevic, Mark Bult und Börge Lund werden nicht verlängert. "Alle waren bereit, an ihre Grenzen und darüber hinaus zu gehen, und wir spielen auch jetzt wieder eine überragende Saison", sagt Hanning, der den Abgang seines Musterschülers Sellin "als eine persönliche Niederlage" empfindet.

Der Schmerz darüber verfliegt aber im Nu, wenn der Manager über die redet, die kommen werden. Mit dem Rechtsaußen Matthias Zachrisson (22), dem Linksaußen Fredrik Petersen (29) und dem zwei Meter langen Kreisläufer Jesper Nielsen (23) würden gleich drei Schweden die Füchse im Sommer verstärken. Vierter Zugang wird der Tscheche Pavel Horak (30) sein, ein Mann, bislang in Diensten von Frisch Auf Göppingen, "der so herrlich einfache Tore wirft", wie Hanning schwärmt.

Auch Petersen ist bereits in der Bundesliga tätig, beim HSV Hamburg. "Sein Spiel ähnelt dem von Nincevic", erklärt Coach Sigurdsson. "Aber er ist jünger und ein sehr guter Einzelspieler." Nielsen spielt noch in seiner Heimat für den schwedischen Vizemeister IK Sävehof. Er sei "genau das, was wir brauchen", freut sich der Füchse-Trainer, "nicht nur im Angriff, sondern auch im Abwehrzentrum, dort, wo bislang zusammen mit Dennis Spoljaric Torsten Laen der Chef ist." Mattias Zachrisson, derzeit noch für IF Guif (Schweden) aktiv und wie Petersen Nationalspieler, soll vor allem im Tempospiel und im Rückzug für Stabilität sorgen. "Ein gestandener Führungsspieler" sei er, erklärt Sigurdsson. "Im Klub und in der Nationalmannschaft." Die Visitenkarten Petersens und Zachrissons können sich sehen lassen: Beide sind Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele in London.

Die Füchse bauen ihre Zukunft aber nicht nur auf bewährte und erfahrene Spieler aus fernen Ländern, sondern auch auf den eigenen Nachwuchs. Am Donnerstag unterschrieben Kreisläufer Jonas Thümmler (19) und Fabian Wiede (18), "Deutschlands bester Linkshänder", wie Hanning sagt. jeweils einen Drei-Jahres-Vertrag für die Profiabteilung. Etwas zu unterschreiben gab es für Paul Drux (17) am Donnerstag noch nicht, dennoch wurde auch er als Hoffnungsträger für die Zukunft präsentiert. Er soll in der übernächsten Saison in die Fußstapfen von Iker Romero treten. "Das schafft er", sagt Hanning voller Inbrunst. "Da bin ich mir tausendprozentig sicher."

Jugendarbeit aus Überzeugung

Daran glaubt auch Präsident Frank Steffel, der keinen Zweifel daran lässt, dass er den "mutigen Weg" mit trägt, den Trainer und Manager eingeschlagen haben. "Tradition und Erfolg müssen sich mit der Zukunft verbinden", erklärt Steffel: "Unser Ziel ist es, internationalen Handball in Berlin zu präsentieren, aber auch, junge Menschen als Vorbilder anzubieten." Sein Klub lege "seit vielen Jahren einen besonderen Wert auf die Nachwuchsförderung", will "möglichst vielen Spielern in Zukunft den Sprung ins Bundesligateam ermöglichen".

Hanning, der mit den Jungfüchsen drei Deutsche Meisterschaften gewann, sagt nicht ohne Stolz: "Wir haben die stärksten Jugendlichen Deutschlands bei uns. Daher habe ich volles Vertrauen. Die Jungs wurden in den letzten Jahren genau auf diesen Schritt vorbereitet."

Der Manager zog, 207 Meter über dem schmuddelwetterigen Berlin, noch eine weitere Karte aus dem Ärmel, drehte sie aber noch nicht um. "Wir haben einen neuen Premium-Sponsor", verkündete der Manager stolz. Der werde erstmals am 10. Februar 2013 beim Spiel gegen den FC Barcelona in der Champions League das Trikot seines Teams zieren und im Vorfeld des Spiels präsentiert.

Die Band "Glasperlenspiel" ist es voraussichtlich nicht, die wird lediglich im Rahmen der Partie gegen die beste Vereinsmannschaft der Welt auftreten. 1300 Karten für das Highlight gibt es noch.

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