12.11.12

Handball

Füchse zittern sich zum Sieg gegen Lemgo

Überlegenheit sieht anders aus, aber immerhin: Mit dem 21:19 gegen den TVB Lemgo bleiben die Berliner zu Hause ungeschlagen.

Von Dietmar Wenck
Foto: dapd

Willensstark: Berlins Sven-Sören Christophersen erzielte insgesamt vier Treffer gegen die Gäste aus Westfalen
Willensstark: Berlins Sven-Sören Christophersen erzielte insgesamt vier Treffer gegen die Gäste aus Westfalen

Einen Neustart hatten sie sich gewünscht, einen überzeugenden Heimsieg gegen den abstiegsgefährdeten TBV Lemgo. Das Ausscheiden im DHB-Pokal und die bittere erste Bundesliga-Niederlage dieser Saison bei der SG Flensburg-Handewitt hatten das Team der Füchse Berlin verunsichert. Mit großer Leidenschaft und mannschaftlicher Geschlossenheit sollten diese Rückschläge vergessen gemacht werden. Herausgekommen ist zwar ein 21:19 (11:13)-Arbeitssieg, und die Füchse legten sogar ein Tänzchen aufs Parkett der Schmeling-Halle. Aber Selbstvertrauen für das Champions-League-Spiel am Donnerstag gegen Croatia Zagreb haben sie sich dabei kaum holen können, bleiben aber zu Hause ungeschlagen.

Die Lemgoer, immerhin Deutscher Meister von 1997 und 2003, haben andere Sorgen. Seit diesem Sommer kämpfen sie nicht nur sportlich, sondern auch finanziell um ihre Existenz. Eine Insolvenz wurde soeben noch abgewendet. Aber die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die ehemaligen Geschäftsführer Volker Zerbe und Fynn Holpert wegen Betrugsversuchs und versuchter Urkundenfälschung. Dazu wird die Mannschaft aus Westfalen von Verletzungssorgen verfolgt und konnten in noch keinem Spiel in Bestbesetzung auflaufen. So stehen die Westdeutschen unvermittelt auf einem Abstiegsplatz der Bundesliga – bitter für einen Verein, der seit Mitte der 1990er-Jahre immerhin ein Dutzend nationaler und internationaler Titel gewonnen hat und 2010 noch stolzer Sieger im EHF-Pokal geworden war.

Lund in der Startformation

Inzwischen haben ihnen die Füchse längst den Rang abgelaufen. Und so schien der TBV, zuletzt viermal von den Berlinern bezwungen, ein dankbarer Gegner zu sein, um den Frust der vergangenen Wochen zu verdrängen. Nach den Niederlagen im Pokal (in Nettelstedt) und in der Bundesliga (in Flensburg) sowie einer zweiwöchigen Nationalmannschaftspause sollte ein Neustart erfolgen. Trainer Dagur Sigurdsson hatte einige optimistische Umstellungen vorgenommen. Der Norweger Borge Lund durfte für den leicht vergrippten Bartlomiej Jaszka erstmals in dieser Saison die Mittelposition im Aufbau übernehmen, der Russe Konstantin Igropulo startete halbrechts. Dazu eine proppevolle Schmeling-Halle mit erwartungsvollen 9500 Fans – was sollte schon schiefgehen?

Anfangs lief die Partie auch wie erwartet. Torwart Silvio Heinevetter glänzte mit drei Paraden, vorn trafen Sven-Sören Christophersen und Ivan Nincevic. Und als auch noch ein schönes Zuspiel von Igropulo auf Lund zum 3:1 führte, schien das Spiel den erwarteten Verlauf zu nehmen. Der Eindruck trog. Heinevetter hielt kaum noch einen Ball, während sich auf der anderen Seite sein Nationalteam-Kollege Carsten Lichtlein immer besser in Szene setzte. In der 14. Minute gingen die Gäste erstmals in Führung, von da an lief bei den immer verunsicherter wirkenden Füchsen nichts mehr zusammen.

Sigurdsson wechselte viel, wenig half. Und Lichtlein hielt und hielt. Fünfmal scheiterten die Füchse an Siebenmetermetern. Nincevic, Mark Bult, Iker Romero, Igropulo und wieder Nincevic – es war zum Verzweifeln. Zu allem Unglück knickte Nationalspieler Markus Richwien nach einem Torwurf um und konnte nicht weiterspielen. Bei den Gastgebern stand mittlerweile Petr Stochl zwischen den Pfosten, es brauchte nur kurz Besserung. Bis auf vier Tore Vorsprung setzte sich Lemgo ab (9:13/26. Minute), die ersten Pfiffe kamen aus dem Publikum. Die letzte Aktion der ersten Halbzeit war ein vergebener Siebenmeter von Nincevic, nicht gerade ein Mutmacher für die zweite Hälfte.

Das vermutlich größte Plus für die Berliner war, dass Stochl immer besser hielt. Insgesamt war die Füchse-Defensive stabil. Bei den ersatzgeschwächten Lemgoern schienen allmählich auch die Kräfte nachzulassen, denn ihr anfangs noch so variabler Angriff rannte sich nun ständig fest oder scheiterte am prächtig reagierenden Tschechen im Berliner Tor. Als dann Youngster Johannes Sellin auch noch die ersten beiden seiner Siebenmeter verwandelte, hofften die Zuschauer wieder.

In der 44. Minute hieß es erstmals seit Langem Unentschieden nach Schnellangriff-Treffer von Nincevic. "Auf geht"s, Füchse, kämpfen und siegen", tobte die Schmeling-Halle. Und wenn sie auch nicht spielten wie aus einem Guss, so kämpften die Berliner nun jedenfalls leidenschaftlich. Zwei Minuten vor dem Ende standen die Zuschauer auf ihren Plätzen, als der eingewechselte Jaszka und Sellin eine 20:18-Führung herausgeworfen hatten. Die Lemgoer konnten einem ein wenig leidtun, aber die Füchse-Spieler lagen sich in den Armen und feierten, als hätten sie einen sehr wichtigen Sieg errungen.

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