20.04.09

Handball

Die Füchse stecken in einer Krise ohne Krise

Bei den Füchsen geht nichts mehr. Nicht nach oben, nicht nach unten. Das passt Geschäftsführer Bob Hanning gar nicht. Die Spieler geben seiner Ansicht nach nicht genug. Zwei Verträge hat er schon gekürzt. Der Trainer sagt: "Wir haben eine Krise, ohne eine Krise zu haben."

Von Frank Weiss
Foto: picture-alliance
Hamburger SV
Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning reicht der Einsatz der Spieler nicht aus

Es bedurfte nicht erst der sechsten Niederlage in Folge am Sonntag gegen Göppingen, ehe Bob Hanning genug hatte. Bereits nach der Pleite gegen Branchenprimus Kiel an Karfreitag, wartete der Manager von Handball-Bundesligist Füchse Berlin mit einer ungewöhnlichen Maßnahme auf.

Hanning nahm eine Option in den Verträgen der Stammspieler Mark Bult und Kjetil Strand vorzeitig war und verkürzte deren Verträge kurzerhand um ein Jahr. Die Kontrakte enden nun am Ende der kommenden Saison, statt erst im Sommer 2011. Eigentlich hätte sich Hanning mit dieser Entscheidung bis zum 31. Dezember diesen Jahres Zeit lassen und noch die erste Hälfe der nächsten Spielzeit abwarten können. "Doch ich habe mir gesagt ich ziehe das vor", sagt er. "Die Maßnahme ist ein deutliches Zeichen an alle, dass es so nicht weiter geht."

Die Füchse stehen derzeit als Tabellenzehnter im Niemandsland der Handball-Bundesliga. Nach oben geht nichts mehr, nach unten allerdings genauso wenig. Doch sechs Niederlagen in Folge, wenn auch alle gegen Mannschaften die vor den Berlinern stehen, trüben die Stimmung. Und die kommenden Aufgaben gegen Nordhorn und Flensburg werden nicht leichter. "Die Mannschaft hat sich zurückgelehnt", kritisiert der Füchse-Manager. "Sie muss den Hebel wieder umlegen."

Ob er dies mit den Vertragskürzungen erreicht, bleibt abzuwarten. Die Betroffenen sind darüber naturgemäß nicht glücklich. "Der Zeitpunkt ist schon komisch", sagt Mark Bult. "Das bringt doch eher Unruhe in die Mannschaft." Ein Zeichen hätte man auch anders setzen können, als zwei Stammspielern, die meist ordentlich Leistungen gezeigt hätten, die Verträge zu kürzen, glaubt der Niederländer.

Es dürfte jedoch nicht nur die Tabellensituation sein, die die Füchse derzeit etwas zahnlos erscheinen lässt. Seit Anfang Dezember wissen die Spieler, dass Trainer Jörn-Uwe Lommel den Klub zum Saisonende verlässt und durch den Isländer Dagur Sigurdsson ersetzt wird. "Ich habe gedacht, dass alle mit der Situation professionell umgehen", sagt Hanning, der hier wohl auch Trainer Lommel mit einschließt. "Ich muss mich schon fragen, ob die Entscheidung richtig war, dies alles so frühzeitig, transparent zu machen." Der jedoch betont, man habe immer noch eine tolle Saison gespielt und sei mit Platz zehn im zweiten Jahr nach dem Aufstieg absolut im Soll. "Wir haben eine Krise, ohne eine Krise zu haben", sagt er daher etwas kryptisch. Die derzeitige Situation schärfe zudem die Sinne, dass es nicht von allein weitergehe.

Nächste Saison nämlich, soll es den nächsten Schritt geben: In Richtung Europapokalplätze. Da können sich nun die gebrandmarkten Strand und Bult für einen neuen Kontrakt anbieten. "Klar bin ich motiviert", sagt Bult. "Ich habe noch ein Jahr Vertrag, wir wollen den Europapokalplatz und ich will zeigen was ich kann und noch besser spielen. Für Bob und andere Klubs, die einen Linkshänder suchen."

Ein weiterer Verbleib der beiden in Berlin müsste dann allerdings neu verhandelt werden. Ist Hanning ein zu hohes Risiko gegangen? "Ich glaube die Preise in der Liga werden fallen und alle werden zur Vernunft kommen", sagt er angesichts der Finanzkrise. "Auch die Klubs in Spanien bekommen schon Probleme. Ich als Spieler jedenfalls würde gern in Berlin spielen. Woanders kann dein Vertrag schon mal eine Risikoanleihe sein. In Berlin kommt das Geld pünktlich."

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