Handball
Füchse-Manager Hanning geht auf Spieler-Schnäppchenjagd
Der Berliner Bundesligist will seinen Kader nun doch weiter verstärken, sucht in Spanien und Süddeutschland nach Talenten.
Bis vor kurzem war Geschäftsführer Bob Hanning davon ausgegangen, dass die Mannschaft der Füchse Berlin für die kommende Handball-Saison feststeht. Den zu den Rhein-Neckar Löwen abgewanderten Linkshänder Alexander Petersson ersetzt der vom FC Barcelona kommende Russe Konstantin Igropulo. So sollte im Kern die neue Spielzeit angegangen werden. Fast mit genau demselben Team, das die Bundesligasaison als Tabellendritter abschloss. Doch manchmal kommt es eben anders als gedacht.
Der Schwede Jonathan Stenbäcken hatte sich in Berlin nicht wie von beiden Seiten erhofft durchsetzen können, er entschied sich, Berlin zu verlassen und tritt zukünftig für den Bundesligarivalen MT Melsungen an. Hanning legte ihm keine Steine in den Weg, handelte aber mit den Hessen eine Ablösesumme aus, und das Gehalt des linken Rückraumschützen sparen die Füchse auch ein. Da ist also noch finanzieller Spielraum, das Personal aufzustocken, um erneut einen Spitzenplatz in der Bundesliga zu ergattern und wieder eine hervorragende Rolle in der Champions League zu spielen. Die Auslosung der Gruppen für die europäische Topliga findet am 5. Juli statt.
Nun ist es nicht so, dass die Berliner sich dringend entscheiden müssten. Die Zeit spielt für sie. In Spanien hat der Handball (wie der ganze Staat) mit enormen finanziellen Problemen zu kämpfen. Der Markt ist quasi zusammengebrochen. Auch wenn die Handball-Bundesliga (HBL) sich selbst gern als die stärkste Liga der Welt bezeichnet – viele Topstars verdienten dennoch bisher ihr Geld in der "Liga Asobal" im Südwesten Europas. Nun sind die Kassen dort leer. Und etliche Spieler suchen neue Arbeitgeber.
Börge Lund ein Kandidat
"Extrem viele Spieler werden uns momentan angeboten", berichtet Hanning, mit einigen Agenten sei er im Gespräch. "Da sind sehr interessante Leute dabei", sagt der Manager und freut sich insgeheim über das stetig wachsende Ansehen seines Vereins, der mit dem Einzug ins Top Four der Champions League auch international erhebliches Aufsehen erregt hat: "Nach Kiel sind wir in Deutschland die interessanteste Adresse geworden."
Hanning ist in diesen Tagen viel unterwegs, fliegt zu Gesprächen nach Kopenhagen, reist auch zu Verhandlungen nach Süddeutschland. Bei den Rhein-Neckar Löwen ist die Mitarbeit Börge Lunds nicht mehr gewünscht – der norwegische Nationalspieler ist ebenfalls ein Kandidat für die Füchse. "Es ist nichts entschieden, aber passen würde er schon", bestätigt Hanning. Der 33-Jährige ist Spielmacher, kann auch in der Mitte verteidigen, und "Börge kennt die Liga". Am liebsten wäre den Berlinern eine baldige Entscheidung. Am 17. Juli fliegt die Mannschaft zum Trainingslager nach Island in die Heimat ihres Trainers Dagur Sigurdsson; es wäre schön, wenn der Neue dann dabei wäre. Und der Manager selbst geht am 5. Juli auf eine Atlantik-Schiffsreise.
Andererseits sieht er es pragmatisch. Die Füchse hatten ja eigentlich ihre Planung abgeschlossen, sie haben weder Zeitdruck noch personelle Engpässe. "Wir haben die Möglichkeit einer weiteren Verpflichtung, aber wir warten mal ab", sagt Hanning, "vielleicht klappt es ja auch erst im August mit einem neuen Mann." Das hätte immerhin einen Vorteil: "Wir sparen ein Monatsgehalt."















