Handball
Füchse und Zebras zapfen ihre letzten Reserven an
Nach einer überragenden Saison ist der Akku der Berliner leer. Die Kieler hingegen müssen gegen Gummersbach noch einmal alles geben.
Auf Linksaußen ist Dominik Klein ein Meister seines Fachs, der Profi des THW Kiel ist flink und torgefährlich. Zuletzt zeigte der Handball-Nationalspieler aber noch eine andere Qualität. Ob bei der Champagnerdusche nach dem Champions-League-Sieg vergangenen Sonntag in Köln oder der anschließenden Sause auf Mallorca, Klein gab bei dem Party-Marathon für das Tripel aus Meisterschaft, Pokal und Königsklasse stets den Takt an. Als Feierbiest wir sich der Rechtshänder auch heute wieder hervortun, wenn der THW nach dem Autokorso durch die Stadt gemeinsam mit den Fans auf dem Rathausplatz feiert. "Wir haben im vergangenen Jahr den Balkon vermisst, jetzt wollen wir dieses einzigartige Gefühl richtig genießen", sagte Klein.
Zum Abschluss der Bundesliga empfangen die Kieler am Samstag den VfL Gummersbach, und ein letztes Mal in dieser denkwürdigen Saison werden die Starspieler des THW ihre hohe Handballkunst zum Besten geben. Für Motivation ist gesorgt, denn der Nordklub kann sich sportlich gesehen unsterblich machen. Mit einem Erfolg würde den Zebras Historisches gelingen, noch ein Sieg und sie würden als erste Profi-Erstligamannschaft im deutschen Sport eine Serie ohne Minuspunkt beenden. Die perfekte Saison also. "Ich möchte die Null unbedingt halten, weil ich weiß, wie schwierig es sein wird, diese Chance noch einmal zu bekommen", sagte denn auch THW-Trainer Alfred Gislason vor dem finalen Akt der wohl besten Handball-Klubmannschaft aller Zeiten, die ein letztes Mal in dieser Erfolgsformation auftritt. So verlässt der schwedische Torjäger Kim Andersson nach sechs deutschen Titeln den Rekordmeister und geht künftig für AG Kopenhagen auf Torejagd.
Berliner auf Rang drei
Die Füchse haben ihr Meisterstück bereits am Mittwoch vollbracht, als sie durch den Sieg über den TBV Lemgo erneut die direkte Qualifikation für die Champions League perfekt gemacht haben. Hinter dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt beenden die Berliner die Spielzeit auf Rang drei. Vorjahresmeister HSV Hamburg will über ein Wildcard-Turnier noch das Ticket für die Königsklasse lösen, ist aber ebenso wie die Rhein-Neckar Löwen für den neuen EHF Europa Pokal qualifiziert. Ebenfalls im Europacup dabei ist der SC Magdeburg als Sechster. Jeweils nur eine Saison Erstligaluft konnten die drei Aufsteiger Bergischer HC, Hüttenberg und Hildesheim schnuppern, sie stehen als Absteiger fest.
"Wir haben eine überragende Saison gespielt", freute sich Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning über die zurückliegenden Monate, die im Erreichen des Final Four in der Champions League gipfelten. Nun ist die Luft ein bisschen raus, dennoch wollen sich die Berliner natürlich im Spiel bei MT Melsungen gut verabschieden. "Ganz ehrlich, die Begegnung wird ein Halli-Galli-Spiel", sagte Hanning, "der Akku der Spieler ist leer, der ist gleich null. Da geht gar nix mehr. Dennoch werden wir versuchen, ein ordentliches Spiel abzuliefern."
Nicht mit nach Hessen reiste neben Hanning, der mit der A-Jugend am Sonntag gegen den TV Großwallstadt im Halbfinal-Rückspiel um die Deutsche Meisterschaft antritt (16 Uhr, Lilli-Henoch-Sporthalle), auch Alexander Petersson. Der Rückraumspieler wechselt zur nächsten Saison zum Liga-Rivalen Rhein-Neckar Löwen, kommt heute nicht mehr zum Einsatz. "Er hat sich die Pause verdient", sagte Hanning. Am Donnerstag war Petersson von der Mannschaft im Restaurant "Don Camillo" feierlich verabschiedet worden und war gerührt: "So etwas habe ich noch nie erlebt."















