23.05.12

Handball

Hanning hat mit den Füchsen seinen Lebenstraum verwirklicht

Der Füchse-Manager spricht mit Morgenpost Online über Handball-Wunder, seine Zukunft und das Champions-League-Halbfinale gegen THW Kiel.

Foto: M. Lengemann
Bob, der Baumeister: Als Geschäftsführer der Füchse und Trainer der A-Jugend lebt Bob Hanning jeden Tag 24 Stunden Handball
Bob, der Baumeister: Als Geschäftsführer der Füchse und Trainer der A-Jugend lebt der 44-Jährige jeden Tag 24 Stunden Handball

Morgenpost Online: Herr Hanning, tüfteln Sie schon am nächsten Superlativ?

Bob Hanning (lacht): Wir haben jetzt schon die Schokoladentorte, die Sahne darauf und die Kirsche, jetzt wird das Ganze mit dem Final Four in Köln noch mit Goldstaub getoppt. Wir leben das Wunder vom Wunder vom Wunder.

Morgenpost Online: Die Füchse spielen jetzt im Konzert der Großen. Weckt das nicht auch Begehrlichkeiten bei den Spielern?

Bob Hanning: Nun, wir müssen bei allem immer aufpassen, den Blick für das Machbare nicht zu verlieren. Und gerade jetzt, da es so gut läuft, umso mehr. Denn ich glaube, dass man im Erfolgsfall die größeren Fehler macht. Aber natürlich haben die Spieler Begehrlichkeiten, und sie haben auch das Recht dazu.

Morgenpost Online: Sie sprechen von Prämien?

Bob Hanning: Genau, aber ich achte seit Jahren ganz genau auf die Ausgaben. Da zählen sogar drei Paar neue Socken. Und das halten mir die Spieler mitunter auch vor. Wenn ich nämlich zum Beispiel von ihnen erwarte, dass sie das Taxi vom Restaurant, wo wir nach einem Auswärtsspiel gegessen haben, zum Flughafen selber bezahlen müssen. Ich kann die Jungs verstehen, weil sie jede Woche Herausragendes leisten, aber fest steht auch, dass unser Budget es nicht hergibt, alle Kosten abzudecken.

Morgenpost Online: Für die Jugend haben Sie freilich immer ein paar Euro übrig.

Bob Hanning: Wenn ich Geld in den Nachwuchs stecke, denke ich perspektivisch. Um das ganz Große zu erreichen, ist die Nachwuchsarbeit die wesentliche Säule, um letztendlich erfolgreich zu sein. Wir brauchen unsere eigene Identität und da gehört die Jugend unmittelbar dazu. Ich vergleiche das im Fußball mit Ajax Amsterdam oder den FC Barcelona, die das auch früh erkannt haben. Wir spielen diesbezüglich schon eine Art Vorreiterrolle in der Handball-Bundesliga.

Morgenpost Online: Aber die Profis haben für das sensationelle Erreichen des Final Four eine Prämie verdient.

Bob Hanning: Absolut, und deshalb werden wir auch zum ersten Mal in der Füchse-Geschichte eine Prämie auszahlen. Die Spieler bekommen 100.000 Euro für das Final Four. Das ist ein Novum.

Morgenpost Online: Dass die Füchse eine Prämie auszahlen, heißt auch, dass der Verein durch die Champions League Gewinn macht?

Bob Hanning: Ja, wir nehmen zum allerersten Mal in dieser Saison mehr Geld ein als wir ausgegeben haben. Bislang haben wir die Gelder gebraucht, um die Kosten der Saison zu decken. Wir haben auch hier und da schon die Gehälter der Spieler moderat nach oben angepasst. Was aber überhaupt nicht geht, ist, dass wir jetzt viele teure Spieler verpflichten, weil wir ja gerade so erfolgreich sind. Um dann später einmal die große finanzielle Last tragen zu müssen und dann womöglich ins Niemandsland wieder zu verschwinden.

Morgenpost Online: Aber im Sommer kommt mit Konstantin Igropulo ein Superstar vom FC Barcelona?

Bob Hanning: Der hätte woanders ganz sicher viel mehr Geld verdienen können. Doch er hat sich für die Füchse und für die Stadt Berlin entschieden. Wir sind so selbstbewusst sagen zu können, dass wir ein einzigartiger Verein sind, wir haben das, was viele andere nicht haben, wir sind eine große Familie.

Morgenpost Online: Was bringt die Champions-League-Saison den Füchsen finanziell?

Bob Hanning: Nach Abzug aller Kosten hat sie uns 400.000 Euro eingespielt. Das ist im Fußball wenig, für uns aber sehr viel.

Morgenpost Online: Sie haben mit Ufa-Sports einen renommierten Vermarkter an Ihrer Seite. Er soll den Füchsen sogar Garantien zahlen?

Bob Hanning: Es ist richtig, dass wir einen Vertrag mit der Ufa haben, der uns ein Stück weit absichert, wir am Anfang aber das Risiko alleine tragen mussten. In Zukunft haben wir ein bisschen mehr Planungssicherheit, was uns natürlich zuversichtlich nach vorn schauen lässt.

Morgenpost Online: Werden die Füchse in der kommenden Saison den Etat erhöhen?

Bob Hanning: Wir stoßen jetzt an die Grenze von fünf Millionen Euro. Dieses Budget gilt es zu halten. Wir haben jetzt aber im siebten Jahr in Folge wieder ohne Auflagen die Lizenz erhalten, das macht uns stolz. In einem schwierigen Umfeld wie Berlin ist dies nicht selbstverständlich, wenn man weder durch einen Mäzen noch durch einen Konzern gesteuert ist.

Morgenpost Online: Herr Hanning, Ihr Vertrag läuft 2013 aus. Machen Sie bei den Füchsen weiter?

Bob Hanning: Ich habe signalisiert, gerne bleiben zu wollen – und denke auch, dass das von den Gesellschaftern und Partnern gewünscht ist. Es gibt auch kein Zocken ums Geld, von daher bin ich zuversichtlich, dass wir uns wieder einig werden.

Morgenpost Online: Was bedeuten Ihnen die Füchse?

Bob Hanning: Mit den Füchsen habe ich meinen Lebenstraum verwirklicht. Mir ist nicht nur die Bundesliga wichtig, sondern das große Ganze. Ich habe immer davon geträumt, dass man miteinander mehr erreichen kann als gegeneinander. Und wenn ich mir anschaue, was wir seit 2005 in dieser Stadt auf den Weg gebracht haben, mit der Sportmetropole Berlin, der Zusammenarbeit mit Verband und den Vereinen und den Schulen, dann ist das schon richtig gut. Ich fühle mich bei den Füchsen deshalb so wohl, weil es unendlich viele Menschen gibt, die für den Verein leben aber nicht von dem Verein leben wollen.

Morgenpost Online: Sie sind seit kurzem auch Vize-Präsident des Handballverbandes Berlin (HVB), was sind Ihre zentralen Aufgaben dort?

Bob Hanning: Es gibt eine Menge, wo die Breite von der Spitze profitieren kann. So wollen wir dem Verband bei der Professionalisierung helfen, damit er noch mehr als Dienstleister auftreten kann. Mit Thomas Ludewig hat der HVB einen innovativen Präsidenten bekommen. Der Handball in Berlin hat mit dieser Wahl gezeigt, dass er nicht manipulierbar ist und die Sache im Vordergrund steht. Jetzt wird das eigene Profil nicht über das Profil des Verbandes gestellt. Wir müssen die Landesverbände deutschlandweit stark machen, um langfristig auch international wieder den Anschluss an die Weltspitze zu schaffen.

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