28.03.12

Handball

Füchse sind gegen den Rekordmeister Kiel chancenlos

Auch die Füchse haben Kiel auf dem Weg zur ersten verlustpunktfreien deutschen Handball-Meisterschaft der Geschichte nicht stoppen können.

Foto: DPA
THW Kiel - Fuechse Berlin
Die Berliner Torsten Laen (R) und Evgeni Pevnov können es nicht fassen

Die Anerkennung für die herausragende Leistung des Gegners kam prompt und ohne Neid. "Wir haben gut mitgespielt", sagte Füchse-Star Sven-Sören Christophersen, "aber der THW Kiel befindet sich einfach in einer anderen Liga." Seine Extraklasse zeigte der Nordklub auch gestern wieder im Spitzenduell der Bundesliga. Mit 36:28 (21:15) ließ er den Berlinern keine Chance und schraubte seine Rekordmarke in der Handball-Bundesliga auf 52:0-Punkte. Die Füchse bleiben trotz der Niederlage mit 42:10 Zählern Zweiter, und die Enttäuschung hielt sich in Grenzen. "Jetzt sind wir froh, dass wir ein paar Tage Pause haben, denn dann folgt ein sehr schweres Restprogramm", sagte Christophersen.

Deutscher Rekordmeister ist der THW Kiel bereits, und dass in diesem Jahr der nächste nationale Titelgewinn hinzukommen wird, darin sind sich alle Handball-Experten einig. "Die Dominanz der Kieler ist enorm, ja sie ist erdrückend", sagte der frühere Nationalspieler Stefan Kretzschmar und ahnte schon vor dem Anwurf, dass die Füchse gegen den Liga-Primus wohl keine Chance haben werden. "Auch wenn sie eine tolle Einheit sind und stolz darauf sein können, was sie diese Saison bislang erreicht haben." Am vergangenen Wochenende hatten die Berliner sensationell mit dem Sieg über den Deutschen Meister HSV Hamburg das Viertelfinale in der Champions League erreicht, in der Bundesliga bleiben sie trotz der Niederlage auf Rang zwei, haben damit gute Chancen, sich erneut direkt für die Königsklasse zu qualifizieren.

Getragen von den Fans

Die Sparkassen-Arena war wie immer restlos ausverkauft und von Beginn an sahen die Zuschauer ein rasantes Spiel. 5:5 stand es nach exakt fünf Minuten, dann war es mit der Ausgeglichenheit auch schon vorbei. Angetrieben von dem überragenden Welthandballer Filip Jicha war bei den Kielern jeder der ersten elf Würfe ein Treffer. Beim Stand von 7:11 (14. Minute) kam im Berliner Tor Petr Stochl für den entnervten Silvio Heinevetter. Der Tscheche wehrte auch gleich zwei Versuche des Nordklubs ab, den dritten bekam er von Rechtsaußen Christian Zeitz direkt ins Gesicht, was Stochl in Aufruhr brachte. Denn es gibt im Handball das ungeschriebene Gesetz, Torhütern den Ball eben nicht ins Gesicht zu werfen. Immerhin entschuldigte sich Zeitz für den unfairen Fauxpas.

Angetrieben von ihren Fans spielten sich die Platzherren einen sicheren Fünf-Tore-Vorsprung heraus, auch weil Jicha kaum zu halten war. Die Anhänger des TWH freute es – und auf der Tribüne schaute auch der ehemalige Box-Weltmeister Arthur Abraham mit seinem Trainer Ulli Wegner ganz genau hin. Der Berliner kämpft am Sonnabend an gleicher Stelle gegen den Polen Piotr Wilczewski (22.15 Uhr/ARD). "Ich bin ein großer Handball-Fan", sagte Abraham und gab sich salomonisch: "Mein Herz schlägt für die Füchse, aber auch für Kiel, die haben wirklich sensationelle Spieler." Dann zog der Ex-Champion eine Parallele zum Boxen: "Im Handball wird geschubst und geschlagen, da geht es sehr hart auf dem Platz zu."

Das zeigte sich dann auch in der zweiten Halbzeit, in der die Härte auf dem Feld zunahm. Kurzzeitig schafften es die Füchse, sich an den designierten Meister heranzukämpfen. Auch dank Mark Bult, der binnen weniger Sekunden zwei Siebenmeter sicher verwandelte. Spielmacher Bartlomiej Jaszka schaffte den Anschluss zum 20:23 (39.). Dann aber schwächten sich die Berliner durch Zeitstrafen selbst, die Überzahl nutzten die Kieler im Stile einer Spitzenmannschaft gnadenlos aus. Prompt nahm Füchse-Coach Dagur Sigurdsson eine Auszeit. Dennoch spielten die Platzherren weiter groß auf. 22:30 lagen die Füchse nach 47 Minuten zurück, die Partie war entschieden. Und die Kieler schalteten auch keinen Gang zurück. Kretzschmar: "Wenn der THW eine Mannschaft am Abgrund hat, dann lässt er nicht nach, sondern dann zerstört er seinen Gegner richtig." Das bekamen die Füchse gestern an der Förde zu spüren

Quelle: BM
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