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31.01.12

1,5 Jahre auf Bewährung

Sutil wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt

Schock für Adrian Sutil: Der Formel-1-Pilot wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

picture alliance / Augenklick/Ra/Augenklick/Rauchensteiner

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Als das Urteil im Namen des Volkes gesprochen wurde, nahm es Adrian Sutil völlig regungslos auf: Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, für drei Jahre ausgesetzt zur Bewährung, dazu 200.000 Euro Geldstrafe. Der Formel-1-Pilot steht vor einer ungewissen Zukunft - verurteilt und arbeitslos. Und er muss sich vorhalten lassen, nicht ganz die Wahrheit gesagt zu haben.

"Das einzig Positive an der Verhandlung ist, dass ich mit Herrn Lux im Reinen bin. Wenigstens ist es jetzt erstmal vorbei", sagte Sutil am Dienstag nach dem zweiten Prozesstag im Sitzungssaal B177 im Strafjustizgebäude an der Nymphenburger Straße in München.

"Vielleicht nehme ich eine Auszeit, vielleicht mache ich etwas ganz anderes - erst einmal in Ruhe nachdenken", sagte Sutil, der nach dem Abschied vom Team Force India ohne Vertrag für die Saison 2012 ist und sich selbst als arbeitslos bezeichnete.

"Es tut mir alles wahnsinnig leid"

"Es tut mir alles wahnsinnig leid. In diesem Moment habe ich nicht gewusst, nicht bedacht, dass ich ein Glas in der Hand hatte. Es ist ein Vorfall, den ich bereue. Er wird mir bestimmt eine Lehre sein", hatte er in seinem Schlusswort vor der Urteilsfindung noch gesagt.

Richterin Christiane Thiemann befand den 29-Jährigen für schuldig der gefährlichen Körperverletzung, weil er in der Nacht vom 17. auf den 18. April 2011 in einer Disco in Shanghai den luxemburgischen Geschäftsmann Eric Lux mit einem Glas am Hals verletzt hatte.

Nach dem Vorfall hatte der Teilhaber des damaligen Renault- und heutigen Lotus-Rennstalls Sutils Entschuldigungsversuche zunächst abgeblockt - was die Richterin als nachvollziehbar bezeichnete - und hohe Forderungen für eine mögliche gütliche Einigung gestellt.

Entschuldigung half

Nach einem ersten persönlichen Gespräch im November hatte sich Sutil im Gericht öffentlich entschuldigt, ein weiteres Mal auch noch am Montagabend in einem Telefongespräch mit Lux. Der nahm die Entschuldigung an.

Dies und unter anderem die Tatsache, dass er momentan ohne Vertrag in der Formel 1 ist, hat Sutil wohl vor einer noch härteren Strafe bewahrt.

"Wenn eine Strafe über ein Jahr hinausgeht, muss sie nicht zur Bewährung ausgesetzt werden", sagte Richterin Thiemann in ihrer Urteilsbegründung und erklärte, dass Sutils aktuelle Situation und sein zuvor tadelloses Verhalten strafmildernd berücksichtigt wurden; auch das Urteil habe wohl "gravierende berufliche Konsequenzen" für Sutil, sagte die Richterin und bezeichnete die Strafe als "ausreichend beeindruckend".

Christiane Thiemann betonte durch ihre Begründung, dass die Aussage eines Gutachters, dass das Glas von der Seite senkrecht auf den Hals von Lux getroffen sei, eine entscheidende Rolle für den Ausgang des Verfahrens hatte.

Einen möglichen Angriff von Lux gegen Sutil schloss sie aus. Ansonsten folgte sie weitgehend den Ausführungen von Staatsanwältin Nicole Selzam, die in ihrem Plädoyer sogar eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten sowie 300.000 Euro Geldstrafe gefordert und am Dienstagmorgen eine mögliche Verständigung zwischen den Parteien verhindert hatte.

Die Staatsanwältin hatte Sutil vorgeworfen, seine Aussage am ersten Verhandlungstag sei "nebulös" gewesen, "gut einstudiert und vorbereitet". Er sei "nicht bereit gewesen, plausibel zu erklären", was vorgefallen sei.

"Ein Wegschubsen mit einem Glas ist abenteuerlich und mit der Lebenserfahrung nicht vereinbar", sagte sie und wies außerdem daraufhin: "Profisportler haben eine Vorbildfunktion in der Öffentlichkeit, da dürfen einem solche Verfehlungen nicht unterlaufen."

Eigentor der Sutil-Seite

Ohne den Prozess wäre Sutil im Nachhinein besser davongekommen. Die Staatsanwältin, die sich normalerweise mit Mordfällen beschäftigt, betonte, sie hätte die Angelegenheit gerne ohne einen öffentlichen Prozess geregelt. Den von ihr ausgestellten Strafbefehl über ein Jahr auf Bewährung und 500.000 Euro Geldstrafe hatte die Sutil-Seite allerdings ausgeschlagen - ein Eigentor, sollte das Urteil rechtskräftig werden.

Sutil hat eine Woche Zeit, in Berufung zu gehen. Sein Anwalt Jürgen Wessing, Deutschlands Strafverteidiger des Jahres 2010, meinte, dass diese Möglichkeit in Ruhe geprüft werde, bezeichnete die wiederhergestellte "persönliche Basis" von Sutil und Lux bereits als Erfolg. Die Geldstrafe wird innerhalb der nächsten sechs Monate in acht Raten von 25.000 Euro für gemeinnützige Organisationen fällig.

Schulden zurückzahlen

Sutil, der nach eigenen Angaben im letzten Jahr 750.000 Euro verdient hat, aber auch noch 600.000 bis 800.000 Euro Schulden zurückzahlen muss, bangt nun um eine Fortsetzung seiner Karriere. "Ich kann nicht sagen, ob in diesem Sport noch jemand mit mir arbeiten will", sagte er.

Für seinen Manager Manfred Zimmermann bedeute das Urteil allerdings nicht, "dass Adrian in der Formel 1 keine Zukunft mehr hat. Es wird keine Konsequenzen der Fia geben und Adrians fahrerische Qualität hat nicht gelitten."

Quelle: sid/fb
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