03.02.13

Formel 1

Evolution statt Revolution bei Vettels lila Lady

Der Red Bull, der Vettel zu seinem vierten Formel-1-Titel hintereinander tragen soll, ist lediglich eine leichte Modifikation des Vorjahres-Modells. Sogar die unansehnliche Höckernase ist geblieben.

Von Simon Pausch
Foto: dpa

Der große Moment: Vettel (v.) und Webber enthüllen den RB9, ihren Dienstwagen für die Formel-1-Saison 2013.

6 Bilder

Sebastian Vettel strahlte wie ein Kind bei der Weihnachtsbescherung, als er seinen neuen Dienstwagen der Öffentlichkeit präsentierte. Während allen Anwesenden in der Red-Bull-Teamzentrale im britischen Milton Keynes das Fotografieren streng untersagt war, schoss der dreimalige Formel-1-Weltmeister vor lauter Begeisterung sogar ein Handybild von seinem neuen Dienstwagen.

Nachdem er die kritischen Blicke der Offiziellen des Rennstalls bemerkt hatte, stopfte er das Telefon wieder zurück in die Hosentasche und lauschte brav den Worten seines Teamchefs Christian Horner.

Mit Ausnahme dieses kleinen Zwischenfalls war die Laune bestens beim offiziellen Saisonauftakt des Branchenprimus' der Formel 1. Als sechstes von elf Teams präsentierte Red Bull, woran die Ingenieure in der rennfreien Zeit seit Ende November gewerkelt hatten. Unter dem Motto "Entfesselt den Bullen" und begleitet von stampfenden Beats enthüllte der 25-Jährige gemeinsam mit seinem Team-Kollegen Mark Webber das neue Arbeitsgerät.

Vettel wirkte zufrieden mit dem, was er sah: "Natürlich kann man zurückschauen, auf das, was man erreicht hat. Aber wir starten bei null und erwarten natürlich erneut sehr viel von uns." Bereits seit zwei Wochen testet der Hesse, der sich hauptsächlich in seiner Schweizer Wahl-Heimat von dem nervenaufreibenden Saisonfinale samt anschließender mehrtägiger PR-Reise erholt hat, die Simulator-Variante des Autos.

Knapp anderthalb Monate dauert es noch bis zum Saisonstart in Melbourne/Australien, ein paar Tage früher wird Vettel den Wagen in bewährter Manier auf einen Frauennamen taufen. Wie die Nachfolgerin der Weltmeister-Modelle "Luscious Liz" "Kinky Kylie" und "Abbey" heißen könnte, wollte er aber noch nicht verraten: "Bevor ich ihr einen Namen gebe, müssen wir uns noch besser kennenlernen." Die Mission ist ohnehin unabhängig vom Namen: Nichts weniger als der vierte WM-Titel hintereinander soll es sein für den Deutschen, der damit aufschließen würde zur französischen Formel-1-Legende Alain Prost.

Dunkelblauer Lack trifft dezentes Lila

Das Privileg des Jungfernausflugs gehört in diesem Jahr allerdings Stallgefährte Webber. Bei den Testfahrten, die in dieser Woche in Jerez/Spanien stattfinden, wird der Australier die ersten Kilometer mit dem neuen Boliden zurücklegen, Vettel lenkt den Wagen erstmals am Donnerstag aus der Garage. Dessen dunkelblauer Lack der vergangenen Jahre wird dabei erstmals von einem dezenten Lila durchsetzt sein. Ansonsten erinnert das Auto stark an jenen Boliden, der in der vorigen Saison, abgesehen von einigen Problemen mit der Lichtmaschine und den Reifen, der leistungsstärkste im gesamten Peloton war. Der Auspuff ist identisch, die Radaufhängung folgt dem gleichen Prinzip wie 2012 und selbst der unansehnliche Höcker prangt weiter auf Nase. Wenigstens sind dessen Konturen ein wenig weicher geworden.

"Die meiste Anstrengung haben wir dafür aufgewendet, den RB8 zu verbessern", erklärte Star-Designer Adrian Newey: "Die Steifigkeit des Frontflügels wurde erhöht." Unter dem Strich sei es "ein ziemlich evolutionäres Auto" geworden, meinte der Brite, der seinen sechsten Red-Bull-Boliden entworfen hat. Evolution, keine Revolution.

Langeweile bei Ferrari und McLaren

Warum sollte auch Red Bull seine Strategie über den Haufen werfen? Seit drei Jahren dominieren die Österreicher die Formel 1 und sicherten sich jeweils das Double aus Fahrer- und Konstrukteurs-Titel. Auch zu Beginn dieser Saison werden sie wieder vom Technologie-Vorsprung des Vorjahres profitieren. "Wir wollen die beiden WM-Pokale noch nicht aus unserem Trophäenschrank herausholen müssen. Das ist definitiv nicht unser Plan für diese Saison", sagte Teamchef Christian Horner mit Blick auf die mehr als zehn Meter hohe Vitrine in der Teamzentrale.

Der Tag der Red-Bull-Präsentation war mit Spannung erwartet worden, nachdem die vorherigen Auto-Vorstellungen wenig Überraschungen gebracht hatten. Die spektakulärste Neuerung lieferte bislang Sauber; die Schweizer lackieren ihren Boliden für die neue Saison in grauer statt in weißer Farbe. Vor allem Vettels Haupt-Konkurrenten von Ferrari und McLaren stellten der Öffentlichkeit hingegen sehr herkömmliche Rennwagen vor, die mit Ausnahme des verdeckten Nasen-Höckers nur wenig erkennbare Veränderungen zum Vorjahr aufweisen.

Entfremdung vom Ursprungs-Auto

Das liegt einerseits an den engen Grenzen des Reglements, andererseits an der parallel laufenden Planung für die Saison 2014, die aufgrund der neuen Motorformel für viele Rennställe Priorität genießt. Trotzdem gaben sowohl Jenson Button als auch Fernando Alonso den WM-Titel als persönliches Ziel an. Der eine von ihnen hatte am Ende der vergangenen Saison 91 Zähler Rückstand auf Vettel, der andere gab einen Vorsprung von mehr als 40 Punkten aus der Hand. Wie genau sie das in diesem Jahr vermeiden wollen, verrieten sie nicht.

Traditionell fahren die Präsentations-Modelle ohnehin keinen Meter unter Wettbewerbsbedingungen, die Modifikationen von Rennen zu Rennen entfremden die Autos im Laufe der Saison zunehmend von ihrem Ursprung. Die Wagen, mit dem die Piloten Ende beim Saisonfinale am 24. November in Sao Paulo/Brasilien über den Zielstrich rasen werden, haben so gut wie gar nichts mehr gemeinsam mit den Autos, die dieser Tage mit großem Brimborium unter weißen Tüchern hervorgezogen werden. Derzeit dürfte das den Vettel-Verfolgern am meisten Hoffnung machen.

Foto: dpa

Aus der Dose: Red Bulls neuer Infiniti RB9 bei seiner Vorstellung am 3. Februar.

13 Bilder
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Champions-League Guardiola will "überragende Leistung"
Brasilien Jagdszenen an der Copacabana
Drohung USA schicken 600 Soldaten nach Polen und ins Balti…
Chaos Panik in indischer Stadt durch verirrten Leopard
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Mode

Kate – die unangefochtene Fashion-Queen

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote