29.11.12

Formel 1

Fia schmettert Ferraris letzten Angriff auf Vettel ab

Der Weltverband Fia hat den Vorwurf des Regelbruchs gegen den dreifachen Weltmeister Sebastian Vettel entkräftet.

Von Simon Pausch
Foto: Getty Images

Sebastian Vettel ist mit Platz sechs in Sao Paulo zum dritten Mal Weltmeister! Noch mit Helm zeigt sich Vettel in seiner Lieblingspose ...

14 Bilder

Der Applaus seiner Mitarbeiter rauschte Sebastian Vettel noch in den Ohren, als Fernando Alonso sein Twitter-Profil aktualisierte. Keine zwölf Stunden nach dem Besuch des frisch gekürten Weltmeisters in der Rennwagenfabrik in der englischen Kleinstadt Milton Keynes sorgte eine nur auf den ersten Blick kryptische Nachricht des Spaniers für Aufregung.

"Ich brauche keine Wunder. Ich mache meine Wunder mit richtigen Gesetzen", hatte der Geschlagene geschrieben und damit die rechtmäßige Vergabe des Formel-1-Titels an den Hessen angezweifelt. Gleichzeitig wähnte er sich im Einklang mit dem Reglement, weshalb ihm allein nächste Woche in Istanbul der WM-Pokal gebühren sollte. Es war der letzte verzweifelte Versuch, die Niederlage doch noch in einen Sieg umzudeuten.

Auf einem Video, das die spanische Zeitung "As" etwa zur gleichen Zeit flankierend publizierte, ist zu sehen, wie Vettels Red Bull in der vierten Runde mühelos am Toro-Rosso-Boliden von Jean-Eric Vergne vorbeizieht. So weit, so normal. Ihre Brisanz erhält die verschwommene Sequenz durch eine gelb aufflammende LED-Tafel im Hintergrund. Die leuchtete, weil nach einer der zahlreichen Kollisionen in dem turbulenten Regenrennen Trümmerteile auf der Piste lagen und die Streckenposten noch mit den Aufräumarbeiten beschäftigt waren.

Fehler des Streckenpostens

Um sie zu schützen, wird das Rennen ähnlich wie in einer Safety-Car-Phase neutralisiert. Gelb bedeutet in der Formel 1 Überholverbot. Demnach wäre Vettels Manöver regelwidrig und laut Gesetzbuch des Automobil-Weltverbandes Fia nachträglich mit 20 Sekunden Zeitstrafe zu ahnden. Die Vollstreckung dieser Sanktion würde den 25-Jährigen vom sechsten auf den achten Rang zurückfallen lassen. Neuer Weltmeister wäre in dem Fall Fernando Alonso.

Doch dieser Saisonausgang bleibt einer im Konjunktiv: Am frühen Donnerstagnachmittag teilte die Fia unzweideutig mit: "Vettel hat nichts falsch gemacht. Eine weitere Untersuchung oder Proteste wird es nicht geben." Missverständliche Flaggensignale entlasteten den Deutschen: Auf der Geraden vor der Kurve, in der Vettel überholte, hatten grüne Flaggen die Neutralisation des Rennens bereits für beendet erklärt. Jemand hatte vergessen, die gelbe LED-Tafel rechtzeitig auszuschalten, so einfach kann das manchmal sein im Hightechsport Formel 1.

"Die Rennleitung war in jeder Phase während des Rennens über alles informiert. Sie haben klare Entscheidungen getroffen. Es gab auch keinen Protest nach dem Rennen in der dafür vorgeschriebenen Zeit", sagte Bernie Ecclestone.

Jede andere Entscheidung der Fia wäre ohnehin eine große Überraschung gewesen. Zwar gehören verspätete Bestrafungen zum Formel-1-Alltag; fast nach jedem Rennen laufen bis in die Abendstunden Untersuchungen wegen vermeintlichen Verstößen gegen das technische Reglement. Doch eine Korrektur der WM-Entscheidung am vierten Tag des Jubel- und PR-Marathons ihres Champions übersteigt selbst den Erfindungsreichtum der Formel-1-Verantwortlichen. Der daraus entstehende Imageschaden für die Sportart wäre zu groß. Deshalb ist es umso bemerkenswerter, dass Ferrari trotzdem eine offizielle Erklärung verlangte.

Es ist der Abschluss einer Reihe von Störmanövern, insbesondere das Ausbleiben einer Gratulation für Vettels Titelhattrick werten viele als Fehlen von Größe im Umgang mit Niederlagen. "Wir bei Red Bull sind froh, dass wir so etwas nicht nötig haben", hatte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko schon in Texas gesagt, nachdem Ferrari absichtlich das Siegel über dem Getriebe von Felipe Massa gebrochen hatte, um Alonso eine bessere Startposition zuzuschanzen.

Glückwunsch auf dem Kuchen

In Sao Paulo nutzte Sebastian Vettel die ersten Interviews nach Rennende, um seine Meinung zu dieser Art der Zweikampfführung zu äußern. Auffällig oft verwendete er dabei die Begriffe Aufrichtigkeit und Fairness: "Ich gewisser Weise bin ich so erzogen worden: Lügen haben kurze Beine, und ehrlich währt am längsten."

Während der alte und neue Weltmeister zu den aktuellen Schlagzeilen schwieg, verwunderte Alonso am Donnerstag erneut. Bei Twitter stellte er ein Bild ein von einem Kuchen, der ihm offenbar nach der Rückkehr in seine Heimat in Asturien geschenkt worden war. "Glückwunsch dem Champion" stand auf dem Backwerk. Dennoch wird er sich endgültig damit abfinden müssen, dass dieser Spruch nicht ihm gelten kann.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Er werde Licht Australier sind die besten Festbeleuchter
Tarifstreit GDL-Chef Weselsky macht Druck
Vor Kreta Griechen retten 700 Flüchtlinge
Nordkorea Kim Jong-un fliegt auf Pilotinnen
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Australien

Schwerer Sturm verwüstet Millionenstadt Brisbane

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote