26.11.12

Formel-1-Saison 2012

Als Kimi Räikkönen plötzlich in die Sackgasse fuhr

Rambos, Gurken, böse Flüche und ein Pilot, der mitten im Rennen unvermittelt in einer Sackgasse stand: Eine Formel-1-Saison der Superlative ist zu Ende gegangen. Dies waren die größten Tops und Flops.

Foto: dpa

Er ist der Aufsteiger der Saison: Nico Hülkenberg. Nach einem Jahr Zwangspause hatte der Deutsche zwar Anpassungsschwierigkeiten in der Formel 1, im zweiten Halbjahr aber dominierte er Force-India-Teamkollege Paul di Resta nach Belieben. 2013 fährt er für das Team Sauber.

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Aufsteiger: Nico Hülkenberg

Der "Hülk" ist der Aufsteiger des Jahres. Nach einem Jahr Zwangspause hatte der Mann vom Niederrhein zwar Anpassungsschwierigkeiten, im zweiten Halbjahr aber dominierte er Force-India-Teamkollege Paul di Resta nach Belieben. Ferrari und Mercedes interessieren sich für den Mann, den Teamchef Vijay Mallya als "künftigen Weltmeister" sieht. Am Ende reichte es zwar nur zum Wechsel zu Sauber. Doch die Schweizer fahren mit Ferrari-Motoren – und die Hintertür zur Scuderia ist damit offen.

Comeback: Kimi Räikkönen

Der "Iceman" ist zurück: Brummelig wie eh und je, aber fahrerisch eine Klasse für sich. Bis zum Schluss in Schlagdistanz zu den WM-Rivalen, sorgte er auch abseits der Strecke für Höhepunkte. Seine Pressekonferenzen fielen öfter mal aus. In Shanghai war er "Lost in China", in Bahrain kam er zehn Minuten vor dem Termin, sagte: "Niemand da" und ging wieder. In Abu Dhabi würgte er Ansagen am Boxenfunk mit den Worten: "Ja, ja, ja, lasst mich in Ruhe! Ich weiß, was ich tue" ab. "Und das waren nur die freundlichen Kommentare", seufzte Teamchef Eric Boullier.

Und im Saisonfinale in Interlagos? Dort sorgte Räikkönen für eine weitere amüsante Sternstunde: Mitten im Rennen drehte er sich und wollte über die alte Strecke zurückfahren. Da dort das Tor geschlossen war, musste Räikkönen umkehren und fuhr nach seiner kleinen Irrfahrt zurück auf die Strecke (sehen Sie hier das Video). "Ich konnte nicht viel sehen, weil mein Visier verdreckt und milchig war", erklärte der Finne: "2001 bin ich da schon mal lang gefahren, damals war das Tor offen. Ich werde dafür sorgen, dass es nächstes Jahr wieder offen ist."

Enttäuschung: Mercedes

Es schien das Jahr des großen Durchbruchs zu werden. Nico Rosberg gewann das dritte Rennen in Shanghai, in Monaco war Michael Schumacher schnell, doch in der zweiten Hälfte kam der Absturz. Vor dem Saisonfinale blieb Mercedes fünf Rennen lang ohne WM-Punkt – ein Desaster. Niki Lauda als Aufsichtsratschef und Lewis Hamilton als neuer Fahrer sollen 2013 Erfolg bringen.

Fangio-Nachfolger: Nico Rosberg

Er holte den Sieg, den viele für Rekordweltmeister Michael Schumacher reserviert sahen – den ersten im Silberpfeil seit dem legendären Juan Manuel Fangio vor fast 57 Jahren. In der zweiten Saisonhälfte ging Rosberg mit Mercedes unter. Doch er hat im dritten Jahr zum dritten Mal Schumacher abgehängt – und er ist jetzt ein Siegfahrer.

Skandal: Bahrain

Dass die Formel 1 in diesem Jahr im Krisenstaat fahren musste, war schlimm genug. Die Krönung waren jedoch die höhnischen, zynischen Kommentare von Chefpromoter Bernie Ecclestone. Die Formel 1 fahre doch auch in China, wo ebenfalls Menschenrechte verletzt werden, und Opfer eines Anschlags könne man überall werden. Fahrer und Angestellte wurden zudem zu Duckmäusern erzogen, niemand sagte seine Meinung. Wer daheim blieb, wurde entlassen. Als das Force-India-Team Zeuge eines Anschlags wurde und aufs zweite Training verzichtete, wurde es bei der dritten Einheit nicht im TV-Bild gezeigt. Ein schlechteres Bild hatte die Formel 1 vielleicht nie zuvor abgegeben.

Aufreger: Twittern

Fernando Alonso hat das Twittern für sich entdeckt und macht sich einen großen Spaß daraus. Auch wenn die Presseabteilung "mich im Auge hat", twitterte er munter Stuss – regelmäßige Samurai-Schlaumeiereien oder gar eine skandalöse Kriegsansage an Vettel mit riesigem Paintball-Gewehr im Anschlag. Dümmer war nur Lewis Hamilton, der seinen 1,1 Millionen Followern erst geheime Telemetriedaten mitteilte und dann Teamkollege Jenson Button Respektlosigkeit vorwarf, um kurz darauf zurückrudern zu müssen. 140 Zeichen sind manchmal voreilig losgeschickt…

Verbot: Fluchen

Sebastian Vettel sagte "Fuck up", Kimi Räikkönen "Shit" – und das im Interview auf dem Podest, und auch noch in Abu Dhabi vor vielen pikierten Arabern. Der Motorsport-Weltverband Fia forderte daraufhin alle Teams und Fahrer zu "angemessener Sprache" auf. Vettel sah es nicht ein: "Jeder hat die Fernbedienung in der Hand, und wer sensibel ist, kann Kindersendungen schauen." Als der Deutsche kurz darauf in einer Pressekonferenz die Formulierung "to take a piss" ("jemanden verarschen") verwendete, hielt er sich aber schnell die Hand vor den Mund. Fia-Pressechef Matteo Bonciani klopfte ihm lächelnd auf die Schulter.

Hindernis: Narain Karthikeyan

Mit einem Unfall in Malaysia brachte er den Weltmeister auf die Palme. Vettel beschimpfte ihn als "Idiot" und "Gurke", Karthikeyan juckte das wenig – der Inder wusste nicht, dass "Gurke" ein Schimpfwort sein soll. Als Vettel ihm in Austin die Schuld für Hamiltons Überholmanöver gab und Vettels Chef Helmut Marko ihn "Sch... Karthikeyan" schimpfte, platzte dem sonst so freundlichen Herrn Karthikeyan der Kragen: "Ich kann diesen Blödsinn nicht mehr hören!"

Rambo: Romain Grosjean

Pastor Maldonado bewarb sich ebenfalls eindrucksvoll, doch der Titel "Crash Kid" kann nur an Romain Grosjean gehen. Der Massenunfall in Spa war einer zu viel, in Monza war der Lotus-Pilot gesperrt. Nach der nächsten Kollision in Japan forderte Red-Bull-Boss Marko drei Rennen Sperre für den "wahnsinnigen, französischen Experten" (O-Ton Niki Lauda). Ecclestone empfahl ihm schon Mal den Gang zum Augenarzt.

Premiere: Austin

Die Umgebung war trostlos. Doch mitten in die Prärie baute der Aachener Architekt Hermann Tilke eine spektakuläre Berg- und Talbahn. 260.000 Zuschauer an drei Tagen sorgten für ein sensationelles US-Comeback. Ecclestone fand's "besser als erwartet" – und will nun bis zu vier US-Rennen.

Wer ist jüngster Formel-1-Weltmeister aller Zeiten?
Frage 1 von 20
Quelle: sid/JHU
Foto: pa/DPPI Media

17. März: Großer Preis von Australien in Melbourne. Sieger: Kimi Räikkönen (Lotus)

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