17.11.2012, 13:00

Formel-1-Idole Vettel auf den Spuren von Schumacher und Fangio

Von Simon Pausch

Den Formel-1-Idolen gelang in ihrer Karriere jeweils der Titel-Hattrick – auch dank kurioser Entscheidungen der Teamchefs. Sebastian Vettel eifert ihnen nach, hat aber einen ärgerlichen Nachteil.

Als Juan Manuel Fangio am 2. September 1956 mit seinem Ferrari in die Boxengasse von Monza rollte, war sein Gesicht starr vor Entsetzen. Als WM-Führender war der Argentinier zum Saisonfinale nach Italien gekommen, der Vorsprung auf seinen Verfolger und Teamkollegen Peter Collins betrug nach der damaligen Zählweise luxuriöse acht Punkte. Wenn Fangio nicht ausschied, würde er als erster Formel-1-Pilot der Geschichte zum dritten Mal hintereinander Weltmeister, das war allen klar.

Doch dann gab die Lenkstange seines Boliden ihren Geist auf und ließ den Ferrari in die Garage trudeln wie ein Fahrrad, an dem die Kette abgesprungen ist. Dort saß Fangio traurig, als Collins zum Reifenwechsel vorfuhr und eine der bemerkenswertesten Entscheidungen der Motorsport-Geschichte fällte.

Mit den Worten, er sei noch jung genug, um in den folgenden Jahren WM-Titel zu gewinnen, stieg der Brite aus seinem Auto und überließ das Cockpit dem 45 Jahre alten Stallgefährten. Der schwang sich hastig hinter das Steuer und fuhr wenig später als Zweiter hinter Stirling Moss über den Zielstrich. Bei der Siegerehrung ließ er sich als Dreifach-Weltmeister feiern, Collins blieb nur Rang drei hinter Moss.

Cockpit-Tausch ist jetzt verboten

56 Jahre später darf Sebastian Vettel auf solcherlei Unterstützung aus den eigenen Reihen nicht hoffen, um den Traum vom Aufstieg in den erlesenen Club der Triple-Champions wahr werden zu lassen. Nicht nur, weil sein Red-Bull-Kollege Mark Webber alles andere als sein großer Freund ist. Sondern auch, weil das Reglement einen Cockpit-Tausch verbietet. Unter Punkt 20.1 des Fia-Grundgesetzes heißt es unmissverständlich: "Jeder Fahrer hat sein Auto allein und ohne fremde Unterstützung zu fahren."

Dabei zeigt die Historie, dass die Assistenz des Beifahrers offenbar dringend nötig ist, um eine außergewöhnliche Siegesserie hinzubekommen. Der Dritte, dem das gelungen ist, profitierte bei seinem dritten Titel von einem Manöver, das er später selbst verurteilte.

Michael Schumachers Weg zum WM-Titel 2002 führte auch über einen Sieg beim Großen Preis von Österreich. Kurz vor Schluss ließ ihn Rubens Barrichello auf Geheiß der Ferrari-Teamleitung passieren. Bei der Siegerehrung pfiffen die Fans, und Schumacher drängte Barrichello verschämt auf die oberste Stufe.

Millionenstrafe für Ferrari

Ferrari wurde später mit einer Strafe von einer Million Euro belegt, die der Rennstall bereitwillig zahlte. Denn fünf Rennen später war der Kerpener zum insgesamt fünften Mal Weltmeister und stellte damit die Bestmarke von Fangio ein. Im Alter von 33 Jahren. Dennoch wurde er nie müde zu betonen: "Der Mann (Fangio, d. Red.) hat in meinen Augen so viel mehr erreicht zu seiner Zeit, als ich das je könnte." Die fünf Jahrzehnte, die zwischen ihrem Wirken liegen, hätten die Autos besser beherrschbar und komfortabler gemacht. Ein Vergleich sei daher unzulässig.

Auch wenn zwischen den Siegfahrten von Schumacher und Vettel nicht mal eine Dekade liegt, sind auch sie kaum vergleichbar. Die endlosen Testrunden, die die Basis für Schumachers Dominanz schufen, sind auf ein Minimum reduziert. Nicht nur deshalb ist die Qualitätsdichte im Fahrerfeld viel enger. Ob Vettel als 25-Jähriger den nächsten Altersrekord aufstellt oder doch Fernando Alonso obsiegt, entscheiden Kleinigkeiten.

2002 gewann Schumacher elf von 17 Rennen

Schumacher machte seinen Hattrick 2002 im elften von 17 Rennen perfekt, so früh wie kein anderer Formel-1-Pilot. Am Saisonende kam er auf elf Siege und 17 Podestplätze. Eine solche Bilanz ist heute undenkbar. Zurzeit ist Alonso der beständigste Fahrer im Feld, weil er bei elf von 18 absolvierten Grand Prix unter die ersten Drei kam. Gelingt ihm das auch in Austin, fällt die Entscheidung im Titelkampf definitiv erst nächste Woche in Sao Paulo/Brasilien (siehe Text oben).

Red-Bull-Teamchef Christian Horner hofft daher darauf, dass am Sonntag neben Vettel auch Mark Webber vor Alonso ins Ziel kommt. Dann wäre zumindest der Konstrukteurs-Titel vorzeitig verteidigt: "Wir als Team tun alles dafür. Beide Piloten müssen das bestmögliche Ergebnis herausholen. Wenn das gelingt, dann nimmt Mark Fernando automatisch Punkte weg." Solche Unterstützung wird Horner lieb sein, zumal jene nach Art von Peter Collins undenkbar ist.

Seine Ankündigung, irgendwann selber noch Weltmeister zu werden, konnte Collins übrigens nie wahr machen: 23 Monate später starb er bei einem Unfall auf dem Nürburgring.

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