15.10.12

Vettel/Hülkenberg

Deutsche Formel-1-Piloten so begehrt wie nie

Während die Gerüchte um einen Vorvertrag von Sebastian Vettel bei Ferrari nicht abreißen, schafft Nico Hülkenberg den Aufstieg. Er fährt erfolgreicher als Michael Schumacher – und künftig für Sauber.

Foto: DPA
Formel 1
Zwei haben gut lachen: Nico Hülkenberg (l.) vom Force-India-Team und Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel gehören zu den begehrtesten Fahrern der Formel 1

Beim Großen Preis von Südkorea lief die 41. von 55 Runden, als sich Nico Hülkenberg wie der Sieger des Rennens fühlte. Mit einem genialen Manöver und etwas Glück überholte er in einer Kurve die vor ihm fahrenden Formel-1-Promis Lewis Hamilton und Romain Grosjean. Sein sechster Platz, für den er damit die Grundlage schuf, war zwar nur das drittbeste Resultat in dieser Saison.

"Es war auch so ein sehr besonderer Moment für mich", sagte der 25-Jährige anschließend: "Ich hatte wirklich ein großes Lächeln im Gesicht und jubelte, als hätte ich gerade gewonnen."

Nico Hülkenberg führt beim Force-India-Rennstall ein Schattendasein. Dabei ist er nach Spitzenreiter Sebastian Vettel und Mercedes-Pilot Nico Rosberg der drittbeste Deutsche – seit Sonntag hat er zwei WM-Zähler mehr als Ikone Michael Schumacher auf dem Konto.

Hülkenberg fährt sein zweites Jahr in der Königsklasse, Schumacher sein 19. Mit einem unterlegenen Auto landet er regelmäßig in den Punkterängen, zweimal schon kam er unter die besten Fünf. Trotzdem kann er weitgehend ungefragt und oft auch unerkannt von motorsportfremden Gästen durch die Boxengasse spazieren. Noch.

Ab der nächsten wird der Mann aus Emerich im Rheinland für den überraschend starken Sauber-Rennstall fahren, die Wahrscheinlichkeit, dass der Schattenmann dann öfter im Rampenlicht steht, ist ungefähr so hoch wie der Werbeetat von Red Bull.

Für Hülkenberg ist der Wechsel zu Sauber der nächste Schritt in seiner Entwicklung vom talentierten GP2-Fahrer zu einem bemerkenswerten Formel-1-Piloten. Beim Schweizer Privatteam, dessen Boliden von Ferrari-Motoren angetrieben werden, dürften gute Ergebnisse leichter herauszufahren sein als bei Force India, wo nun der Weg frei ist für Landsmann Adrian Sutil.

Außerdem ist es von Hinwil aus nicht mehr weit bis zum traditionsreichsten aller Formel-1-Rennställe, um den auch Hülkenbergs Gedanken kreisen: "Klar, es ist ein Traum, einmal für Ferrari zu fahren, und so eine Chance zu bekommen."

Doch ausgerechnet ein weiterer Landsmann könnte zur echten Gefahr für diesen Traum werden. Zwar bemühten sich alle Parteien am Montag, die inzwischen schon fast turnusmäßig aufkommenden Gerüchte über einen Wechsel Sebastian Vettels zur Scuderia zu dementieren.

Vettel etwa sagte "Auto Bild Motorsport": "Ich will nicht zu weit denken und dabei die Gegenwart verpassen. Ich denke gar nicht an einen möglichen Abschied, weil das für mich im Moment gar nicht infrage kommt." So konkret wie in dem BBC-Bericht, der am Vormittag für hektische Betriebsamkeit zwischen Südkorea, Österreich und Italien sorgte, waren die Gerüchte jedoch noch nie.

Vorvertrag von Vettel ab 2014?

Der angeblich bereits unterzeichnete Vorvertrag für das Jahr 2014, heißt es da, sei an das Abschneiden Ferraris in der kommenden Saison geknüpft. Nur, wenn die Roten eine bestimmte Punktzahl erreichen, würde Vettel den Weg über die Alpen antreten. Das passt nicht nur zur hinlänglich bekannten Unzufriedenheit des Rennstalls mit seinem Piloten Felipe Massa, an der auch die zuletzt guten Resultate nichts Grundsätzliches ändern.

Selbst wenn der Brasilianer in den nächsten Tagen einen Kontrakt für eine weitere Saison unterschreibt, braucht es in den Augen der Verantwortlichen spätestens für die übernächste Saison einen zweiten siegfähigen Fahrer. Dann tritt die neue Motorenformel in Kraft, die die Hierarchie in der Formel 1 durcheinanderwirbeln wird. Spätestens in dem Jahr gilt es, ein möglichst konkurrenzfähiges Fahrer-Duo an den Start zu bringen.

Fraglich, ob Vettel und Alonso zusammenpassen würden

Unklar ist freilich, ob und wie zwei Platzhirsche wie Vettel und Fernando Alonso in dieselbe Garage zu pressen sind. Erst vor dem jüngsten Gand-Prix-Wochenende hatte sich der Spanier, der noch bis 2016 für Ferrari fahren wird, für einen Verbleib Massas stark gemacht. Ihm ist am Fortbestand der klaren Rollenverteilung zu seinen Gunsten gelegen.

Von solchen Gedankenspielen ist Hülkenberg natürlich denkbar weit entfernt. Bei ihm ist noch nicht einmal geklärt, wie seine feuerfesten Schuhe bei den kommenden Rennen aussehen werden. Derzeit läuft auf seiner Homepage ein Design-Wettbewerb für die Fans. Mit dem Sieger-Modell wird Hülkenberg in Austin zum vorletzten Mal in seinen Force-India-Wagen klettern.

Formel 1 in Südkorea

Endstand des Rennens:

 

1. Sebastian Vettel (Heppenheim/Red Bull) 1:36:28,651 Std.

 

2. Mark Webber (Australien/Red Bull) 0:08,231 Min. zurück

 

3. Fernando Alonso (Spanien/Ferrari) 0:13,944

 

4. Felipe Massa (Brasilien/Ferrari) 0:20,168

 

5. Kimi Räikkönen (Finnland/Lotus) 0:36,739

 

6. Nico Hülkenberg (Emmerich/Force India) 0:45,301

7. Romain Grosjean (Frankreich/Lotus) 0:54,812

 

8. Jean-Eric Vergne (Frankreich/Toro Rosso) 1:09,589

 

9. Daniel Ricciardo (Australien/Toro Rosso) 1:11,787

 

10. Lewis Hamilton (Großbritannien/McLaren) 1:19,692

 

11. Paul Di Resta (Großbritannien/Force India) 1:20,062

 

12. Sergio Perez (Mexiko/Sauber) 1:24,448

13. Michael Schumacher (Kerpen/Mercedes) 1:29,241

 

14. Pastor Maldonado (Venezuela/Williams) 1:34,924

 

15. Bruno Senna (Brasilien/Williams) 1:36,902

 

16. Heikki Kovalainen (Finnland/Caterham)

 

17. Witali Petrow (Russland/Caterham)

 

18. Timo Glock (Wersau/Marussia-Virgin) alle eine Runde zurück

19. Charles Pic (Frankreich/Marussia-Virgin)

 

20. Narain Karthikeyan (Indien/HRT) beide zwei Runden zurück

 

Ausgeschieden:

 

Pedro de la Rosa (Spanien/HRT)

 

Kamui Kobayashi (Japan/Sauber)

 

Nico Rosberg (Wiesbaden/Mercedes)

 

Jenson Button (Großbritannien/McLaren)

Fahrerwertung nach 16 von 20 Rennen:

 

1. Sebastian Vettel (Heppenheim) 215 Pkt.

 

2. Fernando Alonso (Spanien) 209

 

3. Kimi Räikkönen (Finnland) 167

 

4. Lewis Hamilton (Großbritannien) 153

 

5. Mark Webber (Australien) 152

 

6. Jenson Button (Großbritannien) 131

7. Nico Rosberg (Wiesbaden) 93

 

8. Romain Grosjean (Frankreich) 88

 

9. Felipe Massa (Brasilien) 81

 

10. Sergio Perez (Mexiko) 66

 

11. Kamui Kobayashi (Japan) 50

 

12. Nico Hülkenberg (Emmerich) 45

13. Paul Di Resta (Großbritannien) 44

 

14. Michael Schumacher (Kerpen) 43

 

15. Pastor Maldonado (Venezuela) 33

 

16. Bruno Senna (Brasilien) 25

 

17. Jean-Eric Vergne (Frankreich) 12

 

18. Daniel Ricciardo (Australien) 9

Konstrukteurswertung nach 16 von 20 Rennen:

 

1. Red Bull 367 Pkt.

 

2. Ferrari 290

 

3. McLaren 284

 

4. Lotus 255

 

5. Mercedes 136

 

6. Sauber16

7. Force India 89

 

8. Williams 58

 

9. Toro Rosso 21

 

Nächstes Rennen:

Großer Preis von Indien in Neu Delhi am 28. Oktober

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