30.07.12

Formel 1

Hamilton fegt mit seiner Ein-Mann-Show Vettel von der Piste

Hamilton dominierte im McLaren in Ungarn Training, Qualifikation - und dann auch noch das Rennen. Vettel und Schumacher enttäuschten.

Foto: dpa
Lewis Hamilton
Ließ in Ungarn alle hinter sich: McLaren-Pilot Lewis Hamilton

Sehnsüchtig blickte Lewis Hamilton vom Podium hinüber zu den rutschenden Kindern im Freibad auf dem gegenüberliegenden Hügel. Während der Brite in den zurückliegenden anderthalb Stunden Schwerstarbeit auf dem glühend heißen Hungaroring hatte verrichten müssen, um seinen zweiten Saisonsieg einzufahren, hatten sie im kalten Wasser geplanscht.

Dem Briten musste zunächst die Champagnerduschen der Zweit- und Drittplatzierten Kimi Räikkönen und Romain Grosjean als Abkühlung reichen.

Die Sonne brannte so heiß, dass kurz vor dem Startschuss zum Großen Preis von Ungarn eines der Grid Girls einen Hitzschlag erlitt und in Ohnmacht fiel. Bei Temperaturen von mehr als 30 im Schatten verschaffen nicht einmal Mini-Röcke und kurze Oberteile genügend Kühlung beim Stehen und Lächeln.

Am ungefährdeten Start-Ziel-Sieg von Hamilton änderte die Hitze nichts. "So haben wir uns das vorgestellt. Ich bin dem Team sehr dankbar, die Boxenstopps waren wieder fantastisch", freute sich der 27-Jährige bei der anschließenden Pressekonferenz: "Wir mussten absolut ans Limit gehen, um Kimi und Romain hinter uns zu halten."

Fernando Alonsos seltene Schwäche

Der McLaren-Pilot hatte das Renn-Wochenende inklusive aller Trainingseinheiten dominiert und übernahm in der WM-Wertung Rang vier von Räikkönen. Der Finne lieferte sich im letzten Rennviertel einen packenden Zweikampf mit Hamilton. Rundenlang jagten beide Boliden mit weniger als einer Sekunde Abstand hintereinander her, bei der Zieldurchfahrt lag der Weltmeister von 2008 keine 100 Meter vor dem Champion des Jahres 2007.

"Das Rennen war heute einfach nicht lang genug für mich. Ich hatte am Anfang einige Probleme mit meinem Auto. Danach hat die Zeit hat nicht mehr gereicht, um Lewis noch zu überholen. ", sagte der Finne, der angeblich das Interesse von Ferrari geweckt haben soll. Italienische Medien berichten, der 32-Jährige sei heißer Kandidat für die Nachfolge des in Ungarn abermals enttäuschenden Felipe Massa (Platz neun).

Räikkönen, der vor fünf Jahren für den bisher letzten Titel der Scuderia gesorgt hatte, betonte hingegen, bis auf weiteres glücklich bei seinem derzeitigen Arbeitgeber zu sein. Räikkönen und Hamilton meldeten sich damit pünktlich zur Sommerpause zurück im Kampf um die Weltmeisterschaft.

Sie profitierten dabei von einer seltenen Schwäche des Führenden Fernando Alonso. Der Spanier hatte sich im Qualifying verzockt und startete lediglich von Position sechs ins Rennen. Am Ende rollte er an seinem 31. Geburtstag als Fünfter ins Ziel und strich damit so wenig Zähler ein wie seit anderthalb Monaten nicht mehr.

"Man kann ja auch nicht drüber fliegen"

Trotzdem beträgt sein Vorsprung auf den ersten Verfolger 40 Punkte. Dass liegt nicht zuletzt daran, dass der Australier Mark Webber nur Achter wurde und sein Red-Bull-Teamkollege Sebastian Vettel als Vierter nur zwei Punkte gutmachen konnte.

Das letzte Rennen vor der Sommerpause sollte eigentlich Startschuss zur großen Aufholjagd des Heppenheimers sein – doch schon nach drei Kurven erhielten diese Ambitionen ihren ersten Dämpfer. Vettel, von Platz drei gestartet, musste er wie schon vergangene Woche beim Heim-Grand-Prix McLaren-Fahrer Jenson Button passieren lassen.

Zwar holte sich der 25-Jährige seine Position 19 Runden später wieder zurück (diesmal ohne Regelverstoß), doch das Lotus-Duo sowie Buttons Team-Kollege Hamilton waren schlicht zu schnell für seinen Red Bull.

"Wirklich enttäuscht bin ich nicht, aber man kann auch nicht erwarten, dass ich hellauf begeistert bin", sagte er: "Es ist einfach blöd, wenn man sich anderthalb Stunden bei dieser Hitze abkämpft und dann die ganze Zeit im Verkehr feststeckt. Man kann ja auch nicht drüber fliegen."

Mercedes muss Sommerpause nutzen

Jetzt folgen vier Wochen Sommerpause. Gut für Mercedes. Nachdem Michael Schumacher im Qualifying nur Startplatz 17 erreicht hatte, blieb sein Dienstwagen nach der Einführungsrunde stehen. Der Kerpener musste das Rennen von der Boxengasse aus beginnen, handelte sich dort wenig später wegen einer Tempo-Überschreitung eine Zeitstrafe ein und gab kurz vor Schluss auf.

Da hatte er bereits mehrere Runden Rückstand auf die Spitzenreiter. "Gewisse Rennen muss man einfach so hinnehmen, aber man hat an diesem Wochenende leider klar sehen können, dass wir im Moment nicht konkurrenzfähig sind", meinte der Rekordweltmeister konsterniert. Nico Rosberg bekam als Zehnter den letzten WM-Punkt.

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