Mercedes-Team
Schumacher lässt sich kein Ultimatum stellen
Michael Schumacher will gegen den Wunsch seines Arbeitsgebers frühestens im Oktober über seine Zukunft in der Formel 1 entscheiden. Doch Teamchef Ross Brawn will schon für die nächste Saison planen.
Den ersten Podiumsplatz für Mercedes hat Michael Schumacher seit knapp zwei Wochen in der Tasche, bis zu seiner Entscheidung über ein weiteres Jahr in der Formel 1 lässt er dagegen sein Team und seine Fans noch weiter zappeln. "Ich habe immer gesagt, dass irgendwann die Zeit kommen wird, in der wir uns zusammensetzen. Es ist aber so, dass vor Oktober sicher keine Entscheidung getroffen werden kann und wird", sagte Schumacher am Donnerstag im Vorfeld des britischen Grand Prix in Silverstone (Sonntag, 14.00 Uhr MESZ/RTL und Sky).
Silberpfeil-Teamchef Ross Brawn, unter dessen Regie Schumacher bei Benetton und Ferrari all seine sieben WM-Titel geholt hatte, wünschte sich zu Beginn der Woche noch einen früheren Zeitpunkt. "In den nächsten sechs Wochen müssen wir uns überlegen, was wir nächstes Jahr tun wollen - das ist die wichtigste Entscheidung", hatte Brawn gesagt: "Danach wissen wir, ob wir uns umsehen müssen oder mit den Fahrern weitermachen, die wir haben."
Schumacher will aber ohne Emotionen und wohl überlegt abwägen, ob er auch im kommenden Jahr noch im Mercedes-Silberpfeil sitzen wird - und sich dabei nicht drängen lassen. Daran ändert auch der dritte Platz zuletzt in Valencia nichts. Es war der erste Podiumsplatz in der "zweiten Karriere" des 43 Jahre alten Rekordweltmeisters, die er Anfang 2010 nach dreijähriger Pause gestartet hatte.
Vieles spricht für Verlängerung des Vertrages
Dabei spricht momentan eigentlich vieles für eine Verlängerung der Ehe Mercedes-Schumacher. Im dritten Jahr seit seinem Comeback hat Schumacher nicht nur in Valencia bewiesen, dass er seiner früheren Extraklasse wieder ganz nahe gekommen ist. Auch die Fahrt zur Qualifying-Bestzeit in Monaco war ein deutlicher Fingerzeig, bei der Zeitenjagd ist er auf Augenhöhe mit Teamkollege Nico Rosberg. Dass Schumacher in der WM-Wertung deutlich hinter Rosberg und der Spitze liegt, ist nicht seine Schuld, schließlich ließ ihn sein Auto in dieser Saison schon viermal im Stich.
Es ist aber auch endlich schnell genug, um zumindest phasenweise ganz vorne mitzumischen. Daran hat Schumacher zwei lange Jahre mitgearbeitet. Deshalb wäre es nur logisch, wenn er jetzt auch die Früchte seiner Arbeit ernten möchte. Dafür müsste er wohl nur Ja sagen, denn sein alter Weggefährte Brawn hält ihm das Cockpit wohl frei. Schumacher selbst wies allerdings zurück, dass die Entscheidung allein bei ihm liege. "Das ist eine Sache zwischen dem Team und mir", sagte er. Zuletzt hatte er schon erklärt: "Was meine Zukunft in der Formel 1 betrifft, werde ich mich ganz bestimmt nicht von emotionalen Gedanken treiben lassen. Für Entscheidungen von solcher Tragweite musst du noch ganz andere Dinge miteinbeziehen."
Schumacher fühlt sich pudelwohl
Allerdings fühlt sich Schumacher augenscheinlich momentan in der Königsklasse pudelwohl. Er wirkt gelöst und entspannt wie nie zuvor in seiner Karriere, die er Ende 2006 zum ersten Mal beendet hatte, weil ihm die Leidenschaft und das Feuer abhanden gekommen waren.
Der Aufbau eines neuen Siegerteams - wie einst bei Ferrari - hatte Schumacher nach drei Jahren Erholung aber zur Rückkehr gereizt. Nur zu gerne würde er mit Brawn und Mercedes, die ihm einst den Einstieg in die Formel 1 ermöglicht hatten, seine Karriere abrunden. Zumindest mit einem weiteren GP-Sieg, dem dann 92. für ihn, und möglichst mit dem WM-Titel für Mercedes.
Schumacher sieht das Team gegenüber dem vorigen Jahr deutlich im Aufwärtstrend. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir ein Auto haben, mit dem wir um die Meisterschaft kämpfen können. Durch die Neuorientierung und Umstrukturierungen bin ich absolut positiv gestimmt, was die Zukunft des Teams angeht", meinte der Kerpener, der sich selbst als jemanden beschreibt, der nicht gerne "etwas geschenkt kriegt". Er liebe es, "dass ich meinen Erfolg erarbeiten muss."
















