25.06.12

Formel 1

Der Druck auf Vettel ist so groß wie nie zuvor

Sebastian Vettels Anschuldigungen nach dem Aus in Valencia sind ein Beleg für den starken Druck. Der zumeist wie ein lockerer Lausbub auftretende Weltmeister wirkt in dieser Saison angespannt.

Foto: DPA

Fernando Alonso feiert den Sieg beim Großen Preis von Europa in Valencia und die Gesamtführung in der Fahrerwertung.

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Wütend schmiss Sebastian Vettel seinen Handschuh gegen eine Begrenzungsmauer, Adrian Newey vergrub am Red-Bull-Kommandostand sein Gesicht in den Handflächen. Der Fahrer und sein Technik-Chef konnten es nicht fassen, dass ihr Wagen in der 34. Runde einfach stehen geblieben war.

Doch während Newey sich nur still zu schämen schien, kam Vettel nach dem Ausfall so richtig auf Touren. Der Weltmeister von 2010 und 2011 ließ seinem Frust freien Lauf: 28 Runden hatte er nach seinem sauberen Start geführt, 20 Sekunden Vorsprung herausgefahren. "Dann kam das Safety Car, was man sich hätte sparen können", brummte der 24-Jährige während die anderen Fahrer am Hafen von Valencia noch ihre Runden drehten. Das habe ihm das Genick gebrochen. "Ich denke, der Grund ist klar, warum das Safety Car kam", schob der Weltmeister nebulös hinterher.

"Man wollte das Feld wieder näher zusammenbringen"

Deutlicher wurde Helmut Marko, der ehemalige Rennfahrer und Berater von Red Bull: "Vettel war zu weit vorne und man wollte das Feld wieder näher zusammenbringen." Auch der Defekt an der Lichtmaschine, der Vettels "Abbey" anschließend nur noch schleichen ließ, soll seine Ursache in der langsamen Fahrt hinter dem Safety Car haben, auch wenn Marko eine nähere Erklärung dafür schuldig blieb.

Kurz bevor das Safety Car auf die Strecke geschickt wurde, war Toro-Rosso-Pilot Jean-Eric Vergne in den Wagen des Finnen Heikki Kovalainen gerast. Reste der Boliden lagen auf der Fahrbahn. "Das waren nur Gummiteile", moserte Marko. Also alles nur Schikane gegen den österreichischen Rennstall? Eine Verschwörung der Rennleitung gegen Red Bull?

Red Bull will unbedingt dritten Titel in Folge

Unwahrscheinlich. Die Formel 1 hatte zuvor in sieben Rennen sieben verschiedene Gewinner, auch ein erster Platz Vettels hätte keinerlei Spannung aus der Serie genommen. Vor diesem Hintergrund offenbaren die Anschuldigungen Red Bulls viel mehr über die Seelenlage des Anklägers: Der Druck auf Vettel und seinen Rennstall ist so groß wie nie zuvor – und er kommt von allen Seiten.

Das Team will unbedingt den dritten Titel in Folge gewinnen will und traut diese Aufgabe eher Vettel als dessen Teamkollegen Mark Webber zu, denn "wir haben sein Bestes noch nicht gesehen", wie Teamchef Christian Horner vor der Saison über den Heppenheimer sagte: "Ich glaube, es werden noch einige starke Jahre von ihm folgen."

Der Lausbub ist angespannt

Und diese starken Jahre sollen – geht es nach Vettel – jetzt kommen. Er macht sich selbst den größten Druck. Der zumeist wie ein lockerer Lausbub auftretende Vettel wirkt in dieser Saison angespannt. Als ihm im zweiten Rennen in Malaysia der Inder Narain Karthikeya den Reifen aufschlitzte, schickte ihm Vettel seinen Stinkefinger als Gruß hinterher und echauffierte sich anschließend über die "Gurke" und den "Idioten".

Dazu kommt der Druck durch den bisherigen Saisonverlauf: Fernando Alonso war am Sonntag der erste Fahrer, der 2012 ein zweites Rennen gewinnen konnte. Der Ferrari-Pilot führt mittlerweile mit 111 Punkten, 20 Zähler vor Vettels Teamkollege Webber. Der Deutsche ist mit 85 Punkten Vierter.

Mittels Konstanz zum WM-Titel

Der Schlüssel zum Titel ist in dieser Saison das Vermeiden von Ausfällen, das konstante Punktesammeln. Das beweist Alonso, der bei allen acht bisher gefahrenen Rennen in die Punkteränge vordrang. Überhaupt kamen von den führenden sechs Fahrern alle bis auf einer immer ins Ziel. Der eine ist Vettel.

Schuld an dieser Konstanz sind die Regelungen zur Kostenreduzierung in der Formel 1: Jeder Fahrer hat nur noch acht Motoren pro Saison zur Verfügung. Bei 20 zu fahrenden Rennen, muss also jedes Triebwerk zwei bis drei Distanzen über gut 300 Kilometer durchstehen. Ausfälle wiegen umso schwerer.

Analyse konstruktiver als Vorwürfe

Vettel und Red Bull bleibt also nichts anderes übrig als ihre Kraft in die Fehleranalyse und die Reparatur des Wagens zu stecken, anstatt Verschwörungstheorien zu spinnen. Schließlich geht am 8. Juli im britischen Silverstone das Punktesammeln weiter.

Pressestimmen zum Rennen in Valencia

 GROSSBRITANNIEN

Independent: "Weil Lewis Hamilton aus dem Grand Prix von Europa flog, sind zumindest zwölf Weltmeisterschaftspunkte auf einen Schlag verschwunden."

 

Daily Telegraph: "Hamiltons Wut, nachdem er in Spanien von der Straße geflogen ist."

 

The Times: "Schumacher beendet die Dürre – Michael Schumacher stand 154 Mal zuvor schon auf dem Podium, aber dieses Mal kam es so unerwartet, dass er einfach vergaß, was er zu tun hatte."

 

Daily Mirror: "Lewis bekommt einen Tritt vom Pastor."

The Sun: "Lewis qualmt vor Wut wegen Maldonados Rempler, Alonso reißt die Herrschaft in Spanien an sich. Fernando Alonso hat seinen Ruf als vielleicht bester Fahrer in der Formel 1 unterstrichen."

 

The Daily Mail: "Rasende Fahrt! Alonso gewinnt, nachdem ein wütender Hamilton von Maldonado abgeschossen wurde."

 

The Guardian: "Fernando Alonso gewinnt den Krimi von Valencia während Hamilton ausscheidet – das Rennen war geradezu sinnbildlich für Hamiltons frustrierende Saison."

ITALIEN

La Stampa: "Alonsos Meisterwerk – vom elften Platz auf den ersten. Der Ferrarista kehrt an die Spitze der Weltmeisterschaft zurück und sagt ergriffen, er widme diesen Sieg seinem in Schwierigkeiten steckenden Spanien."

 

Corriere della Sera: "Die Heldentat. Ein glänzender Alonso überholt, triumphiert und lässt im Klassement Hamilton und Vettel hinter sich. Und das im Inferno von Valencia mit tatsächlich 47 Grad auf dem Asphalt."

 

La Repubblica: "Der Beste. Ungeheurer Alonso, Meister des Überholens. Ein Aufholen, das weltmeisterlich schmeckt."

Tuttosport: "Gewinner und Verlierer, Ferrari gegen den Rest der Welt. Schumacher feiert endlich. In seinem zweiten Formel-1-Leben ist er viel entspannter und viel offener als in der Vergangenheit. Vettel muss eine große Enttäuschung hinnehmen. Mit einem guten Auto und in Rennen, das er bestens begonnen hatte, hatte er schon den Sieg vor Augen. Doch der Motor hat ihn verraten."

 

Gazzetta dello Sport: "Alonso feiert einen Sieg, der als ein Meisterwerk in Erinnerung bleiben wird. Schumacher kann endlich das erste Podium seines neuen Formel-1-Lebens feiern. Fernando ist unbremsbar, er schafft das perfekte Rennen. Für diese Leistung gibt es keine Worte, die Bilder sprechen für sich. Schumacher ist ein Meister, der nie aufgibt."

 

Corriere dello Sport: "Legendärer Alonso, ein Triumph in Valencia. Schumacher erobert das erste Podium seiner zweiten Karriere. Mit den Erfolgen von Alonso, Räikkönen und Schumacher ist es, als hätte Ferrari mit drei erfolgreichen Autos in Valencia gewonnen."

 

Il Messaggero: "Ein königliches Podium in Valencia! Drei Weltmeister zusammen, zehn WM-Titel. Alonso fährt wie ein Marsmensch und verzückt seine spanischen Fans und erobert die Spitze der WM-Wertung."

SPANIEN

Marca: "Mit einem kaiserlichen Aufholjagd vom Startplatz elf hat Fernando Alonso das Formel-1-Rennen in Valencia gewonnen. Für Alonso war es ein perfektes Rennen. Ein ausgefeilter, unerwarteter und fabelhafter Sieg. Einzigartig."

As: "Alonso hat das Wunder vollbracht. Ein wertvoller, packender und emotionaler Sieg, der seine Ansprüche auf den Welttitel untermauert."

Sport: "Ein außergewöhnlicher Alonso gewinnt das verrückteste Rennen des Jahres. Ein Prestigesieg nach einem untadeligen, herrlichen Rennen eines wahren Genies."

El Mundo: "Fernando Alonso hat in Valencia das spektakulärste Rennen seines Lebens gefahren. Beharrlich wie immer, aber ehrgeiziger. Alonso ist ein Donner, eine Bestie."

FRANKREICH:

Direct Matin: "Alonsos Doppel-Coup"

 

Le Parisen: "Schumacher findet wieder aufs Podium."

 

L'Equipe: "Alonso mit Bravour"

 

Le Figaro: "Europas Grand-Prix: Alonso als König des Chaos."

 

Libération: "Fernando Alonso, ein Großer Europas in Spanien. Spaniens Grand Prix hat drei Weltmeister geehrt: Alonso hat vor seinen Anhängern Wunderbares geleistet, um seinen Ferrari vor dem Lotus-Renault von Raikkönen und Schumachers Mercedes zu platzieren."

ÖSTERREICH:

Der Standard: "Alonso triumphiert, Vettel nach Defekt out. Am Tag nachdem Xabi Alonso Spanien ins Halbfinale der Fußball-EM geschossen hatte, sorgte der "andere" Alonso in Valencia für spanischen Jubel."

 

Die Presse: "Erstmals gibt es einen WM-Favoriten. Fernando Alonso avancierte in Spanien nicht nur zum ersten Zweifach-Saisonsieger, erstmals liegt auch ein Pilot 20 Punkte und damit fast einen GP-Sieg voraus. Während sich alle mit Alonso freuten, hatte Schumachers 155. aber auch erster Podestplatz seit Oktober 2006 einen Schönheitsfehler."

Krone: "Am Tag nachdem Xabi Alonso Spanien ins Halbfinale der Fußball-EM geschossen hatte, sorgte der andere Alonso in Valencia neuerlich für spanischen Jubel."

 

Kurier: "Die Formel-1-WM 2012 hat nach dem packenden Europa-Grand-Prix in Valencia erstmals so etwas wie einen Saisonfavoriten. Fernando Alonso avancierte in Spanien nicht nur zum ersten Zweifach-Saisonsieger, erstmals liegt auch ein Pilot 20 Punkte und damit fast einen GP-Sieg voraus."

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