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28.05.12Formel-1-Weltmeister
Vettel bangt um seinen Status als Nummer eins
Die Teamhierarchie bei Red Bull ist gefährdet: Erstmals seit November 2010 liegt Mark Webber nach seinem Sieg in Monaco in der Fahrerwertung vor seinem deutschen Teamkollegen Sebastian Vettel.
Von Simon Pausch und Burkhard Nuppeney
Foto: REUTERS
Mark Webber hat den Großen Preis von Monaco in Monte Carlo gewonnen.
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Den ganzen Tag schon hatten die Edelfans am Swimmingpool gelegen, der den Mittelpunkt von Red Bulls gewaltigem Zwitter aus Partyschiff und Motorhome im Hafen von Monte Carlo bildete. Gegen Viertel nach vier erhielten sie dann Gesellschaft von einem bestens gelaunten Formel-1-Fahrer. Mit Anlauf sprang Mark Webber bei schwülen Temperaturen in das Becken. Dass er dabei noch seinen Rennanzug inklusive Schuhen und feuerfester Unterwäsche trug, störte ihn überhaupt nicht. Er war ohnehin schon völlig durchnässt von der Champagnerdusche nach seinem ersten Saisonsieg.
"Ich fühle mich unglaublich gut", sagte der 35-Jährige anschließend: "An dieses Wochenende werden wir noch lange zurückdenken." Damit meinte er das hervorragende Teamergebnis von Red Bull, dessen Vorsprung in der Konstrukteurswertung durch Sebastian Vettels vierten Platz weiter anschwoll. Doch auch die Formel-1-Historiker werden die 70. Auflage des Großen Preises von Monaco mit einer besonderen Note versehen: Sechs verschiedene Sieger in den ersten sechs WM-Läufen hat es in der Geschichte der Rennserie noch nie gegeben.
Unspektakulärstes Rennen der Saison
Und noch etwas wird hängenbleiben vom bisher unspektakulärsten Grand Prix, der ironischerweise vor der spektakulärsten Kulisse der gesamten Saison stattfand: Webber liegt erstmals seit dem 7. November 2010 im Fahrerklassement nicht mehr hinter seinem deutschen Teamkollegen und bringt damit die Red-Bull-Hierarchie, die seither zementiert schien, ins Wanken.
Woche für Woche hatte er seit besagtem November-Tag Vettels Rücklichter gesehen und musste stets artig applaudieren, wenn der junge Deutsche mit Lob überhäuft wurde. Den sensiblen Australier hat das in eine schwere Sinnkrise getrieben. Die führte sogar so weit, dass er im vergangenen Jahr einen Rückzug aus der Königsklasse des Motorsports erwog. "Ich war ziemlich ausgelaugt, musste eine Pause einlegen und regenerieren", gestand er in einem Interview.
"Das war eine harte Zeit"
Im etwas in die Jahre gekommenen Presseraum in Monte Carlo saß am Sonntag ein vor Zufriedenheit beinahe überquellender Mann, der mit fester Stimme sagte: "Das war eine harte Zeit. Aber nun fühlt es sich wieder so an wie 2009 und 2010." Da begegneten sich beide Stallgefährten auf Augenhöhe. Und noch etwas sagte Webber über seinen Teamkollegen, der dank kluger Reifenstrategie von Rang neun auf Platz vier vorgeprescht war. "Ich wollte nicht zulassen, das 'Seb' ausreichend Zeit für einen siegbringenden Boxenstopp bekommt. Das war nicht der Plan."
So redet niemand, der vorhat, klein beizugeben im Vergleich mit der Galionsfigur des Brauseherstellers. Für Webber geht es darum, seinen Arbeitgeber davon zu überzeugen, den am Saisonende auslaufenden Vertrag zu verlängern. Erfolge sind da natürlich hilfreich, Webber gewann sowohl im Rennen als auch im Qualifying die Mehrheit der Duelle mit Vettel. Und dabei hilft bei Red Bull mehr als bei anderen Teams die Werbetauglichkeit.
Vettel pflegt sein Lausbubenimage
Diese Vorgabe erfüllt der smarte Australier, dessen Heimat ein wichtiger Wachstumsmarkt für Red Bull ist, mindestens so gut Teamkollege Vettel, der sein Lausbubenimage am Sonntag mit den Worten pflegte: "In Monaco dreht sich ja viel um das eine oder andere Loch." Er war nach den vermeintlich verbotenen Luftschlitzen am Unterboden seines Dienstwagens gefragt worden und nach dem Protest, den angeblich einige Konkurrenten einlegen wollten.
So weit kam es freilich nicht; niemand störte am Sonntag Mark Webbers neue Harmonie mit dem Leben. Während der Mann aus New South Wales strahlend Interview um Interview gab und dabei stets betonte, wie gut ihm der Rennwagen in dieser Saison liege, knurrte Vettel einige Meter weiter in die Mikrofone: "Das war kein gemütlicher Sonntagsausflug, das war am Limit. Dieses Jahr wird sehr lang werden für uns." Dann verschwand er hinter einer der vielen verspiegelten Türen, und Webber stand wieder allein im Mittelpunkt.
GROSSBRITANNIEN:
The Sun:
"Webber macht den Siegessprung, Lewis und Button werden versenkt. Mark nimmt die Bullen bei den Hörnern. Für McLaren war es ein weiteres Rennen zum Vergessen."
Daily Mail:
"Alonso war stark, aber Vettel war noch besser. Der Regen kam erst ganz am Ende – zu spät für alle außer Webber. Gebt Lew eine Chance – McLaren lässt Hamilton bei seinem Kampf um den Welttitel im Stich."
Daily Mirror:
"Webber flippt vor Freude aus, Hamilton vor Wut. Lewis Hamilton holte so richtig aus, nachdem er das größte Rennen des Jahres verloren hatte. Er griff sein treues McLaren-Team an, die Rivalen Ferrari und Red Bull, die Software seines Autos, seine Boxenstopps – und sogar ein paar Schilder."
Guardian:
"Webber schreibt in Monaco Formel-1-Geschichte. Manche mögen diese Saison als die aufregendste und am schwersten voraussagbare aller Zeiten beschreiben, aber das Rennen war eher armselig."
Times:
"Webber führt von Anfang an, Hamilton steckt unter einer Wolke fest."
Independent:
"Hätte Vettel es geschafft, bis zum Regen draußen zu bleiben, hätte er den Sieg auf dem Silbertablett gehabt."
ITALIEN
Corriere dello Sport:
"Ferrari blüht auf, Webber feiert einen historischen Sieg. In sechs Rennen haben sechs verschiedene Piloten gewonnen, doch Alonso bleibt fest an der Spitze der F1. Vettel hat eine phantasiereiche Strategie versucht, doch er muss sich mit dem vierten Platz begnügen. Schumi muss sich mit der vierten Panne der Saison auseinandersetzen. Für ihn dreht sich das Rad nicht in die richtige Richtung. Nach der Enttäuschung wegen der Pole Position muss sich Kaiser Schumi wieder mit einem Rückschlag begnügen. Das Team verspricht, dass so eine Panne nie wieder geschehen wird."
Gazzetta dello Sport:
"Mark II von Monte Carlo. Webber ist einfach perfekt, doch Alonso steht allein an der Spitze der WM. Ferrari verlässt das Fürstentum mit einem phantastischen Resultat und der Gewissheit, dass sich die Dinge von jetzt an immer besser entwickeln werden. Ferrari hat Alonso ein Auto zur Verfügung gestellt, das die Erwartungen übertrifft. Der Spanier hat seinen Boliden am besten genutzt, um wieder an die Spitze der WM zu gelangen. Vettel glänzt, muss sich aber mit dem vierten Platz genügen. Armer Schumi, muss man sagen! Seine Saison ist verwunschen, das Glück zeigt ihm die kalte Schulter. Doch der siebenmalige WM-Sieger lässt sich nicht hängen und schaut schon in Richtung Kanada. Seine phantastische Pole Position wird uns noch lange in Erinnerung bleiben, trotz der Herabstufung."
Repubblica:
"Alonso ist eine weise Ameise, die hier und dort Punkte einsammelt und jetzt an der Spitze der WM ist. Vettel bleibt 46 Runden lang mit den selben Reifen unterwegs. Seine Wendigkeit erlaubt ihm, Hamilton und Massa unter Druck zu setzen. Schumacher zerstört seinen Erfolg mit der Pole Position vom Samstag."
Tuttosport:
"Alonsos Ehe mit Ferrari ist eine perfekte Symbiose. Der Spanier ist phantastisch beim Angriff auf die Rivalen und sehr wendig wenn es darum geht, den Vorsprung zu meistern. Schumacher ist wieder einmal vom Schicksal bestraft worden, das er mit seiner Rückkehr in die F1 herausgefordert hat. Doch seine Pole bleibt ein Meisterwerk."
Corriere della Sera:
"In Monte Carlo siegt Webber, doch Alonso strahlt auf dem dritten Platz, denn er führt die WM an. Ferrari ist an der Spitze der WM, obwohl das Auto nicht das konkurrenzfähigste ist, es hat allerdings den Vorteil, zuverlässig und konstant zu sein. Jetzt ist es klar. Jeder Pilot hat das Recht auf einen Sieg. Der einzige, der mit keinem Erfolg rechnet, ist Schumi. Er ist der deprimierteste unter den F1-Piloten in Monte Carlo."
SPANIEN
El País:
"Sechs Rennen und sechs verschiedene Sieger – So etwas hat es in der Geschichte der Formel-1-WM noch nicht gegeben."
El Mundo:
"Fernando Alonso ist der erfolghungrigste Fahrer der Welt. Der Spanier überwand mit Ferrari die Schwächen, die der Rennwagen zu Beginn der WM aufgewiesen hatte, und eroberte den Spitzenplatz in der Gesamtwertung."
El Periódico:
"Alonso übernimmt das Kommando. Mit einem intelligenten Rennen erobert er sich in Monte Carlo einen Platz auf dem Podium."
As:
"Fernando gibt alles: Alonso wird Erster in der Gesamtwertung mit einem Rennwagen, der in der Wertung der Konstrukteure nur auf dem dritten Platz liegt."
Marca:
"Alonso rennt vor den Stieren. Nach seinem dritten Platz in Monaco ist er WM-Führender vor den beiden Red Bulls, deren Atem er im Nacken spürt."
FRANKREICH:
Libération:
"Monaco: Mark Webber zwängt sich durch die Zweifel - Der Red Bull-Pilot siegt bei einem beherrschten und spannungslosen Grand Prix."
Le Figaro:
"Mark Webber, der sechste Mann – Der in Monaco als Sieger vor Rosberg und Alonso hervorgegangene Australier ist der sechste Pilot, der sich seit Beginn der Saison bei ebenso vielen Rennen durchsetzen konnte. So was hat es noch nie gegeben!"
L'Equipe:
"Mark Webber gewinnt ein Rennen ohne große Aufregung. Auch wenn die ersten sechs nur eine Taschentuchbreite auseinanderlagen, wird dieses Rennen nicht in Erinnerung bleiben - außer beim Australier."
SCHWEIZ
Blick:
"Webber siegt - ein böser Schlag für Vettel. Sechstes Saisonrennen, sechster Saisonsieger, das gab es in der Formel 1 noch nie. Diese WM wird über Konstanz entschieden."
ÖSTERREICH
Kurier:
"Red Bull hat zum dritten Mal in Folge den Prestige-Grand-Prix in Monaco gewonnen. Webber hingegen legte ein praktisch fehlerloses Rennen hin und verteidigte auf der Strecke seine Führung vom ersten bis zum letzten Meter. Vettel verlor seine WM-Führung an Alonso, obwohl er gegenüber dem verpatzten Qualifying gleich fünf Plätze gut machte und unmittelbar hinter dem Spanier Vierter wurde."
PORTUGAL:
O Jogo:
"Nur die Unaufmerksamkeit von Romain Grosjean beim Start und die Drohung von Regen, die sich dann nicht erfüllte, hat den Autozug etwas gestört, in den sich das Feld beim GP von Monaco verwandelte. Und auf den Straßen des Fürstentums agierte Mark Webber als Lokführer, der das Rennen praktisch von Anfang bis Ende anführte."
Público:
"Das hat es in 62 Jahren Formel 1 noch nie gegeben: Sechs verschiedene Fahrer haben die ersten sechs Rennen der Saison gewonnen. In Monaco hat sich Mark Webber in die Siegerliste eingetragen, nachdem er das Rennen von Anfang bis Ende beherrscht hat. Aber auch Fernando Alonso ging als Sieger hervor, da sein 3. Platz ihm die alleinige Führung in der Fahrerwertung einbrachte."
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