Einwurf
Warum Deutschland ein guter Zweiter ist
Schade. Aber nicht dramatisch. Diese spanische Mannschaft war nicht zu bezwingen. Einsatz und Kampfesmut der deutschen Elf stimmten, aber die Fehlerquote lag zu hoch. Der Beste war Torwart Lehmann, der Schlimmeres verhinderte, urteilt Morgenpost-Online-Autor Hajo Schumacher.
Von Hajo Schumacher
Das explosivere und ballsicherere Team hat gewonnen - verdient. Dennoch bedeutet diese EM für die deutsche Mannschaft keine Niederlage, sondern einen großen Erfolg. Sie sind guter Zweiter, dürfen stolz sein auf drei Wochen, in denen sie mehr erreicht haben als Holländer, Portugiesen, Russen, Franzosen, Italiener.
Das gute Abschneiden war nicht der Verdienst von Solisten, sondern gemeinsame Leistung einer kompakten, entschlossenen und im besten Sinne uneitlen Einheit, eindrucksvoller Beweis der These, dass eine starke Mannschaft mehr ist als die Addition von elf Einzelkämpfern. Trainer Jogi Löw ist Architekt dieses Ensembles; er hat das Maximum herausgeholt.
"Vorbild" wolle er sein für seine Spieler, hat Löw gesagt. Vorbild bedeutet aber nicht nur die Pflicht zum Vorbildsein, sondern auch den Auftrag, Vorbildern nachzueifern.
Diese deutsche Mannschaft hat nichts bewirkt, wenn Deutschland diese EM nur als einen von vielen Events konsumiert hat.
Bei aller Partylaune muss klar sein: Dieser zweite Platz kann auch ein neues Selbstverständnis vorgeben. Der Jubel der Fans wies auf Identifikation hin mit Spielern, die deutsche Tugenden mit Sinn und Verstand modern interpretiert haben.
Die Leistung der Fußballer kann man durchaus als Auftrag begreifen. Wer das Erringen des EM-Titels ausruft, kann auch andere Ziele formulieren: das deutsche Bildungssystem zum besten in Europa zu machen, den Wirtschafts- und Innovationsstandort Deutschland an der europäischen Spitze zu halten und auszubauen. Löw und seine Männer haben vorgemacht, was mit Akribie und Zusammenhalt möglich ist.
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