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27.06.08

EM-Zwischenbilanz

Welche Fußball-Weisheiten sich bestätigt haben

Deutschland ist eine Turniermannschaft, die Schweden sind keine Holländer und es ist immer ein Überraschungs-Team im Finale. Welche dieser Fußball-Weisheiten stimmen wirklich? Vor dem Endspiel am Sonntag zieht unser Kolumnist Hajo Schumacher schon einmal eine erste EM-Bilanz.

© REUTERS
EURO 2008 HIGHLIGHTS

Das Finale steht, 30 von 31 Spielen sind erledigt. Zeit für eine Bilanz. Welche Fußball-Weisheiten haben sich bestätigt?

Deutschland ist eine Turniermannschaft: Kann man wohl sagen. Wenig Chancen, aber fast jede ein Tor, gute Nerven, starker Wille, unbändiger Zusammenhalt. Triumph der Effizienz.

Spanien ist keine Turnier-Mannschaft: Falsch. Brillant mit 3:0 ins Finale gestürmt.

Die Schweden sind keine Holländer: Sagte Franz Beckenbauer einst. Stimmt nicht. Beide Teams waren eher zu Hause als ihre Postkarten.

Kollektiv siegt über Künstler: Stimmt. Robben oder Cristiano Ronaldo, Ribéry oder Toni – der Einzelkämpfer zählt wenig, wenn das Team nicht funktioniert. Die letzten vier überzeugten weit mehr durch Geschlossenheit als durch Kabinettstückchen.

Es ist klug, die erste Wahl zu schonen: falsch. Sowohl Holländer als auch Portugiesen ließen die Besten im letzten Vorrundenspiel auf der Bank. Die erste Elf kam im folgenden Viertelfinale jedoch in beiden Fällen nur schwer in Tritt und verlor.

Es ist immer ein Überraschungs-Team im Finale: falsch. 1992 waren es die Dänen, die überraschten, 2004 die Griechen. Diesmal waren Russen und Türken kurz davor. Finale lautet allerdings Deutschland gegen Spanien. Nicht überraschend. Aber spannend.

Jedes Team hat seinen Reifegrad: wohl wahr. Mit Fußballmannschaften ist es wie mit Wein. Sind sie zu jung, fehlen Nachhall und Überzeugungskraft, so wie bei Holland. Sind sie zu alt, wird's schnell sauer wie bei Italienern und Franzosen. Das Team von Bundestrainer Jogi Löw hat offenbar das optimale Alter erreicht. Junge Spieler ohne viel internationale Erfahrung aus dem Verein ergänzen sich mit Schlachtrössern wie Lehmann, Ballack, Mertesacker zu einer homogenen Truppe. Die Spanier allerdings auch. Deswegen gilt die ewige Weisheit: Das Runde muss ins Eckige.

Quelle: Hajo Schumacher
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