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EM-Halbfinale

Ein denkwürdiges Spiel ohne Bilder und ohne Worte

Nach dem Wackelsieg der Nationalelf gegen die Türkei dürfen die Fans weiter vom EM-Titel träumen. Doch drei Blackouts beim ZDF lähmten die Zuschauer während der Fernsehübertragung und Reporter Bela Rethy musste den Radioreporter spielen. Einwurf über ein denkwürdiges Spiel.

Sendepause beim ZDF.
Foto: ZDF
Sendepause beim ZDF.

Puuh. Was für ein Spiel. Keine hohe Fußballkunst, aber ein Halbfinal-Krimi. Dieses 3:2 war ein glücklicher Sieg. Mit kroatischem Spiel und einer aufmerksamen Doppeldeckung hat es eine engagierte türkische Notelf den deutschen Favoriten unendlich schwer gemacht. Es war ein Match der verteilten Rollen. Bundestrainer Jogi Löw tobte von der Bank, wie man es eigentlich von seinem Kollegen Fatih Terim erwartet hätte. Die Türken spielten cool die besseren Chancen heraus. Die Mannschaft ist endgültig in der europäischen Spitze angekommen. Aber Last-Minute-Sieger waren die Deutschen.

Löws Mannschaft hat wieder einmal gezeigt, wie schwer ihr der Umgang mit der Führungsrolle fällt. Es schien, als wiederhole sich die Vorrunde: Die deutsche Elf agierte unsicher, es fehlte der letzte Schuss Entschlossenheit, der große Spiele entscheidet.

Das mit Abstand beste Spiel absolvierten die Deutschen, als sie in der Außenseiterrolle waren, ohne Trainer und jeder Spieler selbst Verantwortung übernehmen musste. Diesmal mussten Ballack und seine Männer erneut das Spiel machen. Sie mühten sich und haben in dieser Mühe nicht nachgelassen. Respekt. Aber klar zeigte dieses Spiel auch: Führen ist eine schwierige Angelegenheit, die zu Recht als Kunst bezeichnet und in Deutschland zu wenig gepflegt wird.

Wenn es einen Totalausfall gab, dann waren es Béla Réthy und das deutsche Fernsehen. Der ZDF-Kommentator wollte Jupp Derwall auf der Tribüne gesehen haben, den Ex-Bundestrainer, der vor genau einem Jahr verstorben ist. Réthy bezeichnete einen Tritt gegen Frings' Bein als Angriff auf die Rippe und hatte seinen stärksten Moment in der Sekunde, als der Ton futsch war. Der Sieg der Spieler war kein Meisterstück, aber von Professionalität und Ernsthaftigkeit bestimmt. Zumindest soviel Einsatz wünscht man sich beim deutschen Fernsehen auch.

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