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22.06.08

Einwurf

Jogi Löw soll Bundespräsident werden

Beim Kandidatenvergleich Schwan-Köhler kommt Hajo Schumacher zu dem Ergebnis, dass da etwas fehlt. Weshalb ein dritter Kandidat aufgestellt werden muss, findet Schumacher: der Bundestrainer. Denn der tut das, worüber andere nur reden.

Die Reden von Horst Köhler sind wie ein Überraschungsei: ein bißchen was Süßes, ein bisschen was zum Spielen und am nächsten Tag vergessen. Gesine Schwan dagegen will den Mutter-Beimer-Wettbewerb gewinnen. Der Bundespräsident und seine Herausforderin hocken offenbar ausdauernd über Meinungsumfragen gebeugt und überlegen, was man den Menschen noch an Versprechen und den Politikern an Forderungen hinwerfen könnte.

Verräterisch ist die Tatsache, dass Köhler- wie Schwan-Sätze gern mit den Worten "Wir müssen..." anfangen: Wir müssen Bildung, wir müssen Demokratie, wir müssen Steuern, wir müssen Verantwortung. Alle Wir-müssen-Sätze haben allerdings eines gemeinsam: Sie bleiben leere Appelle. Es geht beiden nur darum, den größtmöglichen Durchschnitt zu treffen. Damit bewegen sie sich in Konkurrenz zur Tagespolitik, aus der sie sich eigentlich heraushalten sollen. Weil Herr Köhler und Frau Schwan sich aber im Wahlkampf befinden, werden uns zahl- und folgenlose Grundsatzrede ein Jahr lang quälen.

Höchste Zeit, dass ein dritter Kandidat aufgestellt wird, der Kandidat aller redenmüden Bürger. Und da gibt es nur einen: Jogi Löw. Statt wohlfeiler Wir-müssen-Rethorik liefert er klare Wir-machen-Sätze. Statt zweier sicherheitsverliebter Beamter, die ihr Leben lang Vorsicht gelernt haben, fordert der Bundestrainer "Mut, Risiko und Freiheit". Seine Rolle sieht er als " motivierendes Vorbild, das Konzentration, leidenschaftlichen Optimismus, Ehrgeiz und Bescheidenheit vorlebt."

Damit könnte Löw gleich morgen anfangen, erst in den Schulen, dann in den Parlamenten, schließlich in den Redaktionen. Wer sich immer wieder im Wettbewerb mit den Besten der Welt messen muss, gewinnt Spaß an Leistung. Davon könnte dieses chronisch verzagte Land etwas mehr gebrauchen. Bundestrainer bleibt Staatsoberhaupt Löw natürlich trotzdem. Der Rasen vorm Schloß Bellevue ist schließlich groß genug, dass seine Jungs dort regelmäßig trainieren können.

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