Schweizerdeutsch
Friedrich hat mit Intelligenz gewonnen
In der Nacht zu Freitag habe ich noch einige SMS geschrieben. Ich habe Arne Friedrich gratuliert, meinem Kapitän von Hertha BSC. Arne hat, wie die ganze Mannschaft, gegen Portugal eine sehr gute Leistung gezeigt. Deutschland war der verdiente Sieger in diesem Viertelfinale.
Von Lucien Favre
Ein Schlüssel für den Einzug ins EM-Halbfinale war die perfekte Aufstellung von Joachim Löw. Mit Simon Rolfes und Thomas Hitzlsperger vor der Abwehr konnte Michael Ballack nach vorn rücken. Das ist seine Position, da kann er seine Qualitäten am besten einbringen. Schweinsteiger hat so mehr Freiheiten. Und Klose mit seiner Beweglichkeit und Kopfballstärke ist für dieses System der ideale Stürmer.
Die deutsche Mannschaft hat gewonnen, weil sie das Mittelfeld gewonnen hat. Die Organisation war gut, es waren immer sechs, sieben Deutsche hinter dem Ball. Rolfes und Hitzlsperger waren wichtig. Portugal ist nie in einen Spielfluss gekommen.
Und es waren nicht nur die deutschen Eigenschaften wie Kampf, Einsatz und Disziplin. Deutschland hat Fußball gespielt. Das Tor zum 1:0: Podolski mit doppeltem Doppelpass, Schweinsteiger läuft exzellent – das war ein Spielzug für das Lehrbuch.
Was das Trainer-Team gut gesehen hat, waren die Schwächen in der portugiesischen Abwehr. Carvalho, Ferreira, Bosingwa spielen zwar beim FC Chelsea, Pepe bei Real Madrid. Aber trotz der großen Namen war die Defensive die Problemzone. Portugal hat nicht genügend große Spieler. Ferreira mit 1,81 Metern gegen Ballack mit seinen 1,89 Metern zu stellen, das geht nicht. Das haben die Deutschen eiskalt genutzt.
Besonders gefreut habe ich mich für Arne Friedrich. Er hat gegen Cristiano Ronaldo intelligent verteidigt. Ronaldo ist fast verzweifelt, weil er in der deutschen Abwehr nirgends eine Lücke gefunden hat.
Er hatte eine gute Szene, als Arne sich nur mit einem Foul helfen konnte, für das es Gelb gab. Aber Arne hat auch unter diesem Druck die Ruhe bewahrt. Er ist ein intelligenter Spieler, hat seine Emotionen im Griff. Arne wusste, wenn er noch eine Karte kassiert und dann vom Platz muss, ist das ganze Gefüge der Mannschaft in Gefahr. Er war nie unruhig, so wie das ganze deutsche Team nicht hektisch geworden ist.
Dieses 3:2 ist ein Signal an die Konkurrenz: Wenn es drauf ankommt, können sich die Deutschen extrem gut konzentrieren. In dieser Form, mit diesem Selbstvertrauen, dieser Lockerheit wird es für jeden schwer, Deutschland zu schlagen.
Doch Bundestrainer Löw weiß auch: Der Mythos der Turniermannschaft allein wird nicht reichen. Von Runde zu Runde werden die Gegner bei diesem Turnier besser. Es fehlt noch ein Sieg, dann ist das Finale erreicht. Jetzt ist alles möglich.
Lucien Favre (50) ist ehemaliger Schweizer Fußball-Nationalspieler. Als Trainer gewann er in der Schweiz mit Servette Genf und dem FC Zürich je zweimal die Meisterschaft und den Pokal. Seit Juli 2007 ist Favre Cheftrainer bei Bundesligist Hertha BSC. Für Morgenpost Online kommentiert Favre die Europameisterschaft 2008 als Kolumnist.
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