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19.06.08

Einwurf

Warum unsere Fußballer mehr Geld bekommen müssen

Der DFB zahlt jedem seiner Kicker 50.000 Euro für das Erreichen des Viertelfinales. Das ist eine Menge Geld für 90 Minuten Ballspiel. Doch die für unsereinen phantastische Summe ist einem verantwortungsvollen Fußballer ziemlich egal. Und ein gutes Spiel ist ohnehin unbezahlbar.

50.000 Euro zahlt der DFB jedem seiner Kicker für das Erreichen des Viertelfinales. Eine Menge Geld für 90 Minuten Ballspiel, verglichen mit dem durchschnittlichen deutschen Jahresbruttoeinkommen von knapp 30.000 Euro. Andererseits: Zieht man 45 Prozent Steuern ab und den Soli dazu, dann bleibt nur knapp die Hälfte. Und seit die Spielerfrauen nicht mehr an der kurzen Leine im Mannschaftshotel liegen, werden sie die Schuhgeschäfte rund um Ascona systematisch leer gekauft haben. Noch ein Dutzend Sommerkleidchen von Gutschiputschi dazu, falls die Russinnen welche übrig gelassen haben, einen Satz neue Sonnenbrillen und ein paar neue Glitzersteinchen auf die langen Fingernägel geklebt - und schwupp, ist die Kohle auch schon weg.

Im Ernst: Für Löws Nationalspieler sind selbst die 250.000 Euro für den Titel ein besseres Trinkgeld. Ersatztorwart René Adler ist der Schlechtverdiener im Team mit 1,7 Millionen Euro Jahresgage. Michael Ballack kassiert 20 Millionen im Jahr, das enspricht 400 Viertelfinals. Viel wichtiger als das Zubrot vom DFB ist die Gelegenheit, sich auf der internationalen Bühne zu präsentieren. Die Einkäufer aller großen Klubs schauen zu. Da ist ein brillanter Auftritt in der Endrunde allemal mehr Geld wert als die Nationalprämie. Manch junger Spieler auf der Auswechselbank würde 50.000 Euro bezahlen für die Chance, vor großem Publikum seinen Marktwert zu steigern.

Seltsam aber wahr: Die für unsereinen phantastische Summe von 50.000 Euro ist einem verantwortungsvollen Kicker ziemlich egal. Im Hinblick auf den Fortgang der Karriere wäre es allemal weitsichtiger, sich ein paar Wochen im Sommer zu schonen als eine knüppelharte EM zu spielen. Großverdiener wie Frank Ribery, Torsten Frings oder Lukas Podolski hätten lieber gesunde Knochen als ein paar Euro mehr auf dem Konto.

Fußball eignet sich eben nicht zum Sozialneid. Der Titelgewinn kann ein Land und seine Volkswirtschaft immens nach vorne schieben, da sind ein paar Millionen für Kicker-Gagen gut angelegt. Und ein gutes Spiel ist ohnehin unbezahlbar.

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