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14.06.08

Einwurf

Mit kontrollierter Brillanz

Er schien ungläubig, dass er tatsächlich getroffen hatte. Die Hand ging zum Herz. Vorsichtig war die Freude des Lukas Podolski, verhalten der Blick, behutsam die Umarmung mit Miroslav Klose, der die Vorlage gegeben hatte.

Diese erwartungsbeladene Fußball-EM hat die ersten beiden Schlüsselszenen, fast identisch. Der in Oppeln geborene Klose legt den Ball auf für den in Gliwice zur Welt gekommenen Podolski, die im Team das 1:0 und 2:0 gegen ihr Geburtsland Polen machen. Es ist kein Makel, sondern Qualitätsmerkmal einer Gesellschaft, wenn Einwanderer die Chance zur Karriere bekommen und nutzen.

Dennoch übten sich beide in Dezenz. Keine Großmäuligkeit, kein dröhnendes Triumphieren. So treten Champions auf. Es ist das Privileg der Kleinen, Schmählieder und blutrünstige Bilder anzufertigen. Es ist die Pflicht des Favoriten, großmütig damit umzugehen und die Antwort auf dem Platz zu geben. Das ist der deutschen Mannschaft gelungen, klar, konzentriert und so wach, dass trotz polnischer Druckphase ein verdienter Sieg gelang.

Der Ton stimmt, die Haltung und die Form offenbar auch. Cool, aber nicht überheblich, sicher, aber nicht langweilig und mit kontrollierter Brillanz. Die umstrittenen Lehmann und Metzelder standen sicher, Gomez und Fritz machten Freude, Ballack blieb blass. Aber alle machten Lust auf mehr. Aus dem Projekt von Jürgen Klinsmann ist das Konzept von Joachim Löw gewachsen. Dieses Erwachsenwerden wünscht man sich für die deutsche Politik seit 10 Jahren.

Das erste Spiel hat die hohen Erwartungen gerechtfertigt. Dabei ist der Druck nicht geringer als 2006. Damals hat das Land von WM und Team nicht viel erwartet und fast alles bekommen. Diesmal ist es anders. Wo vor zwei Jahren Hoffnung war, steht jetzt der klare Auftrag, den Titel zu holen. Und zwar in Stadien, die bestenfalls Zweitliga-Charme versprühen, vor Gastgebern, die bereits in Depression verfallen sind, weil sie mit ihren Niederlagen bewiesen, dass sie sich auf Skiern weit besser bewegen als auf Rasen. Begeisterung ist der Treibstoff, mit dem die deutsche Elf diese EM in Schwung bringen kann. Der Anfang ist gemacht.

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