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14.06.08

Einwurf

Fan-Gesänge in Moll

Zwei Jahre der Demütigung sind endlich vorbei. Im Juli 2006 hatte der italienische Gastronom unseres Vertrauens ein provozierend großes Bild von seiner frech grinsenden Nationalmannschaft aufgehängt.

Der Weg zur Pizza führte seither unweigerlich am Zufallsweltmeister vorbei. Damit ist endlich Schluss. Das Bild taugt nur noch zur Karikatur und sollte rasch mit einem Foto der Holländer überklebt werden. Wir bestellen fortan lächelnd zwei Heineken und eine Gouda-Schrippe. Damit wäre das Sommermärchen 2008 erzählt.

Was derzeit bei unseren benachbarten Zwergstaaten geschieht, ist garantiert kein neues Sommermärchen. Deutschland 2006, das war die emotionale Einheit von Mannschaft, Deutschland, dem Rest der Welt plus der Faktor Überraschung. Keine dieser Bedingungen erfüllen die Gastgeber.

Der Schweizer hält jede Emotion für ein charakterliches Defizit, weshalb das Stadion in Basel auch eher einer Aussegnungshalle als einem Hexenkessel gleicht. Aus dem notorisch depressiven Österreicher wird in den kommenden zwei Wochen auch keine Stimmungskanone mehr.

Von Fritzl zu Freud zu mangelnder Fußballkultur ist es eben doch ein kurzer Weg. Klagenfurt trägt völlig zu Recht seinen Namen, Wien wird als fanfreiester Austragungsort in die EM-Geschichte eingehen. Béla Réthy zum Beispiel könnte Österreicher sein, mit seinem zweifelnden, nöligen, präsuizidalen Moll-Ton. Die bisherigen Spiele der gastgebenden Teams sorgen überdies dafür, die Stimmung der Einheimischen unten zu halten.

Überraschung? Keine Spur. Beide Gastgeber schaffen es zudem nicht, eine eigene Begeisterung zu erzeugen, die sich der Sponsoren-Diktatur der Uefa widersetzt. Vor jedem Berliner Fernseher herrscht mehr Stimmung als auf den durchnormierten und überteuerten Meilen des Pflichtfrohsinns. Wenn irgendwo Fußballfreude aufkommt, dann sind es Gäste, die sie entfachen.

Insofern verbieten sich alle Sommermärchenvergleiche. Und das ist auch gut so. Denn das letzte endete mit dem dritten Platz. Statt Märchen liefert die deutsche Elf nun ein selbstbewusstes Bekenntnis zum sportlichen Erfolg. Gut so. Siege bereiten am Ende eben doch den größten Spaß.

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