Schweizerdeutsch
Herthas Trainer Favre über die EM in seiner Heimat
Wir in der Schweiz sind sehr stolz darauf, dass wir mit Österreich die Euro 2008 ausrichten dürfen. Es ist aber auch eine große Herausforderung, weil es das erste Turnier ist nach der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.
Von Lucien Favre
Dass die Deutschen perfekt organisieren können, war zu erwarten gewesen. Aber die fantastische Stimmung in den Stadien und in den Städten, die Freundlichkeit der Leute - das hat das Image von Deutschland weltweit positiv beeinflusst.
Berge, Schnee, Skifahren, lila Kühe, Schokolade, Banken - ich kenne die Klischees in Deutschland über meine Heimat. Aber wir in der Schweiz haben mehr zu bieten. Wir sind ein kleines Land, mitten in Europa. Sport ist wichtig. Wir haben die Segler vom Team Alinghi, die als erstes europäisches Boot zweimal den America's Cup gewonnen haben. Wir haben Roger Federer, die unumstrittene Nummer eins im Welttennis.
Der Fußball hat sich entwickelt und ist mittlerweile die populärste Sportart, noch vor Skifahren und Eishockey. Es ist kein Zufall, dass die Euro 2008 in der Schweiz stattfindet. Mittlerweile verdienen über 90 Schweizer Profis im europäischen Ausland ihr Geld, das spricht für die Qualität ihrer Ausbildung. Unsere Nationalmannschaft ist nach der EM 2004 und der WM 2006 zum dritten Mal in Folge bei einem Turnier dabei.
Die Stimmung im Land kommt langsam. Die Organisation wird gut sein. Die Euro 2008 wird nicht wie die WM 2006 werden. Erwartet werden: eine Million Besucher, 160 Fernsehanstalten, 2500 Journalisten, und acht Milliarden Zuschauer in der ganzen Welt.
Das ist für ein Land wie die Schweiz eine große Chance. Die wollen wir nutzen.
Lucien Favre (50) wurde in Saint-Barthélemy im Kanton Waadt geboren und ist ehemaliger Schweizer Fußball-Nationalspieler. Seit 2007 ist er Cheftrainer des Bundesligisten Hertha BSC. Für die Berliner Morgenpost verfolgt Favre die Euro als Kolumnist.
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