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14.06.08

Schweizerdeutsch

Eidgenossen waren vorn - 1924!

Schweiz gegen Tschechien - ich bin froh, dass die Euro jetzt losgeht. Für die Schweiz ist gleich das erste Spiel ein Schicksalsspiel. Es ist wichtig, gut in das Turnier zu starten.

Wir haben eine ausgeglichene Gruppe. Eine EM ist schwerer zu spielen als eine WM, da es keinen schwachen Gegner gibt. Trotzdem sehe ich eine realistische Chance, dass die Schweiz gegen Tschechien gewinnt.

Die Tschechen haben Probleme. Ihre Stars Tomas Rosicky und Pavel Nedved sind nicht dabei. Sie haben immer noch Qualität, aber es fehlt an Konstanz. Ich schätze die anderen Gruppen-Gegner, die Türkei und Portugal, als schwerer ein. Unsere Mannschaft von Nationaltrainer Köbi Kuhn hat in Basel den Heimvorteil. Natürlich sind die Erwartungen hoch. Die Schweiz hat einmal bei einem Turnier vorn mitgespielt. Da gab es Silber - aber das war bei den Olympischen Spielen in Paris 1924.

Ich weiß, die Schweiz hat bei bisher zwei Teilnahmen 1996 und 2004 kein einziges EM-Spiel gewonnen.

Ich weiß, in der Vorbereitung gab es vier Niederlagen in Folge, dann folgten doch noch Siege gegen die Slowakei und Liechtenstein. Aber hat sich Deutschland in den zwei Jahren vor der WM 2006 ohne Pflichtspiele nicht auch manchmal schwer getan?

Jetzt, wenn es losgeht, wird unsere Mannschaft bereit sein. Sie hat eine gute Mischung von jung und erfahren. Philippe Senderos spielt bei Arsenal London, Alexander Frei bei Borussia Dortmund, Tranquillo Barnetta bei Bayer Leverkusen. Gökhan Inler, den ich gern zu Hertha BSC geholt hätte, ist in Italien zum besten Ausländer der Serie A gewählt worden.

Ich weiß, in Deutschland gelten die Schweizer als etwas langsam und steif. Aber keine Sorge. Die Schweizer werden ihre Mannschaft fantastisch unterstützen. Die Fans sind realistisch. Niemand erwartet, dass unser Team die Gegner in Grund und Boden spielt. Wenn die Mannschaft läuft und kämpft, wird sie die Unterstützung im ganzen Land bekommen.

Und wer weiß, was für die Schweiz möglich wird bei der Euro, wenn das erste Spiel gegen Tschechien gewonnen wird......

Lucien Favre (50) ist ehemaliger Schweizer Fußball-Nationalspieler. Seit 2007 ist er Cheftrainer von Bundesligist Hertha BSC, damals brachte er mit Steve von Bergen und Fabian Lustenberger zwei Landsleute mit nach Berlin. Nach dem größten Umbruch seit dem Wiederaufstieg 1997 hat er das Team auf Platz zehn geführt. Für die Berliner Morgenpost kommentiert Favre die Europameisterschaft 2008 als Kolumnist.

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