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14.06.08

Schweizerdeutsch

Heimvorteil für Deutschland

Für mich gehört Deutschland zu den Top-Favoriten der Europameisterschaft. Meine anderen beiden Kandidaten für den Titel sind Italien und Frankreich. Diese drei Nationen haben bei der WM 2006 die ersten drei Plätze belegt. Aber nicht nur deshalb halte ich die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw für stark.

Deutschland ist Nachbar von der Schweiz und von Österreich. In allen drei Ländern wird die gleiche Sprache gesprochen. Deutschland wird in den Stadien der Euro vielleicht keinen großen, aber einen kleinen Heimvorteil haben. Und Fußballer wissen, was das bedeutet.

Und, die deutsche Mannschaft ist stark besetzt. Jens Lehmann, Per Mertesacker, Philipp Lahm - die Defensive finde ich solide. Dass Arne Friedrich von Hertha BSC in der Nationalmannschaft mehr Konkurrenz hat als bei uns im Verein, ist normal.

Trotzdem denke ich, dass mein Kapitän gute Chancen hat zu spielen. Ich habe in den vergangenen Tagen Kontakt mit ihm gehabt - er fühlt sich gut und optimistisch. Aber er muss Geduld haben und auf seine Chance warten. Sollte Arne Friedrich gegen Polen nicht zur Startelf gehören - ich kann ihm nur raten, Ruhe zu bewahren. Ein Turnier ist lang, er wird bei der EM noch eine wichtige Rolle im Team spielen.

Stark finde ich im Mittelfeld Torsten Frings und Michael Ballack. Wie weit Deutschland im Turnier kommt, hängt entscheidend davon ab, ob diese beiden Spieler in Topform sind. Aber auch auf den Seiten hat Joachim Löw Qualität: Bastian Schweinsteiger kann Spiele allein entscheiden. Und die Fernschüsse von Thomas Hitzlsperger sind eine richtige Waffe.

Der Schlüssel zum Erfolg ist jedoch die Offensive. Bei diesem Turnier wird es gegen jede Mannschaft sehr schwer zu gewinnen. Das wird noch schwerer, als viele denken. Die Deutschen werden das schon im ersten Spiel gegen Polen merken. Alle Teilnehmer bei der Europameisterschaft werden sehr gut organisiert spielen. Der Unterschied zwischen den Mannschaften entscheidet sich im Sturm. Wer da nach der langen Saison frische, dynamische Spieler hat, hat gute Chancen.

Miroslav Klose, Mario Gomez, Kevin Kuranyi und Lukas Podolski haben viel Qualität. Ich bin mir sicher: Wenn die Stürmer auch gute Form haben, wird Deutschland in diesem EM-Turnier ganz weit kommen.

Lucien Favre (50) ist ehemaliger Schweizer Fußball-Nationalspieler. Seit 2007 ist er Cheftrainer von Bundesligist Hertha BSC, damals brachte er mit Steve von Bergen und Fabian Lustenberger zwei Landsleute mit nach Berlin. Nach dem größten Umbruch seit dem Wiederaufstieg 1997 hat er das Team auf Platz zehn geführt. Für die Morgenpost Online kommentiert Favre die Europameisterschaft 2008 als Kolumnist.

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