Eishockey-Liga
Eisbären gehen als Erster in die Pause
Einmal bei einer Teamsitzung vor dem Spiel dabei zu sein, wäre an sich schon eine interessante Sache. Wie macht der Trainer seine Jungs heiß? Was erzählt er über den Gegner? Am Freitagabend Pavel Gross belauschen zu können, wäre sogar noch ein bisschen interessanter als sonst gewesen.
Von Marcel Stein
Er dürfte seinen Spielern von den Grizzly Adams Wolfsburg förmlich eingebläut haben, dass sie ihre Einstellung bloß nicht an der Länge der Verletztenliste des EHC Eisbären orientieren. Genau das taten die Niedersachsen nämlich vor gut zwei Wochen - und es ging böse daneben. Da fehlten dem Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) neun Profis. Trotzdem gewann der EHC 6:5, und Gross war richtig sauer. Weil er genau davor gewarnt hatte.
Nun folgte das gleiche Spiel erneut. Wieder die Finalauflage der vergangenen Saison, wieder fehlten dem Meister viele Akteure, acht genau. Und noch einmal, so viel war klar, würde Gross seinem Team es nicht durchgehen lassen, sollte es die Aufgabe mal so im Vorbeigehen erledigen wollen. Seine Ansage kam diesmal auch an: Die Eisbären unterlagen dem Tabellenvierten im Spitzenspiel 3:4 (1:2, 1:1, 1:0, 0:1) nach Verlängerung.
Damit ist für die Eisbären jetzt erst einmal Schluss. Am Sonntag haben sie spielfrei, danach ist Länderspielpause. Nicht ganz zwei Wochen können sich die Berliner erholen, bevor es weitergeht. "Es ist eine gute Zeit für eine Pause", sagt Trainer Don Jackson. Er gibt seinen Profis auch gleich eine Woche komplett frei. Denn die vergangenen Monate haben einfach sehr geschlaucht. "Ein Spieler kommt zurück, eine anderer fällt aus. Es ist immer ein Schritt vor und einer zurück", beschreibt Verteidiger Nick Angell die Situation. Meistens mussten die Eisbären zuletzt mehr als ein halbes Dutzend Ausfälle kompensieren. Die Akkus neigen sich deshalb langsam dem Ende zu.
Eigentlich ist es erstaunlich, dass die stetigen personellen Rückschläge kaum Auswirkungen auf die tabellarische Situation der Berliner zeitigen. Aber bei ihnen geht es nicht mehr auf und ab als bei der Konkurrenz. Daher beendet der Titelverteidiger das zweite Drittel der Hauptrunde als Erster. Geschafft hat die Mannschaft von Jackson das aber auch, weil sie viele Nachwuchskräfte einsetzen konnte, die ihre Befähigung für eine DEL-Karriere durchaus nachgewiesen haben.
Am liebsten würde der Trainer einige von ihnen nach der Unterbrechung allerdings nicht mehr so oft einsetzen müssen. "Jeder sagt mir, dass er nach der Pause wieder bereit ist. Bei einigen weiß ich aber nicht, wie das funktionieren soll", so Jackson. André Rankel und Jens Baxmann könnten es nach ihren Gehirnerschütterungen wohl schaffen. Constantin Braun plagt dasselbe Leid, bei ihm sieht es aber schlechter aus. Ebenso steht ein Fragezeichen hinter Denis Pederson, dessen schwere Knieverletzung wieder Probleme bereitet. Mit Stefan Ustorf (Gehirnerschütterung) ist erst einmal nicht zu rechnen, auch mit Dominic Bielke (Knie) nicht.
Was Abwehrspieler Angell beschrieben hatte, traf auch auf die Partie gegen Wolfsburg zu. Zwar war mit Mads Christensen ein Stürmer nach zweimonatiger Pause wegen eines Fingerbruchs zurückgekehrt. Dafür mussten Darin Olver (gesperrt) und Baxmann passen. Dazu fiel auch noch Vincent Schlenker aus, der sich unter der Woche beim Kooperationspartner FASS die Schulter ausgekugelt hat. Für Jackson bedeutete dies wieder einiges an Improvisationsbedarf. Er mischte die Reihen. Denen mangelte es dann etwas an Harmonie.
Das war schon ein Nachteil gegen Wolfsburg. Denn die Gäste ließen es diesmal nicht so locker anlaufen wie zuletzt und gingen mit 2:0 in Führung (16./20.). Doch die Eisbären betrieben einen großen Aufwand, wollten mit einem positiven Erlebnis in die Pause. Und tatsächlich gelang es ihnen, die Schwächen im Aufbau zu überwinden und zum Ausgleich zu kommen - durch Barry Tallackson mit der Schlusssirene des ersten Drittels (20.) und Sven Felski (40.). Allerdings legte Wolfsburg schnell den dritten Treffer nach (40.). Die Berliner versuchten in der hektischen Schlussphase noch einmal alles, ließen im Powerplay sogar den Torhüter draußen - und erzielten erneut in den letzten Sekunden ein Tor (60.). Dank des 3:3 von Travis Mulock gab es einen Punkt und Verlängerung. Das wird Wolfsburgs Trainer Pavel Gross sicher nicht gefallen haben, aber als Sieger durfte er sich nach Christopher Fischers Treffer dann doch fühlen (62.).
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