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21.04.10

Eishockey

Warum Jeff Tomlinson die Eisbären verlässt

Der Assistenztrainer des EHC Eisbären geht nach zehn Jahren und heuert in Düsseldorf bei den Metro Stars an. Dort wird Jeff Tomlinson zum ersten Mal Chef in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Man spürt, dass es dem Deutsch-Kanadier nicht leicht fällt, die Berliner Zeit hinter sich zu lassen.

© picture-alliance
Der neue Mann an der Bande bei der DEG: Jeff Tomlinson
Der neue Mann an der Bande bei der DEG: Jeff Tomlinson

Peter John Lee fährt gerade wieder durch Deutschland. Immer dorthin, wo sich die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft aufhält und auf die Weltmeisterschaft vorbereitet. Das bedeutet in den nächsten Tagen: Schwenningen, Füssen, Ravensburg. Aber der Manager des EHC Eisbären hat ja mindestens sechs gute Gründe, die die von Berlin aus strapaziöse Reise plausibel machen: einen Nationaltorhüter, drei Abwehrspieler und zwei Angreifer.

Die ausgedehnten Fahrten in den Süden der Republik gehören für Lee lange zum Alltag, seltener wegen der Nationalmannschaft, sondern hauptsächlich, um nach gutem Nachwuchs zu fahnden. Über die Dörfer zu tingeln, kann aber manchmal ziemlich öde sein, gut also, wenn man jemanden dabei hat. Dieser Jemand war in den vergangenen Jahren immer Jeff Tomlinson, der Assistenztrainer der Berliner. Diesmal ist Lee aber allein unterwegs. Tomlinson hat keine Zeit mehr für ihn. Er muss sich um andere Dinge kümmern, Sachen packen, Wohnung auflösen. Tomlinson geht nach Düsseldorf zu den Metro Stars, dort wird der Assistent zum ersten Mal Chef in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Man spürt, dass es dem Deutsch-Kanadier nicht leicht fällt, die Eisbären hinter sich zu lassen. Er ist bewegt. "Ich habe sehr viel überlegt", sagt der 39-Jährige. Zehn Jahre war er beim EHC, kam als Spieler, verletzte sich am Knie und musste seine Karriere beenden, fing an, den damaligen Trainer Pierre Pagé als Videoanalyst zu unterstützen, machte den Trainerschein, übernahm die Nachwuchsmannschaft der Berliner in der Oberliga, sichtete Talente und wurde schließlich Assistent von Trainer Don Jackson. Das hat Tomlinson geprägt, so sehr, dass er gar nicht weiß, bei wem er sich zuerst bedanken soll. Bei Lee, Jackson, dem anderen Co-Trainer Hartmut Nickel, den Spielern, Fans und Mitarbeitern – Tomlinson vergisst niemanden in seiner selbst verfassten Mitteilung an den Verein, die sich fast wie eine Entschuldigung liest. "Ich werde alle vermissen", schreibt er. Sein Pathos ist nicht gekünstelt.

Angebote, es anderswo als Cheftrainer zu versuchen, hatte der frühere Stürmer schon einige. "Aber ich wollte Berlin nicht für irgendeinen Job verlassen", sagt Tomlinson. Er hat auf den richtigen gewartet, so einen wie bei der DEG, einem der neben Berlin, Mannheim und Köln vier großen Klubs in Deutschland. "Das ist eine super Chance für Jeff, ich freue mich für ihn", sagt Lee, der als Spieler selbst einst zehn Jahre in Düsseldorf war und von dort auch Don Jackson nach Berlin geholt hat, der bei der DEG seine Premiere als DEL-Cheftrainer erlebte und den Klub sofort ins Finale führte. Nun geht es mal in die andere Richtung.

Die Aufgabe bei der DEG mag überaus reizvoll sein für den Neuling auf dem Chefposten, sie ist aber auch schwierig. Erstmals nach vier Jahren mit Halbfinale und Finale fehlte die DEG unter den besten Vier der DEL. Der Etat wurde gekürzt, Lance Nethery gilt als Manager, der gern Einfluss nimmt auf die Arbeit des Trainers. Zuletzt feuerte er Harold Kreis kurz vor dem Play-off. Große Ziele, die in Düsseldorf sonst selbstverständlich sind, formuliert Nethery aufgrund der Umstände immerhin nicht. Stattdessen spricht er vom Aufbau einer jungen Mannschaft. Dafür war Tomlinson "unser Wunschkandidat".

Mit der schwierigen Seite des Jobs bei der DEG beschäftigt sich Tomlinson, dessen Vertrag ein Jahr läuft, jetzt natürlich nicht. "Ich sehe das Positive und freue mich darauf", sagt er. Lee will nun einen neuen Assistenten verpflichten, auch wegen der Koordination der Nachwuchsarbeit. Und natürlich, damit der Manager nicht so einsam ist bei seinen Erkundungsfahrten.

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