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07.04.10

Eishockey-Playoffs

Schock für Berlin - Meister Eisbären ist raus

Die Berliner waren nach dem Punkterekord in der Vorrunde erneut als haushoher Favorit in die Playoffs gestartet. Doch nun ist der deutsche Eishockey-Meister von den Augsburger Panthern entthront worden. Der viermalige Titelträger verlor das entscheidende fünfte Viertelfinale 2:6 - und das in eigener Halle.

Für ein paar Minuten war sie noch einmal da, die Hoffnung. Ein gewaltiger Schlagschuss von Richie Regehr hatte sie kurz vor dem Spielende aufleben lassen. In der O2 World wurde es laut. Aber an ein glückliches Ende konnten eigentlich nur unverbesserliche Optimisten glauben. Viel zu harmlos agierte die Mannschaft des EHC Eisbären, viel zu unsicher, als dass die im fünften und entscheidenden Spiel des Viertelfinales gegen die Augsburger Panther als Sieger vom Eis hätte gehen können. So wich der Optimismus bald wieder dem Frust, 2:6 (1:3, 0:1, 1:2) hieß es am Ende. Statt dem Favoriten aus Berlin zog der Außenseiter Augsburger Panther sensationell mit 3:2 Siegen in der "Best of five"-Serie erstmals ins Halbfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ein und trifft dort auf Wolfsburg. "Es lag nicht an der Einstellung. Vielleicht stimmte die Chemie einfach nicht", sagte Eisbären-Trainer Don Jackson.

Als das Play-off begann, betrachteten nicht nur unbedarfte Beobachter die Angelegenheit für die Eisbären als reine Formsache. Was auch sonst? Als Titelverteidiger gingen die Berliner in die entscheidende Phase der Saison, dazu als alles überragende Mannschaft der Hauptrunde. Was sollte also schon passieren gegen die Augsburger Panther?

Heimvorteil nutzte nichts

Schnell aber deutete sich an, dass die leidige Pflichtaufgabe gegen den Achten zu einem echten Problem werden würde. Während der Außenseiter frech, mutig und vor allem mit großer Leidenschaft gegen Favoriten anlief, wirkte dieser seltsam abwesend. Erst mit dem vierten Spiel in Augsburg (5:3) schien der Meister seine Nervosität besser in den Griff zu bekommen und das sensationelle Aus im Viertelfinale gerade noch verhindern zu können.

Was sich als Trugschluss erwies. Die Eisbären scheiterten, selbst der Heimvorteil im entscheidenden Spiel nutzte ihnen nichts. Augsburg spielte schlicht cleverer, hatte nie Angst vor einer Niederlage. Selbst nach dem Berliner Führungstreffer durch Steve Walker nicht (9.). Weil die Mannschaft von Trainer Don Jackson nie das ausstrahlte, was man in all den Jahren immer an ihr bewundert hatte. Dieses Gefühl, diese Gewissheit: Uns kann keiner was. Stattdessen signalisierte sie, dass sie verwundbar ist. Denn kaum ein Spieler bewegte sich im Rahmen seiner Normalform.

Dass es mit dem Halbfinale nichts werden würde, dass die Eisbären einen 1:2-Rückstand in einer Fünferserie auch im siebten Versuch ihrer DEL-Zugehörigkeit nicht würden wettmachen können, zeichnete sich bald ab in diesem fünften Spiel. Dahin war der gute Rhythmus der ersten Minuten, als zwei Unterzahlspiele hintereinander folgten. Die Gäste drehten die Partie durch Jeff Likens (15.) und Brett Engelhardt (16.). Damit befiel die Berliner die Verunsicherung, Andy Roach legte mit einem schrecklichen Querpass im eigenen Drittel das 3:1 für Augsburgs Tyler Beechey auf (18.).

"Wir wollen euch kämpfen sehen"

Es hatte teilweise durchaus Mitleid erregenden Charakter, was sich danach zutrug. Von den Rängen hallte es: "Wir wollen euch kämpfen sehen." Worte, die man eigentlich nicht kennt in der O2 World. Die Eisbären kämpften auch, dass muss man ihnen zugestehen. Verzweifelt trieben sie den Puck nach vorn. Der jedoch hat ihnen nach vielen glücklichen Jahren offenbar die Freundschaft aufgekündigt. Entweder rutschte er vom Schläger oder er suchte sich andere Wege, als von den Berlinern vorgesehen. Nicht mal aus besten Schusspositionen wollte er in Netz.

Vielleicht lag es auch daran, dass die Berliner, die in der Abwehr viel zu unkoordiniert agierten, nicht immer genug dafür taten. Sie erreichten kaum die Intensität, die im Play-off nötig ist, welche die Panther, für die Darin Olver zum 4:1 traf (34.), Engelhardt zum 5:2 (59.) und Chris Collins zum 6:3 (60.), aber gezeigt haben. So konnten sie sich auch nur selten gegen die gut organisierten und körperlich hart einsteigenden Schwaben durchsetzen. Oft musste der völlig frustrierte Trainer Don Jackson mit ansehen, wie seine Profis sich den Puck von ihren Gegenspielern einfach vom Schläger nehmen ließen.

Das sichere Kombinationsspiel, basierend auf läuferischer Überlegenheit, das die Berliner bevorzugen, hat gegen die Augsburger Panther seine Wirkung verloren. Bei der Suche nach Variationen wurde Jackson nicht fündig. Daher steht am Ende einer Saison, in der die Eisbären für einige Höhepunkte sorgten, vor allem große Enttäuschung.

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