Eishockey
Berlins Eisbären siegen im Sparmodus
Sonntag, 7. Februar 2010 23:01 - Von Marcel SteinSven Felski, Travis James Mulock und André Rankel zu den entscheidenden Figuren beim 4:2 der Eisbären Berlin gegen die Hamburg Freezers. Trotzdem war der Auftritt des Tabellenführers der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen die Hamburger nicht so richtig aufregend.
An sich ist der Informationsgehalt der pappigen Klatschutensilien, die bei den Spielen des EHC Eisbären in der O2 World verteilt werden, eher gering. Es sei denn, ein unbedarfter Besucher, der sich mit dem Personal des Eishockey-Meisters nicht so gut auskennt, bekommt sie in die Hand. Diesmal aber fanden sich mehr als nur ein Porträtfoto und ein Name auf den Klatschpappen. Es waren drei Porträtfotos und drei Namen und dazu ein erklärender Spruch: Viel Glück in Vancouver.
Ein netter Einfall der Berliner, ihren drei für die Olympischen Spiele nominierten Nationalspielern auf diese Art einen kleinen Abschiedsgruß zu übersenden. Der dann ganz zufällig in prächtiger Harmonie mit dem Auftritt des Tabellenführers der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen die Hamburg Freezers stehen sollte. Als wollten sie ihre Berufung in den Nationalkader rechtfertigen, avancierten Sven Felski, Travis James Mulock und André Rankel zu den entscheidenden Figuren beim 4:2 (3:1, 1:1, 0:0) gegen die Hanseaten.
Besonders angetan vom Spiel war Felski allerdings nicht. Eigentlich ist er jemand, der den Freezers stets ein gutes Zeugnis ausstellt. „Sie sind nicht so schlecht, wie sie in der Tabelle stehen“, hat Felski schon oft in dieser Saison gesagt über den Vorletzten. Vielleicht aus Rücksicht, weil sein Kumpel, der frühere Berliner Alexander Barta dort spielt. Gestern musste aber auch Felski erkennen, dass seine Sichtweise nicht ganz der Realität entspricht. „Wir haben nicht die Fähigkeiten, um mit Berlin mitzuspielen“, konstatierte der des Verlierens müde Hamburger Trainer Paul Gardner. Die Eisbären ihrerseits haben höchstens zehn Minuten lang gezeigt, wozu sie fähig sind. Für die Freezers schon zuviel.
Wenige aufregende Momente
So wurde das Spiel kein wirkliches vergnügliches. „Wir waren ab dem zweiten Drittel nachlässig“, sagte Felski. Pässe wurden ungenau, der Spielaufbau folgte keinem geordneten Muster mehr, sondern wirkte unnötig hektisch. Die Partie plätscherte dahin. Wenigstens davor hatte es ein paar aufregende Momente gegeben. Dem Führungstreffer der Gäste durch Francois Fortier (12.) ließen die Eisbären drei Tore im Minutentakt folgen. Erst hämmerte Richie Regehr die Scheibe, die von Mulock offenbar noch abgefälscht worden ist, ins Netz (13.). Dann erzielte André Rankel seinen 20. Saisontreffer (14.). Felski durfte danach auf Pass von Mulock zum 3:1 einschieben (15.).
Die Leichtigkeit, mit der die Eisbären davonzogen, war nur ein Grund für die anschließenden Rhythmusstörungen. Der Auftritt der Gäste erforderte trotz des Treffers von Clarke Wilm (25.) nicht mehr Aufwand. Zum Problem wird langsam die Tabellensituation. „Es ist nicht einfach, bei diesem Vorsprung die Spannung zu halten“, erzählte Felski. Gegen starke Kontrahenten ist das weniger offensichtlich. Gegen eine solche Mannschaft wie Hamburg dafür umso mehr.
Felski trifft doppelt
Ausgelassenen Jubel bei Felskis zweitem Tor, initiiert von Constantin Braun und erneut Travis James Mulock (36.), sah man daher nicht. Ein kurzes Zucken mit der Faust, das war’s, Pflicht erfüllt. Im Sparmodus. Was ja auch wieder gut sein kann. Zumindest für Mulock, Rankel und Felski, erschöpft reisen sie nicht zum Nationalteam.
Das trifft sich morgen in Frankfurt, wo Mittwoch noch ein Testspiel gegen Lettland stattfindet. In Hannover – die Olympiapause der DEL beginnt erst nächste Woche – fehlen die drei den Eisbären also morgen genauso wie am Sonntag bei den Frankfurt Lions. Für die Berliner ist das eher schlecht, für Felski, Rankel und Mulock sicher gut. Sie haben nämlich erst mal kein Spannungsproblem mehr.


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