Eishockey
André Rankel kann EHC-Geschichte schreiben
EHC-Stürmer André Rankel erlebt gerade seine erfolgreichste Profisaison. 17 Treffer hat der 24-Jährige bislang erzielt und führt damit die Torschützenliste der Eisbären an. Er hat gute Chancen, als erster deutscher Spieler seit der Wende bester EHC-Torjäger der regulären Saison zu werden. Am Abend kann Rankel gegen die DEG Metro Stars sein Konto auffüllen.
Von Marcel Stein
Don Jackson unterbrach die Übungen seiner Spieler am Montagvormittag etwas öfter als gewohnt, er redete mehr und lauter, korrigierte ausgiebiger, gestikulierte etwas angestrengter, erklärte die Pass- und Laufwege an seiner Taktiktafel ein wenig eindringlicher. Und am Ende schien er recht zufrieden zu sein mit dem, was ihm die Spieler angeboten hatten. Jackson stützte sich auf seinen Schläger, lächelte, kniff die Augen ein bisschen zusammen und blickte, als wollte er sagen: Es kann losgehen, wir sind bereit.
Das Mehr an Akribie hat seinen Grund, es soll möglichst nicht noch einmal passieren, was dem EHC Eisbären in den ersten beiden Aufeinandertreffen mit den DEG Metro Stars widerfahren ist. Erschreckend chancenlos war der Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) beim 2:6 und 3:7 gewesen, zu gut hatte sich der Zweite, der am heutigen Dienstag zum Spitzenspiel in der O2 World gastiert (19.30 Uhr), auf die Spielweise des Titelverteidigers eingestellt.
Ein bisschen variieren wollen die Eisbären deshalb nun, weniger filigran durch die Mitte aufbauen, sondern mehr rustikal arbeiten. Heißt: Den Puck so weit wie möglich ins gegnerische Drittel dreschen und hinterher rennen. Wichtiger noch wird aber sein, "sich in den 60 Minuten keine Pause zu gönnen", sagt André Rankel.
Manager Peter John Lee zählt mit, wer die Tore schießt
Er selbst ist diesbezüglich eher unverdächtig. Der Stürmer erlebt gerade seine erfolgreichste Profisaison. 17 Treffer hat der 24-Jährige bislang erzielt und führt damit die Torschützenliste der Eisbären an. Zwar ist es noch etwas hin bis zum Ende der Hauptrunde, 16 Partien genau, aber Rankel hat gute Chancen, als erster deutscher Spieler seit der Wende bester EHC-Torjäger der regulären Saison zu werden. Natürlich hat Rankel keine Zeit, sich mit so etwas zu beschäftigen. "Das ist viel zu weit weg", sagt der Angreifer. Manager Peter John Lee dagegen schaut mehr auf solche Werte. Er zählt mit, ob die Ausländer die Tore schießen oder die Deutschen. Ob es die Alten sind oder die Jungen.
Deren "Entwicklung läuft gut, so, wie ich es mir immer vorgestellt habe", sagt Lee. Die Vorstellung war, deutsche Talente auszubilden und sie im Klub zu Führungsspielern heranreifen zu lassen. Dem Ziel, die zentralen Figuren im Eisbärenspiel zu werden, kommen einige immer näher. "Es wird jedes Jahr besser mit uns", sagt Rankel.
Er und Florian Busch sind die auffälligsten Beispiele. Busch (25) hat seinen Stammplatz in der ersten Reihe und ist dort für Kreativität zuständig. Der gebürtige Berliner Rankel, der schon im vergangenen Play-off bester EHC-Torschütze war, gibt meist in der dritten Reihe den robusten Allrounder, der zudem weiß, wo das Tor steht. "Diese beiden könnten in dieser Liga überall in der Top-Reihe spielen", sagt EHC-Kapitän Steve Walker. Trotzdem müssen die Berliner oft mit dem Vorwurf leben, dass die vorhersehbaren Abgänge von Walker (37) oder Denis Pederson (34) sie vor größere Probleme stellen würden. Weil deren Präsenz und Autorität auf dem Eis noch immer eine andere ist als die der jungen Spieler.
Verluste werden durch die Jungen aufgefangen
Gerade diese Saison aber zeigt, dass der Kompensationsprozess gut anläuft. Mit Nathan Robinson und Mark Beaufait verlor der EHC zwei Topscorer, in Jeff Friesen kam nur ein erfahrener Stürmer hinzu. "Der Verlust wird durch die Jungen aufgefangen", sagt Lee. Die Eisbären haben sogar mehr Treffer erzielt als vor einem Jahr nach 40 Spielen.
Wo es den Eisbären noch fehlt an eigenem Nachwuchs, ist in der Kategorie "offensive Verteidiger". Während die defensiv ausgerichteten Abwehrkräfte Jens Baxmann (24) und Frank Hördler (25) zu den besten der Liga gehören, verlassen sich die Berliner an der Blauen Linie auf nordamerikanisches Personal. Doch auch dort könnte sich das Bild ändern. Constantin Braun (21) zeigte zuletzt, dass er durchaus die Rolle des schussgewaltigen Verteidigers übernehmen kann. Dass er einst zum Angreifer ausgebildet worden ist, dürfte ihm dabei zu Gute kommen.
Der Kompensationsbedarf wird bei den Eisbären in jedem Fall bald steigen, Andy Roach (36), Stefan Ustorf (36) und Sven Felski (35) stehen auch nicht mehr lange zur Verfügung. Allein mit deutschen und dazu selbst ausgebildeten Spielern werden die entstehenden Lücken kaum zu schließen sein. Das ist auch Lee klar. Doch sein Ziel ist erreicht, wenn die jungen Deutschen die zentralen Figuren der Eisbären werden. Rankel ist bereit.
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
-
20:49Festnahme: Toter in Friedrichshainer Bar: Verdächtiger gefass...
-
20:11Piraten-Chef: Wie der "Bundesbernd" Piraten-Amt und Job stemmt
-
19:17Karneval: Kreuzberger Käuze, Kinder und eine lange Karawane
- 1. Live-Ticker Hertha BSC will über Einspruch beraten
- 2. Relegationsspiel Hertha BSC und der Abstieg ohne Gnade
- 3. Relegationsspiel Hertha BSC gibt sich offenbar geschlagen
- 4. Stromerzeugung Solaranlagen liefern so viel Strom wie fast 20 Atommeiler
- 5. Rocker-Kriminalität Hells Angels betrieben eigenen Folterkeller














