Eishockey
Berliner Eisbären sind im Stimmungstief
Eigentlich wollte ja niemand von Krise sprechen. Doch zumindest Stürmer Stefan Ustorf bezeichnet die dritte Niederlage in Folge des amtierenden Deutschen Meisters als den Tiefpunkt der Saison. Und dann konnten die Eishockey-Profis am Montag noch nicht einmal ordentlich trainieren: aus Sicherheitsgründen.
Von Marcel Stein
Wenn es einen erst einmal erwischt hat, wenn man drin ist in einem schlechten Lauf, dann kommt alles zusammen. Und man kann einfach nichts dagegen machen. Außer verblüfft zuschauen, wie einem das Schicksal ein Schnippchen nach dem anderen schlägt – und vielleicht an ein paar Verschwörungstheorien stricken.
Leicht entgeistert, vereinzelt auch genervt, musste am Sonntag die Mannschaft des EHC Eisbären zur Kenntnis nehmen, dass auch Tabellenführer dem Schicksal nicht einfach so davonkommen. Als wären drei Niederlagen in Folge nicht schon genug für den Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), wurde den Eisbären obendrein die Gelegenheit genommen, am Montag korrigierend an ihrer Spielweise zu arbeiten. Auf dem Dach der Eishalle zwei im Sportforum Hohenschönhausen türmte sich der Schnee. Weshalb die Halle aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde. Statt auf dem Eis zu trainieren, radelten die Spieler also auf dem Ergometer. Als sie nach dem anschließenden Teammeeting zum Parkplatz gingen, war die Halle wieder freigegeben und Eiskunstläufer fuhren ihre Kringel. Schicksal eben.
"Vielleicht ist der Schnee in der Stunde geschmolzen", sagte Stefan Ustorf ironisch. Er wäre nach dem 3:4 gegen Hannover ganz gern aufs Eis gegangen. Arbeit lenkt ab, die Gedanken kreisen nicht mehr so sehr um die Frage, was schief gelaufen ist und warum es schief gelaufen ist. Aber die Arbeit fiel mehr oder minder aus, die Ablenkung weg.
Dafür versuchte Don Jackson in der Teamsitzung zu relativieren. "Ich habe die Spieler daran erinnert, dass manche Dinge nicht so sind, wie sie scheinen", sagte der Trainer. Bei den zehn Siegen, die den drei Niederlagen vorausgegangen sind, habe man nicht immer so gut gespielt, wie es die Ergebnisse suggerierten. "Jetzt hatten wir auch immer die Chance, die Spiele zu gewinnen", vollendet Ustorf. Man dürfe das eine nicht zu hoch bewerten, das andere nicht zu schlecht.
Für letzteres gibt es bei weiterhin zehn Punkten Vorsprung in der Tabelle auch keinen Grund. Den Blick auf das Tableau aber lehnt Ustorf entschieden ab. "Wenn man da draufschaut und meint, alles wäre in Ordnung, kann man ganz schnell wirklich ein Problem entwickeln", sagt der Stürmer. Es soll bloß nicht der Eindruck entstehen, die Niederlagen würden niemanden interessieren bei den Eisbären. "Das interessiert schon, sehr sogar. Wir verlieren einfach nicht gern", so der 36-Jährige. Dementsprechend ist die Stimmung in der Mannschaft, geprägt von viel Unzufriedenheit. "Wie es sein sollte", findet Ustorf.
In seiner Einschätzung der Situation hält sich der Routinier nicht gerade zurück. Anderswo mögen drei Niederlagen am Stück zum Alltag zählen und kein Grund zur Aufregung sein. Sich davon abzuheben, ist letztlich immer ein Teil dessen gewesen, was die Berliner vom Rest der Liga unterschieden hat. Deshalb unterläuft ihnen eine solche Serie nach zweieinhalb Jahren unter Jackson jetzt zum ersten Mal.
Etwas Gutes, das man den jüngsten Erlebnissen zuschreiben könne, will Ustorf nicht sehen. "An Niederlagen gibt es nicht Gutes, sie kommen auch nie zum richtigen Zeitpunkt", sagt er, in der Stimme einen Ehrgeiz, als hätte er noch nie einen Titel gewonnen und würde vor der letzten Chance stehen, dies noch zu ändern. Dabei hielt er in den vergangenen fünf Jahren vier Mal den Meisterpokal in Händen. Ustorf redet von einem kleinen Tief, anfangs zumindest, doch ihn ärgert die Situation so sehr, dass er immer kritischer wird und aus dem kleinen Tief irgendwann der "Tiefpunkt der Saison. Das muss man einfach so klar sagen."
Als die Eisbären in die O2 World umgezogen sind, warben sie mit dem Spruch "Eishockey wie noch nie". Nun spielen die Berliner sieglos wie noch nie in der Amtszeit von Trainer Don Jackson.
Dass die Konstellation neu ist, spielt für Ustorf keine Rolle: "Jeder Spieler hat schon mal drei Partien hintereinander verloren." Hart arbeiten sei das beste Rezept, um das hinter sich zu lassen. Natürlich muss man aber erst mal arbeiten können, nicht so wie am Montag. Zu verbessern gibt es bei den Eisbären unabhängig von den Niederlagen durchaus einiges. "Reserven sind immer da, das sollte in dieser Saisonphase auch so sein", sagt Ustorf.
Die Chance, den Tiefpunkt zu überwinden, haben die Berliner schon am Dienstag. Allerdings sind die Grizzly Adams Wolfsburg – bei denen die Eisbären wieder auf Stürmer Denis Pederson zurückgreifen können, aber dennoch auf drei Spieler verzichten müssen – keine Laufkundschaft. Freitag kommen die Adler Mannheim mit neuem Trainer nach Berlin, Sonntag spielt der EHC bei den erstarkten Kölnern. Er werden interessante Tage, die den Eisbären da bevorstehen.
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