Eishockey
Eisbären Berlin verlieren in Serie
Trainer Don Jackson war alles andere als amüsiert: Das Wort "peinlich" benutzte der Eisbären-Coach, als es darum ging, die Leistung der Berliner Eishockeyprofis am Sonntag zu beschreiben. Der EHC hatte zuvor gegen die Hannover Scorpions verloren - Niederlage Nummer drei in Serie.
Von Marcel Stein
Was Don Jackson zu sagen hatte, sollte erst einmal ungehört bleiben. Also schloss Peter John Lee, Manager des EHC Eisbären, die Tür zum Trainerzimmer. Er war nur etwas spät dran, und so drangen doch ein paar aufgeregte Worte des Coaches nach draußen. Was aber halb so schlimm war, denn Jackson entschloss sich, seine ganz private Sicht der Dinge später allen mitzuteilen.
Ob das klug war, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Vielleicht bekommt Jackson dann Post von der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), mit der Aufforderung, wegen Verunglimpfung von Schiedsrichtern finanziell Buße zu tun. "Die Kerle werden von der Liga bezahlt, wofür? Das war peinlich", sagte der Berliner. Dass seine Mannschaft 3:4 (0:2, 2:2, 1:0) verloren hatte gegen die Hannover Scorpions, interessierte ihn nur am Rande. In diesen wenigen Sekunden aber, in denen er die Leistung des Tabellenführers beschrieb, fiel das Wort "peinlich" erneut.
Was den US-Amerikaner hauptsächlich aufbrachte, war eine Szene in der 49. Minute. Der Hannoveraner David Wolf hatte EHC-Kapitän Steve Walker mit einem Crosscheck zu Boden geschickt. Als Walker sich entfernte, brach Wolf plötzlich zusammen und tat so, als würde er bleibende Schäden davontragen. Für Walker, der es mit Entsetzen zur Kenntnis nahm, hatte das den Spielausschluss zur Folge, die beiden Hauptschiedsrichter hatten einen Stockstich gesehen. Alle Berliner nicht, weshalb sich ein kleiner Tumult entwickelte. "Das war nichts, nur eine peinliche Aktion von Wolf", so Jackson, der offenbar ein neues Lieblingswort hat.
Da sich die Eisbären-Vertreter einig waren, verweigerte Assistenz-Trainer Hartmut Nickel die Unterschrift unter den Zusatzbericht zur Walker-Situation. Zumindest vorerst, er wollte – wie auch Hannovers Trainer Hans Zach – zunächst die Aufzeichnung sehen. Vielleicht hat sie seine Meinung ja geändert. Der übertragende Sender nämlich meinte in der Analyse, dass es tatsächlich eine leichte Aktion von Walker gegeben habe.
Womöglich kam das Ganze gar nicht so ungelegen, es lenkte etwas ab von den anderen unbehaglichen Fakten. Von der fehlenden Präsenz, den schwachen Zweikämpfen, den vier Gegentoren und dem Torwartwechsel (Markus Keller kam für Rob Zepp), den es brauchte, bis die Eisbären – die aufgrund mehrerer Ausfälle alle drei Sturmreihen umstellen mussten – merkten, dass sie nicht gegen eine Kirmestruppe spielen. "Die Mannschaft hat heute nicht das Nötige getan", sagte Derrick Walser, "wir dürfen nicht erst anfangen, wenn es fast zu spät ist."
Walser war der einzige, der überhaupt Worte fand, die anderen schwiegen lieber. Obwohl die Aufholjagd mit Toren von Walker (31.), Alexander Weiß (33.) und Florian Busch (50.), durchaus beeindruckend war und ohne den Verweis des Kapitäns sogar noch gut hätte enden können. So blieb es bei Hans Zachs Serie, der noch nie in der O2 World verloren hat, inzwischen drei Spiele lang.
Drei Spiele dauert nun auch schon die Niederlagenserie der Eisbären. So lange mussten die Berliner unter Jackson noch nie ohne Erfolg auskommen. "Vielleicht ist das ja auch mal ganz gut", sagte Walser, wirkte aber nicht so, als würde er sofort wissen, was genau das Gute sein sollte. Jackson zog derweil noch immer über die Schiris her. Und Kollege Zach versprach, Wolf zu züchtigen, sollte der "Kasperltheater" gemacht haben. Getröstet hat es Jackson nicht.
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