Eishockey
Die Eisbären betreten heute Neuland
Zwei Spiele haben sie gerade in Folge verloren - eine ungewohnte Situation für die Berliner Eishockey-Profis des EHC Eisbären. Sie wollen das Blatt gegen die Hannover Scorpions heute ab 14.30 Uhr in der O2 World wieder wenden. Doch auch Hannover will mit dem heutigen Spiel über eine Niederlage hinwegkommen.
Von Marcel Stein
Den heutigen Sonntag hatte sich Youri Ziffzer schon vor längerer Zeit im Kalender vorgemerkt. Weil er für ihn ein Erlebnis werden sollte, das er aus dieser Perspektive noch nicht kennt. Die ersten fünf Jahre seiner Karriere als Eishockey-Profi verbrachte der 23-jährige Torhüter beim EHC Eisbären. Im Sommer entschied er sich für eine neue Herausforderung, um seine Karriere voranzubringen, und wechselte zu den Hannover Scorpions. Heute gastieren die Niedersachsen erstmals in dieser Saison in Berlin (14.30 Uhr, O2 World, live im Ticker von Morgenpost Online , Sky live).
Ziffzer aber hat anderes zu tun. Er ist in München, zwar auch in Hannoveraner Spielerkluft, jedoch trägt er das Trikot der Indians. "Das war nicht das, was ich wollte", sagt Ziffzer, der jetzt erstmals in der Zweiten Liga die Pucks fängt. Eine sportliche Misere zwang die Scorpions Ende November zum Handeln, sie verpflichteten Star-Goalie Travis Scott und hatten nun drei Schlussleute. Um regelmäßige Einsätze zu bekommen, ging Ziffzer in die tiefere Spielklasse.
Vielleicht ist der Umweg sogar die beste Variante für den Torhüter. "Ich mache einen Schritt zurück und nächste Saison hoffentlich zwei nach vorn", sagt Ziffzer. Er hätte es auch bequemer haben können, als jetzt bei den Indians schon morgens um 8.30 Uhr trainieren zu müssen, noch dazu in einer offenen Halle. Als Scott kam, kamen auch Angebote, zu anderen DEL-Klubs zu wechseln. "Ich hätte auch zu den Eisbären zurückgehen können. Aber das hätte nichts gebracht", so der Torhüter, der auch nächste Saison noch bei den Scorpions unter Vertrag steht. Er hätte hinter Stammtorhüter Rob Zepp weitgehend auf der Bank gesessen. Nicht der beste Platz, um sich weiterzuentwickeln.
Es ist derzeit ein weit verbreiteter Trend bei den Klubs der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), sich auf einen einzigen starken Goalie zu verlassen. Dahinter befinden sich oft junge, unerfahrene Ersatzleute. Eine gewagte Kombination, denn bei einer Verletzung des Stammkeepers wäre die Not groß.
Einen Grund für die Entwicklung sieht EHC-Manager Peter John Lee darin, "dass mehr Deutsche die Nummer eins sind und kaum einer einen Ausländer für die Bank lizenzieren will". Auch bei den Eisbären ist es so. Im Angesicht des Play-off werden die Bedenken jedoch größer. Einige Klubs, unter anderem die Berliner, schauen sich nach zuverlässigen zweiten Torhütern um. Doch der Markt ist schwierig. Ingolstadt überlegt sogar, seinen seit Sommer im Ruhestand befindlichen Ex-Goalie Jimmy Waite zurückholen. Auch, weil es geeignete Profis wie Ziffzer vorziehen zu spielen, anstatt auf das Pech der Kollegen zu warten.
Während Manager Lee das Torhüter-Problem bis zum Ende der Transferfrist Mitte Februar beschäftigen wird, hat Eisbären-Trainer Don Jackson gerade ganz andere Dinge im Kopf. Erstmals seit 15 Monaten verlor der Meister und Tabellenführer, der vorher noch zehn Mal in Folge siegte, zwei Spiele in Serie (in Augsburg und Nürnberg jeweils 2:5). "Das ist eine ungewohnte Situation", so Jackson, "wir müssen sehen, dass wir zurückkommen." Es wird nicht ganz leicht, Hannover (Platz sieben) selbst will ein 1:7 gegen Düsseldorf verarbeiten. Wie das ausgeht, wird Ziffzer erst am späten Abend erfahren. "Es ärgert mich, dass ich nicht dabei bin", sagt er.
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