EHC in Nürnberg
Berliner Eisbären verlieren gleich doppelt
Erstmals nach 15 Monaten haben die Eisbären wieder zwei Niederlagen in Serie hinnehmen müssen. Gegen die Nürnberg Ice Tigers unterlagen sie mit 2:5. Die Berliner spielten schwach, gaben dem Gegener viele Möglichkeiten zum Üben - und der nutzte sie.
Von Marcel Stein
Aberglaube ist im Sport ziemlich weit verbreitet. Der eine zieht vor einem Einsatz hartnäckig den rechten Socken zuerst an. Der andere muss zwanghaft mit dem linken Bein das Spielfeld betreten, wenn er kein schlechtes Gefühl mit sich herumschleppen möchte. Mancher einer wieder scheut sich vor bestimmten Konstellationen, weil sie ihm noch nie Glück gebracht haben.
Das Gefühl, das die Mannschaft des EHC Eisbären auf der Reise nach Nürnberg begleitete, war eher von Trotz geprägt. Verloren hatte der Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Nicht, dass das etwas völlig Außergewöhnliches wäre. Aber es ärgert die Berliner doch sehr, wenn jemand, wie gerade in Augsburg (2:5), besser ist als sie. So sehr, dass sie eine ganz interessante, ziemlich einzigartige Angewohnheit entwickelt haben: Sie verlieren nie zweimal.
Am Freitag mussten sich die Eisbären von ihrer kleinen Tradition verabschieden. In Nürnberg unterlagen sie 2:5 (1:0, 1:2, 0:3). Und vielleicht war ja ein wenig Aberglaube mit im Spiel. Im November 2008 nämlich gab es zuletzt die Kombination mit zwei Auswärtsspielen hintereinander in Nürnberg und Augsburg. Es war das letzte Mal, dass die Eisbären doppelt verloren. Gut möglich, dass sich der eine oder andere daran erinnert hat und nicht mehr ganz so trotzig war wie sonst.
Acht Minuten am Stück in Unterzahl
Bis die Eisbären ins Spiel gefunden hatten, brauchte es ein wenig Zeit. Ein bisschen unorganisiert bewegten sie sich nach vorn. Die Koordination gewann erst an Genauigkeit, als die Berliner mit einem Mann mehr spielen durften. Im ersten Powerplay fiel Marvin Degon mit einem aussichtsreichen Versuch auf, im zweiten André Rankel mit dem 1:0 (14.).
Während bei den Eisbären das Überzahlspiel zu den taktischen Mitteln zählt, mit denen sie Partien für sich entscheiden, ist das Powerplay bei den Nürnbergern eher ein Trauerspiel. Nicht einmal 13 Prozent beträgt die (Miss-)Erfolgsquote, Tiefstwert in der DEL. So gesehen mussten die Berliner nicht viel befürchten, als Denis Pederson wegen Hohen Stocks mit einer Spieldauerstrafe in die Kabine geschickt wurde (16.). Durch ein paar anschließende Strafen waren die Berliner gut acht Minuten am Stück in Unterzahl, zeitweise sogar doppelt.
Doch wer so viele Gelegenheit zum Üben bekommt, hat auch die Chance sich zu verbessern. Paul Albers traf zum Ausgleich (25.). Zwar korrigierte Stefan Ustorf das im Powerplay schnell wieder (27.). Danach allerdings gab es fast kein Überzahlspiel mehr für die Berliner. Und bei gleicher Mannschaftsstärke fühlten sich die Eisbären nicht so wohl wie die Nürnberger. Was vielleicht auch daran lag, dass neben Pederson auch noch Travis James Mulock (Leiste) ausfiel und damit zwei Sturmreihen neu formiert werden mussten.
Gefunden haben sie sich nicht so recht, das Niveau blieb niedrig. Den Nürnbergern, die defensiv zudem sehr gut agierten, kamen die Schwächen des Meisters gelegen, besonders Simon Fischhaber (30.), Greg Leeb (43.), Adrian Grygiel (45.) und André Savage (60.).
Zweimal in Folge haben die Eisbären also nun verloren, nach so langer Zeit. Was bedeutet das? Sind die Eisbären in der Krise? Muss man über den Trainer diskutieren? In der Tabelle wird es langsam eng, nur noch zwölf Punkte beträgt der Vorsprung. Zum Glück gibt es die Kombination Augsburg/Nürnberg/auswärts erst einmal nicht mehr.
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