Interview
Eisbären-Trainer will Spielern keinen Stress machen
Zehn Mal in Folge hatte der EHC Eisbären, Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), gewonnen, bis es in Augsburg mal wieder eine Niederlage gab (2:5). Heute spielen die Berliner beim nächsten bayrischen Klub. Vor der Partie in Nürnberg sprach Morgenpost Online mit Trainer Don Jackson, wie es ist, mit einer so dominanten Mannschaft zu arbeiten und worauf ein Trainer eines solchen Teams achten muss.
Von Marcel Stein
Morgenpost Online: Herr Jackson, die Liga stöhnt ob der Dominanz der Eisbären. Von daher ist es doch gar nicht so schlecht, mal ein Spiel zu verlieren...
Jackson: Wenn man immer vorher wüsste, wer gewinnt, würden wir wohl keine Tickets verkaufen. Persönlich hätte ich aber nichts dagegen, jedes Spiel zu gewinnen.
Morgenpost Online: Obwohl das nicht funktioniert, liegen die Eisbären in der Tabelle weit vorn. Sie sind zudem mit vier Meistertiteln die herausragende Mannschaft der vergangenen fünf Jahre. Ihr Kollege Bill Stewart sagte kürzlich, dass es kein leichter Job ist, ein solches Team immer auf Kurs zu halten. Wie schwer ist es denn?
Jackson: Je mehr talentierte Spieler in einer Mannschaft sind, desto mehr geht der Mannschaft der Blick für die Details verloren. Das darf man als Trainer nicht zulassen. Menschen wollen von Natur aus auch immer das machen, was sie am besten können. Dinge ändern sich aber, was gestern noch der richtige Weg war, kann heute schon der falsche sein. Man muss sich immer bewusst sein, was um einen herum passiert und entsprechend reagieren.
Morgenpost Online: Ihre Mannschaft ist über lange Zeit gewachsen, hat alle erdenklichen Situationen erlebt. Wird es da nicht schwer, denen noch erklären zu wollen, wo es lang geht?
Jackson: Manchmal schon, ich versuche in letzter Zeit auch, dagegen anzukämpfen. Ich sage weniger, wir machen weniger Meetings. Manche Trainer reden die ganze Zeit, das möchte ich nicht. Die Spieler wollen mich auch nicht die ganze Zeit hören. Das ist wie bei Kindern, die wollen ja auch nicht den ganzen Tag bei Mama und Papa sein.
Berliner Morgenpost: Weniger ist manchmal mehr.
Jackson: Ab und zu muss ich mich auch bremsen, weil ich gern mehr sagen würde. Wir reden im Trainerstab viel darüber, was man tun soll und was nicht, halt diesen ganzen Quatsch. Wichtig ist, dass die Spieler keinen Stress haben, sondern sich frei fühlen.
Morgenpost Online: Welche Gefahren lauern noch für eine Mannschaft wie die Eisbären?
Jackson: Man darf nicht so lange warten, bis die Spieler zu alt werden. Wenn man das tut, hat man schlechte Jahre vor sich. Darüber machen wir uns auch Gedanken.
Morgenpost Online: Wohl jeder Trainer wünscht sich, mal ein Team wie die Eisbären zu betreuen. Vor welchen Aspekten an dem Job würden Sie warnen?
Jackson: Man fühlt in dieser Position immer etwas Druck, denn bei so einer Mannschaft erwartet jeder, dass es alles stets perfekt läuft. Das tut es natürlich nicht. Das führt dann zu komischen Situationen. Wir haben mal einen Brief von einem Zehnjährigen bekommen, der sich ein Spiel angeschaut hat. Wir haben verloren und er ist weinend nach Hause gegangen. In dem Brief wollte er wissen, warum wir verloren haben.
Morgenpost Online: Haben Sie geantwortet?
Jackson: Der Brief wurde beantwortet, aber nicht von mir persönlich. Obwohl das eigentlich eine gute Idee gewesen wäre.
Morgenpost Online: Glauben Sie, dass es den anderen Mannschaften noch Spaß macht, gegen die Eisbären zu spielen?
Jackson: Augsburg hatte jede Menge Spaß. Ich bin mir sicher, dass es auch sonst Spaß macht. Wer gegen uns verliert, mag zwar frustriert sein. Aber selbst dann kann dem Gegner die Art, wie er gegen uns gespielt hat, manchmal ein gutes Gefühl vermitteln.
Morgenpost Online: Sie kennen eine solche Dominanz selbst aus Ihrer Spielerkarriere, gewannen mit Edmonton zweimal den Stanley Cup in der NHL. Hilft Ihnen das bei der Arbeit hier?
Jackson: Ich denke oft darüber nach, was mein damaliger Trainer Glen Sather sagen würde, was er tun würde. Wie er Vertrauen bei den Spielern aufgebaut hat, war beeindruckend. Er war ruhig, aber trotzdem hart. Er hat keine Spieler niedergemacht. Er wollte kreative Spieler, die sich keine Sorgen über Fehler machen, aber immer alles geben.
Morgenpost Online: Kürzlich sangen die Fans "Eisbären in die NHL". Hätte das Zukunft?
Jackson: Nicht bei unserem Budget. Wir haben zwar schon gegen Tampa Bay gespielt und sogar durchaus mitgespielt, aber das ist letztlich ein anderes Niveau.
Morgenpost Online: In der DEL sind die Eisbären dieses andere Level. Heute in Nürnberg geht es schon wieder um eine Serie?
Jackson: Sie meinen, nicht zweimal in Folge zu verlieren. Dabei soll es bleiben.
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