Eishockey
EHC Eisbären siegt über die Krefeld Pinguine
Tabellenführer Eisbären Berlin hat seine beeindruckende Siegesserie in der Deutschen Eishockey-Liga fortgesetzt. Mit einem 6:3 gegen die Krefeld Pinguine gelang dem Meister am Sonntag der zehnte Erfolg hintereinander. Ein Grund für die Idee der Fans, den EHC in der besten Liga der Welt anzusiedeln.
Von Marcel Stein
Das mit dem Feindbild hatte längst seinen Reiz verloren. Ein bisschen war die Fankurve des EHC Eisbären aus dem gewohnten Rhythmus gekommen, das Klatschen ließ am Sonntagnachmittag das übliche aggressive Drängen vermissen. Es stand ja auch schon 5:2 für den Titelverteidiger im Spiel gegen die Krefeld Pinguine. Irgendwie schienen dann alle froh zu sein, dass ihnen Patrick Hager ein neues Ziel bot, als er dem Berliner Alexander Weiß ein paar üble Hiebe mitgab (47.). Man forderte, nun wieder rhythmisch und aggressiv, Hagers Ausschluss und nahm das Endergebnis von 6:3 (1:1, 3:1, 2:1) zufrieden, aber nach dem zehnten Sieg in Folge auch sehr routiniert zur Kenntnis.
Die etwas verhaltene Atmosphäre gegen Ende des letzten Drittels der Partie gegen den Zwölften der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) überzeugte dann wohl auch Trainer Don Jackson, dass seinen Eisbären nicht mehr viel passieren würde an diesem Tag. Was ihn dazu veranlasste, seinen Schlussmann Rob Zepp auszutauschen und Markus Keller für die verbleibenden zehn Minuten zu bringen. Einigermaßen überrascht reagierten die Anwesenden, hatte Keller bislang in dieser Saison nur ein Mal im Tor stehen dürfen. Am ersten Spieltag fehlte Zepp verletzungsbedingt – und die Eisbären unterlagen in Kassel mit einem wenig schmeichelhaften 3:8.
Die Eisbären spielen wieder ziemlich gut
Aber das konnte sich gegen Krefeld nicht wiederholen, und selbst wenn, wäre es angesichts des 18 Punkte großen Vorsprungs der Eisbären in der Tabelle unwichtig gewesen. "Ich bin sehr froh für Markus, er hat ein gutes Spiel gemacht", sagte Jackson anschließend mit einem Lächeln. Kellers Nervosität nach der langen Pause war ihm bei dessen ersten Einsatz in der mit 13.800 Zuschauern gefüllten O2 World nicht verborgen geblieben. Beim Treffer von Herberts Vasiljevs war Keller jedoch machtlos (60.).
Neben Keller erhielten auch Weiß und Chris Hahn, sonst in der vierten Angriffsreihe eher selten auf dem Eis, diesmal mehr Zeit, sich dem Publikum zu präsentieren. Sie können es sich halt leisten, etwas herumzuprobieren. Den Druck, ins Play-off zu kommen, gibt es bei den Berlinern nicht. Weil offenbar niemand da ist, der sie daran hindern könnte. Bei den Eisbären ist derzeit "jedes Spiel schon eine Vorbereitung auf das Play-off", wie Stürmer Stefan Ustorf sagt. Und nachdem zuletzt nicht immer alles unbedingt nach den Vorstellungen der Berliner gelaufen ist, machen sie jetzt Fortschritte in der Vorbereitung. Die Eisbären gewinnen nicht mehr nur, sie spielen auch wieder ziemlich gut.
Dabei war Krefeld, zuletzt unter dem neuen Trainer Rick Aduono mit einem guten Lauf, anfangs nicht schlecht. Die Pinguine liefen viel, setzten hartnäckig nach und drehten nach dem EHC-Führungstreffer durch Florian Busch (6.) die Partie durch Allan Rourke (10.) und Michael Endras (24.). Doch wie immer unbeeindruckt davon spulten die Eisbären ihr Programm ab, fuhren Angriff um Angriff und raubten Krefeld zum einen die Kräfte sowie zum anderen den Nerv.
Fans singen "Eisbären in die NHL"
Nachdem zunächst Andy Roach in Überzahl (26.) und Busch (27.), der mit seinem dritten Treffer in den vergangenen beiden Partien eindringlich darauf hinwies, dass die Olympiateilnahme trotz seiner noch nicht erfolgten Nominierung ein großes Ziel für ihn ist, getroffen hatten, durfte auch Ustorf jubeln (39.). Was gut passte, denn er feierte seinen 36. Geburtstag. Wie fühlt man sich da? "Eigentlich bin ich ein bisschen beleidigt, meine Familie ist einen Tag vorher nach Hause geflogen", sagte der Stürmer mit einem Zwinkern.
Den Grad der Herausforderung gegen die auseinander fallenden Krefelder dokumentierte dann Marvin Degon mit seinem Unterzahltreffer (43.). Angesichts dessen taugte auch der schlagkräftige Patrick Hager nur kurz als neues Feindbild. Während André Rankel das sechste EHC-Tor schoss (56.), hatten die Fans eine Idee. "Eisbären in die NHL" sangen sie. Sich neue Herausforderungen zu suchen, ist ja grundsätzlich nie verkehrt. Allerdings klingt der Antrag, die Eisbären in der besten Liga der Welt anzusiedeln, dann doch etwas vermessen. Trotz des Vorsprungs.
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