Eishockey
Buschs Comeback nach der Doping-Affäre
Sonntag, 20. Dezember 2009 09:17 - Von Marcel SteinEisbären-Profi Florian Busch kann wieder mit einem Ticket für Olympia rechnen: Das Schweizer Bundesgericht hat - als letzte Instanz - die gegen Busch verhängte Dopingsperre aufgehoben. Der Eishockey-Nationalspieler äußert sich jetzt zum Abschluss des Verfahrens.

Was Florian Busch ernst meint, und was er nur so im Spaß sagt, ist bei ihm nicht immer auf Anhieb klar voneinander zu trennen. Was durchaus beabsichtigt ist. In seiner bayrischen Heimat würden sie ihn sicher einen Hallodri nennen, Menschen dieses Schlages bevorzugen es, alles als ein großes Spiel zu betrachten. Und ein Spiel soll ja vor allem Spaß machen.
Wer also Nachdenkliches zur letztinstanzlichen Aufhebung seiner Dopingsperre durch das Schweizer Bundesgericht erwartete, musste weitgehend enttäuscht wieder abziehen. Wer hingegen Gefallen an Stand-up-Comedy findet, durfte sich von Busch gut unterhalten fühlen. Natürlich habe er sich über das Urteil und die am Freitag eingegangene Begründung gefreut, „aber ich habe mich eigentlich noch mehr gefreut, dass ich Verteidiger spielen durfte“, sagte Busch nach dem 4:3 des Eishockey-Meisters EHC Eisbären gegen Wolfsburg.
Eigentlich ist der 24-Jährige ein Stürmer, nur akute Personalnot des EHC führte dazu, dass er erstmals hinten aushelfen musste. An der Seite von Andy Roach, den er aus Spaß dann mal schnell zu seinem großen Helfer während der langen Zeit des Prozesses erkor. Einige verstanden, sie lachten. Wie Busch, der mit dem „Lachen nie aufgehört hat, ich kann mich ja nicht in die Ecke setzen und weinen“.
Das wäre schon aufgrund der Dauer des Verfahrens nicht zu empfehlen gewesen. Vor gut 21 Monaten ließ sich Busch zu einer fatalen Dummheit hinreißen. „Ich dachte damals, ich wäre ein Held, wenn ich einfach die Probe verweigere“, sagt Busch. Also schickte er den Kontrolleur der Nationalen Antidopingagentur (Nada) nach einem kleinen Streitgespräch wieder weg. Eigentlich wird so etwas als positive Probe gewertet und mit einer Sperre von zwei Jahren bestraft. Buschs Glück aber war, dass keine Athletenvereinbarung mit dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) vorlag. Er fiel damit nicht unter die Sportschiedsgerichtsbarkeit.
Trotzdem meinte die Weltantidopingagentur (Wada), sie könnte Busch drankriegen und klagte vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas; bei der WM im Mai 2008 hatte er ja eine Vereinbarung unterschrieben. Wie das Schweizer Bundesgericht feststellte, war die Gültigkeit jedoch nur auf die Dauer des Turniers begrenzt. Der Cas, der Busch erst im Sommer zu einer zweijährigen Sperre verurteilt hatte, handelte folglich unrechtmäßig.
In dem langwierigen Verfahren, das völlig anders gelagert war als der Fall der gesperrten Eisschnellläuferin Claudia Pechstein und auf deren Berufung beim Bundesgericht keinerlei Rückschlüsse zu ziehen sind, stellten sich alle Parteien – Busch, der DEB, die Nada und die Wada sowie der Cas – kein gutes Zeugnis aus. Immerhin trug der Fall des Berliners enorm dazu bei, den Antidopingkampf beim DEB endlich zu professionalisieren. Und bei den Spielern schärfte er das Bewusstsein für die Regeln. „Ich kannte mich damals überhaupt nicht aus“, sagt Busch, „jetzt bin ich ein Experte, mit Fragen kann jeder zu mir kommen.“ Das klang spaßig, sollte es auch, ist aber genauso nüchterne Realität.
Dass sich alles so hinzog, war für Busch kein Problem, sagt er. Der Verein stand stets zu ihm, die Mannschaft auch. „Natürlich wird man immer aufgezogen mit ein paar blöden Sprüchen, aber da bin ich schon tough, das halte ich aus“, sagt der Stürmer, der im Verdrängen ebenso stark ist wie auf dem Eis.
Letztere Qualität macht ihn wieder zu einem Kandidaten für die Olympischen Spiele. Um in Vancouver dabei zu sein, müsste er aber zunächst die Athletenvereinbarung unterschreiben und dann eine Sondergenehmigung der Nada erhalten, weil er nicht sechs Monate lang im Testpool der Kaderathleten war. „Olympia“, sagt Busch, „ist ein Traum für jeden, egal ob für mich oder Eiskunstläufer wie Sven Felski.“ Der Teamkollege kann zwar sehr gut Schlittschuhlaufen, war zuletzt aber trotzdem Kapitän der Eishockey-Nationalmannschaft.
Erschienen am 19.12.2009


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