Eishockey
Berliner Eisbären haben das Beißen verlernt
Samstag, 12. September 2009 00:06 - Von Marcel SteinTitelverteidiger und Topfavorit Eisbären Berlin hat einen peinlichen Fehlstart in die 16. Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL) hingelegt. Der viermalige Meister verlor bei den Kassel Huskies. Warum das Spiel des deutschen Eishockey-Meisters mit 3:8 zur Blamage wurde.
Angesichts des Resultats vom Vorabend hatte André Rankel klare Erwartungen für das bevorstehende Training. „Das dürfte wohl eine längere Videositzung werden“, sagte der Stürmer des EHC Eisbären. Übungsleiter nutzen dieses Mittel besonders nach extrem schwachen Auftritten gern als eine Art Konfrontationstherapie. Und nach dem 3:8 des Meisters zum Saisonauftakt der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gab es mehr als genug zum Konfrontieren.
Auf ausgedehnte Filmsequenzen verzichtete Trainer Don Jackson aber weitgehend. „Wir haben nur 15 Minuten Video geschaut“, sagte er. Für das, was er nach dem desaströsen Auftritt bei den Kassel Huskies zu vermitteln hatte, brauchte er keine Bilder.
Angefangen hatte Jacksons Lektion schon während der Partie in Kassel. Gut sieben Minuten vor Spielende nahm er Torhüter Markus Keller, der für den verletzten Rob Zepp (Rippenprellung) eingesprungen war, aus dem Tor. Da stand es schon 3:8. Ein deutliches Zeichen an die Profis, der Trainer hätte ihnen auch eine zweistellige Niederlage gegönnt. „Als das Tor leer war, haben sie plötzlich mehr Verantwortungsgefühl für die Abwehrarbeit entwickelt“, sagt Manager Peter John Lee.
| 77% | Ja. | |
| 19% | Nein. | |
| 4% | Ich weiß nicht. |
Da ist sie also wieder, die alte Schwäche der Eisbären. Sie sind eine Mannschaft, deren Ziel von Natur aus nur darin liegt, das gegnerische Tor zu belagern. Ein riskantes Spiel, eines, das sehr hohe Anforderungen stellt. Fehlen einige Komponenten, kann es schnell enden wie in Kassel. Zwar lautete das Schussverhältnis letztlich 44:26 für die Eisbären. Wirklich unter Druck gerieten die Huskies dennoch nicht.
Warum das so war, beschreibt Jackson wie folgt: „Einige Spieler haben nicht so gekämpft, wie sie sollten, es gab Probleme mit der Taktik, zu viele Strafen, das Selbstvertrauen der Mannschaft war nicht gut.“ Was dazu führte, dass die Eisbären ihr Spiel nicht mit der nötigen Konsequenz durchzogen. Sie produzierten Fehler, mit Vorliebe im Vorwärtsdrang und ohne die Absicht, mit engagierter Defensivarbeit den Schaden gering zu halten. Kassel bedankte sich.
Immerhin kam Jacksons Wink in Kassel an, in den letzten Minuten ohne Torwart gab es keinen Gegentreffer mehr, nachdem es zuvor in 18 Minuten gleich sieben Mal im EHC-Tor eingeschlagen hatte. „Wir wissen, wo die Probleme liegen“, sagt Rankel, „und ich denke, wir können das abstellen.“ Das Spiel am Sonntag gegen den ERC Ingolstadt wird Aufschluss darüber geben (14.30 Uhr, O2 World). Klar ist immerhin, dass die Mannschaft ihre Fans im ersten Heimspiel der Saison nicht mit einer Leistung wie in Kassel konfrontieren sollte.
Erschienen am 05.09.2009


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