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03.09.09

Eishockey-Saisonstart

Berliner Eisbären gehen verjüngt auf die Titeljagd

Der EHC Eisbären musste sich stärker verändern als in den Vorjahren, um weiter oben mitspielen zu können. Was sich nicht verändert hat, ist das Ziel der Berliner: die Deutsche Meisterschaft. Heute startet der Deutsche Eishockey-Meister in Kassel in die neue Saison.

Erfolg macht träge, heißt es oft. Das ständige Jubeln lässt die Arbeit, die davor kommt, irgendwann in Vergessenheit geraten. Und die Lust auf mehr will sich nicht mehr so recht einstellen. Wer Stefan Ustorf mit diesen oder ähnlichen Argumenten ein Motivationsproblem einreden will, der macht sich sehr schnell unbeliebt. "Dann hätte ich meine Schlittschuhe schon nach der ersten Meisterschaft an den Nagel hängen können", sagt der Stürmer. Inzwischen ist er vierfacher Meister mit dem EHC Eisbären. Und startet am Freitag in Kassel in die Saison, um den fünften Titel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zu holen.

Was letzte Saison war, was in den Jahren davor war, das alles interessiert Ustorf nicht mehr: "Das ist vorbei." Für den 35-Jährigen ist jede Saison etwas Neues, daraus zieht er seine Motivation. Andere verfahren da etwas anders. "Nach meinem zweiten Titel bin ich am nächsten Morgen aufgewacht und dachte: Das hat viel mehr Spaß gemacht als beim ersten Mal. Jetzt will ich noch mehr", sagt Torhüter Rob Zepp, seit zwei Jahren beim EHC spielt.

Die Eisbären wollen den Titelrekord

Des Siegens müde sind sie also gewiss nicht bei den Eisbären. Das Niveau der Vorjahre zu halten, wird derweil nicht leicht. "Es ist schwer, einen Titel zu gewinnen, noch schwerer ist es, ihn zu verteidigen", sagt Trainer Don Jackson. Auf eine Mannschaft, die so viel Dominanz ausgeübt hat in den vergangenen fünf Jahren mit ihren vier Titeln, stürzen sich die Gegner besonders gern. Vor allem die Adler Mannheim werden etwas dagegen haben, dass die Eisbären ihren DEL-Titelrekord in dieser Saison einstellen. Mannheim gewann am Donnerstag mit 4:1 gegen die Nürnberg Ice Tigers.

Unwägbarkeiten könnten aber nicht allein durch die Konkurrenz auftreten. Einige wichtige Spieler verließen die Eisbären, darunter Mark Beaufait (Karriereende), Nathan Robinson (Mannheim) und Deron Quint (Russland). "Die Frage wird sein, wie wir diesen Verlust an Offensivkraft ersetzen können", sagt Kapitän Steve Walker. Alle drei gehörten zu den Top-5-Punktesammlern des Klubs.

Manager Peter John Lee stand im Sommer also vor einer mittelgroßen Herausforderung. Zuletzt hatten die Eisbären nie solch bedeutende Abgänge zu verzeichnen. Allerdings hielt Lee wie gewohnt den Großteil der Mannschaft zusammen – was sich in der Vergangenheit als wichtiger Aspekt der Erfolgsgeschichte der Berliner erwies. Insgesamt sind fünf neue Spieler gekommen.

Im Resultat haben die Eisbären, die zuletzt ohnehin immer das jüngste Team ins Liga-Rennen schickten, nun nicht nur eine noch jüngere Mannschaft, sondern auch eine schnellere. "Besonders aus der Defensive heraus haben wir durch Derrick Walser und Marvin Degon noch mehr Geschwindigkeit nach vorn", sagt Walker. Trainer Jackson zeigt sich auch angetan von dem, was ihm der Manager zur Verfügung stellt. "Peter hat einen exzellenten Job gemacht und viel Talent dazugeholt", findet der US-Amerikaner. An ihm ist es nun, daraus etwas zu machen.

Ustorf ist davon überzeugt, dass der Trainer dazu in der Lage sein wird. "Ich sehe keinen Grund, warum wir in irgendeiner Weise schlechter sein sollten", sagt der Stürmer. Die Dynamik innerhalb der Mannschaft ist der Motor, der das Team antreibt. Ustorf erzählt, dass sich die jungen Spieler stetig verbessert hätten, seit er hier ist. Sie haben immer wichtigere Rollen übernommen. Genau das erwartet der Routinier jetzt auch. Spieler wie er sind dadurch noch mehr gefordert: "Ich kann ja nicht vor Florian Busch vom Fahrrad steigen." Die erfahrenen Spieler sind gewillt, ihre Vorbildrolle fortzuführen. Ansonsten könnte der interne Konkurrenzkampf bald prominente Opfer hervorbringen bei den Eisbären.

Gegner hoffen auf die Schwäche

Trotz der größeren Aufgaben in diesem Sommer scheint auch der Manager zufrieden mit seiner Arbeit. "Ich fühle mich gut mit den neuen Leuten", sagt Lee, der neben den beiden Verteidigern die Stürmer Jeff Friesen, Travis James Mulock und Chris Hahn unter Vertrag genommen hat. Offensive Äußerungen bezüglich des Saisonziels vermeidet der Kanadier allerdings. Natürlich will auch er wieder Meister werden, genau wie der Trainer. Nun sagt er es etwas umständlich: "Jede Saison ist eine neue Reise, ich habe meine Koffer gut gepackt."

Das denkt auch die Konkurrenz, fast überall werden die Berliner als Favorit auf den Titel genannt. Angesichts der Triumphe der letzten Jahre überrascht das nicht. Insgeheim hoffen aber alle, dass Erfolg doch träge macht. Das sollten sie aber lieber nicht mit Stefan Ustorf diskutieren.

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